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Technikakzeptanz und Nachfragemuster als Standortvorteil

Neue wissenschaftlich-technische Entwicklungen sollen zum Erkenntnisgewinn beitragen, neue Dienstleistungen und Produkte hervorbringen, Problemlösungen in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen anbieten und zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland beitragen. Unsere Untersuchung sollte klären, welche Rolle Nachfrageverhalten sowie Technikaufgeschlossenheit und Akzeptanz von entsprechenden Produkten, Dienstleistungen und Problemlösungsangeboten bei der dauerhaften Erzielung dieser Effekte spielen.

In dieser Untersuchung wurden Erkenntnisse zu Technikeinstellungen und -akzeptanz sowie Nachfragemuster in die gesamthafte Betrachtung des Innovationssystems eingebettet. Hierfür wurde der Zugang über die “Technologischen Systeme” gewählt, die die Entwicklung, Anwendung und Diffusion einer neuen Technologie in den Mittelpunkt stellen. Außerdem wurde die Annahme zu Grunde gelegt, dass sich eine adäquate Berücksichtigung von Nutzerpräferenzen im Innovationsprozess als vorteilhaft im internationalen Wettbewerb erweisen kann. Damit sollte das Phänomen der (mangelnden) Technikakzeptanz, das bislang vor allem als innovationshemmender Standortfaktor aufgefasst worden war, positiv und konstruktiv genutzt werden. Vor diesem Hintergrund wurden die fünf Technologiefelder

  • Produktionstechnologie,
  • Nanotechnologie,
  • IuK-Technologien mit Schwerpunkt E- und M-Commerce,
  • Neue Verkehrstechnologien mit Schwerpunkt Verkehrstelematik,
  • Lasertechnologie in der Medizin

daraufhin analysiert, welche Erkenntnisse zu Präferenzen der Nachfrageseite in Bezug auf Akzeptanz von und Nachfrage nach konkreten Technikanwendungen vorliegen, inwieweit diesen Präferenzen im Innovationsprozess Rechnung getragen wird bzw. ob sich Hinweise auf Barrieren ergeben, diese Präferenzen aus Nutzersicht einzubringen. Daraus sollten Forschungsbedarf und Empfehlungen für Folgeuntersuchungen abgeleitet werden.

Die Konzeption der vorliegenden Untersuchung fußte auf

  • der Einbettung von Erkenntnissen zu Technikeinstellungen und -akzeptanz sowie Nachfragemuster in die ganzheitliche Betrachtung des Innovationssystems;
  • einer breiten Definition und Operationalisierung von “Technikakzeptanz” und “Nachfrage”, die sowohl die Handlungs-, Einstellungs- und Wert- und Zielebene dieser Konstrukte berücksichtigt;
  • der Notwendigkeit zur Differenzierung nach konkreten Technikanwendungen (Objekt) sowie den jeweils relevanten Subjekten und Kontexten;
  • einem breiten Spektrum an Untersuchungsansätzen, methodischen Zugängen und Datenquellen, die synergistisch kombiniert werden müssen.

Der für diese Untersuchung gewählte, neuartige Ansatz war in allen hier untersuchten Technologiefeldern prinzipiell anwendbar, obwohl sich die Technologiefelder als sehr heterogen erwiesen. Zudem eröffnet dieser Zugang neue Perspektiven für die Technikakzeptanz- und Innovationsforschung, aber auch neue Optionen für die Politik. Deshalb erscheint dieser Zugang als viel versprechend und verdient es, auch in Zukunft weiterverfolgt und konzeptionell weiterentwickelt zu werden.

Um Defizite und Schwachstellen bisheriger Analysen in Folgeuntersuchungen zu vermeiden, sollten Akzeptanz und Nachfrage jeweils auf der Wert- und Ziel-, der Einstellungs- und der Handlungsebene berücksichtigt werden; es sollten die jeweils maßgeblichen Akteursgruppen identifiziert und ihre Präferenzen und ihr Verhalten anhand repräsentativer Stichproben, anhand originaler Äußerungen bzw. durch direkten Einbezug und im Hinblick auf alle relevanten Determinanten (z. B. kognitiv-rationale Aspekte, für die Akzeptanz und Nachfrage auf der Handlungsebene relevante wesentliche Aspekte wie Emotionen, Wertorientierungen und Zeitgeist, Handlungsrelevanz von Einstellungen o. Ä.) charakterisiert werden. Hierfür ist ein breites Spektrum an Untersuchungsmethoden und Datenquellen erforderlich. Die “Anschlussfähigkeit” zwischen verschiedenen Untersuchungsansätzen sollte gewährleistet werden, um Synergien durch die Kombination verschiedener methodischer Ansätze tatsächlich ausnutzen und belastbare Aussagen ableiten zu können.

Für künftige Folgeuntersuchungen sollte die umfassende Aufgabenstellung dieser Untersuchung in Teilfragestellungen unterteilt und eine kritische, aufgabenadäquate Auswahl der Untersuchungsgegenstände vorgenommen werden.

Eine Teilfragestellung ist die Untersuchung der Ausprägung von Akzeptanz und Nachfrage und ihrer Determinanten in ausgewählten Technologiefeldern. Dadurch werden Präferenzen der Nachfrage- und Nutzerseite ermittelt, um sie in Innovationsprozesse einzuspeisen. Zum anderen können die Ergebnisse als Indikatoren dafür genutzt werden, inwieweit die Organisationen und Institutionen des Innovationssystems für die Herausforderungen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts in diesem Technologiefeld angemessen sind. Hieraus lassen sich Ansatzpunkte für eine Anpassung der Technik und/oder der Kontextbedingungen ableiten. Ergänzend können internationale Vergleiche, Vergleiche zwischen (ähnlichen!) Technologiefeldern bzw. Technikanwendungen sowie Veränderungen im zeitlichen Verlauf untersucht werden. Durch die letztgenannten Analysen könnte auch ein Beitrag zur Schließung der Forschungslücke geleistet werden, die in Bezug auf eine Vorausschau des künftigen Verhaltens auf der Basis heutiger Einstellungsmessungen und Präferenzäußerungen besteht. Hierzu wäre zunächst in retrospektiven Paneluntersuchungen zu klären, inwieweit ein solcher Zusammenhang besteht und welche weiteren Einflussfaktoren von Bedeutung sind. Anschließend wäre zu prüfen, inwieweit eine prospektive Nutzung, d. h. eine Vorausschau auf künftiges Handeln möglich ist.

Großer Forschungsbedarf besteht noch in der Konzipierung, Analyse und Evaluation bestehender und neuartiger Instrumente und Maßnahmen, die darauf abzielen, die Nutzerpräferenzen rechtzeitig, wirksam und effizient in den Innovationsprozess einzubeziehen.

Eine diese Untersuchung leitende Prämisse war das Leitmärkte-Konzept, mit dessen Hilfe über die Nachfrage eine konzeptionelle Brücke zwischen Technikakzeptanz und Wettbewerbsfähigkeit geschlagen wurde. Diese konzeptionelle Brücke gilt es in Folgeuntersuchungen aber noch empirisch abzusichern. Hierzu bietet sich zunächst an, anhand ausgewählter Beispiele retrospektiv zu klären, welche Rolle die Technikakzeptanz auf der Wert- und Ziel-, der Einstellungs- und der Handlungsebene für existierende Leitmärkte gespielt hat bzw. spielt. Parallel dazu könnte der Versuch einer ex ante Vorausschau von Leitmärkten unternommen werden. Sollten sich diese beiden Ansätze als praktikabel und lohnend erweisen, könnten sie mit der oben vorgeschlagenen Vorausschau von faktischer künftiger Akzeptanz und Nachfrage auf der Basis heutiger Einstellungsmessungen und Präferenzäußerungen kombiniert werden.

Zudem bieten sich zwei alternative Zugänge für Folgeuntersuchungen an: Bislang hat sich die sozialwissenschaftliche Forschung vor allem der nicht akzeptierten bzw. zu scheitern drohenden Technik zugewandt. Möglicherweise könnte es ein lohnender Ansatz sein, den Blick künftig stärker auf akzeptierte und funktionierende Technik zu richten. Der in der vorliegenden Untersuchung gewählte technologieinduzierte Zugang sollte durch einen probleminduzierten Zugang ergänzt werden, da Letzterer insbesondere Beiträge für das Ziel erwarten lässt, Gestaltungspotenzial für gesellschaftliche Herausforderungen zu identifizieren und technologische Optionen im Hinblick auf ihren Problemlösungsbeitrag zu prüfen.

Status

Abgeschlossenes Projekt (11/2000-07/2002)

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Bonn;  vertreten durch den Projektträger VDI/VDE-Technologiezentrum Informationstechnik GmbH, Teltow

Publikationen

Hüsing, Bärbel, Rainer Bierhals, Bernhard Bührlen, Michael Friedewald, Simone Kimpeler, Klaus Menrad, Jürgen Wengel und René Zimmer, “Technikakzeptanz und Nachfragemuster als Standortvorteil“, Abschlußbericht an das Bundesministerium für Wisssenschaft und Forschung ISI, Karlsruhe, 2002.

Verbundprojekt Multimediales Maschinen-Informationssystem (MuMaSy)

Immer komplexere Maschinen und Anlagen stellen immer größere Anforderungen an die Kenntnisse nicht nur der Benutzer, sondern auch der Monteure und Servicetechniker. Die Technische Dokumentation spielt deshalb eine wichtige Rolle bei der Vermittlung der benötigten Information. Waren es zunächst lediglich Produktbeschreibungen und Handbücher, so werden von der Technischen Dokumentation in zunehmenden Maße alle maschinenbezogenen Dokumente vom Ersatzteilkatalog über Reparaturanleitungen bis zur Bedienungsanleitung für den technischen Laien erstellt. Das Verbundprojekt MuMaSy hatte sich zum Ziel gesetzt, die erforderlichen Methoden und Werkzeuge für Erstellung und Nutzung multimedialer Maschinendokumentation zu entwickeln. Konkret wurde folgendes angestrebt:

  • Erstellung von Methoden, Strukturen sowie Werkzeugen und Systemen, um textuelle, zeichnungsorientierte Informationen im Lebenszyklus einer Maschine multimedial zu ergänzen.
  • Entwicklung eines Multimedia-Informationsmodelles / -systems, das eine Plattform zum Informationsaustausch über die gesamte Prozesskette bildet.
  • Unterstützung insbesondere der Maschinennutzer bzw. -kunden durch gezielte Information bzw. multimediale Maschinendokumentationen.

Die Arbeiten des ISI konzentrierten sich auf folgende Themen:

  • Identifikation der Anforderungen und Spezifikation der Merkmale eines multimedialen Maschinen-Informationssystems.
  • Analyse der internen und externen (zwischen Partnern) Informations- und Know-how-Strukturen der an der Prozesskette beteiligten Unternehmensbereiche, der bestehenden Kommunikationsbeziehungen und der vorhandenen Produktdokumentationen.
  • Bewertung von multimedialer Technik für Anwendungsgebiete im Maschinen- und Anlagenbau speziell für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs).
  • Koordination der Transferaktivitäten und Entwicklung eines Leitfadens zur Erstellung und Nutzung multi-medialer technischer Dokumentation (tD) im Maschinenbau.

Ergebnisse

Anforderungen an ein multimediales Maschinen-Informationssystem wurden durch ausführliche Gespräche mit Kunden der Maschinen- und Anlagenherstellern ermittelt. Die Erhebung bei den Kunden hat ergeben, dass noch sehr große Verbesserungspotentiale bzw. -bedarf bei der Produktdokumentation vorhanden sind. Der Nutzer kann sich gut vorstellen, dass durch elektronische Dokumentationsformen und mit dem Einsatz multimedialer Elemente das Nutzungspotenzial und die Anwendungsmöglichkeiten der heutigen tD deutlich verbessert werden können. Er erhofft sich u.a. folgende wesentliche Verbesserungen:

  • Die physikalische Größe der Dokumentation wird auf ein überschaubares und besser nutzbares Volumen reduziert.
  • Neben der kompakteren Form erwartet man eine höhere Aktualität durch eine regelmäßige Auslieferung aktualisierter Datenträger oder durch die Verfügbarkeit der tD über einen zentralen Datenserver, der vom Hersteller aktuell gehalten wird.
  • Man wünscht sich eine direkte Verbindung zwischen Diagnosesystem und tD, so dass im Problemfall gleich auf die entsprechenden Seiten der tD verwiesen wird bzw. diese am Diagnosesystem angezeigt werden.
  • Für den Zugriff erhofft man sich durch die komfortablen Möglichkeiten der elektronischen Suche und Orientierung in einem Dokument eine deutliche Verbesserung und somit ein leichteres Auffinden gewünschter Informationen.
  • Ein häufig geäußerter Wunsch betraf die verständliche Darstellung der Funktionalität von Maschinen sowie von Abläufen und Vorgängen, die in einer Maschine stattfinden.
  • Von einer multimedialen elektronischen tD erwartet man durch animierte Sequenzen, Audio und Video eine Verbesserung des Schulungsprozesses, ein leichteres und besseres Kennenlernen der Maschinen sowie Unterstützung bei der Fehlersuche.

In einer zweiten Projektphase hat das FhG-ISI Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus besucht und Interviews mit für die Technische Dokumentation verantwortlichen Personen geführt. Ziel war es, den aktuellen Stand der Technischen Dokumentation zu ermitteln. Diese Gespräche haben gezeigt, dass die produktbegleitende technische Dokumentation im Unternehmen einen sehr unterschiedlichen Stellenwert besitzt. Mehrere der angesprochenen Unternehmen haben die Bedeutung der Maschinendokumentation erkannt. In diesen Unternehmen sind bereits die nötigen organisatorischen Voraussetzungen für einen modernen Erstellungsprozess der Dokumentation geschaffen worden. Für die Mehrzahl der untersuchten Unternehmen ist die produktbegleitende Dokumentation jedoch noch immer eine eher lästige Pflichtübung, die vom Kunden gefordert wird. Die tD spielt in diesen Firmen eher eine untergeordnete Rolle. Weitere Ergebnisse der Untersuchung sind: In weniger als einem Drittel der besuchten Unternehmen wird die tD in einem eigenständigen Bereich (Abteilung bzw. Unterabteilung) produziert. In allen besuchten Unternehmen wird die tD heute bereits vollelektronisch mit Standardwerkzeugen der Dokumentenbearbeitung erstellt. Eine Integration aller an der Erstellung der tD beteiligten Stellen über eine entsprechende Dateninfrastruktur ist noch selten vorhanden. Neben der gedruckten Form der tD wird von der Mehrzahl der Unternehmen die Maschinendokumentation zusätzlich auch in digitaler Form auf CD-ROM angeboten. Als wichtige Transferaktivität wird im Rahmen des Projektes vom FhG-ISI ein ausführlicher Leitfaden zum Einsatz von Multimedia für die tD entwickelt. Dieser Leitfaden soll v.a. den kleinen und mittelständischen Unternehmen im Maschinenbau zeigen, wie sie multimediale Informationssysteme für die Produktbeschreibung effizient einsetzen können. Anhand von ‘Best Practice’ Beispielen sollen zukunftsorientierte Lösungsmöglichkeiten aufgezeichnet werden. Organisatorische Aspekte stehen hierbei im Vordergrund.

Status

abgeschlossen (1999 bis 2002)

Auftraggeber

VDMA-Gesellschaft für Forschung und Innovation (VFI) mbH, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)

Partner

  • 12 Industrieunternehmen
    • VDMA-Gesellschaft für Forschung und Innovation mbH, Frankfurt am Main (Koordinator)
    • APS GmbH, Aachen
    • INA COI GmbH, Herzogenaurach,
    • Dorst GmbH & Co., Kochel am See,
    • Eigner+Partner AG, Karlsruhe,
    • Homag Maschinenbau AG, Schopfloch,
    • KUKA Roboter GmbH, Augsburg,
    • Liebherr GmbH, Biberach/Riß,
    • Schuler Pressen GmbH & Co. KG, Göppingen,
    • Joseph Vögele AG, Mannheim,
    • Wirtgen GmbH, Windhagen,
    • Serco GmbH & Co. KG, Bonn
  • 2 Forschungsinstitute
    • Fraunhofer ISI, Karlsruhe
    • Fraunhofer IPA, Stuttgart
    • FISW Steuerungstechnik GmbH, Stuttgart,

Publikationen

Veröffentlichungen

  • Hudetz, Walter , and Michael Friedewald, “Multimedia Product Documentation – User Requirements“, in IECON ’02: Proceedings of the 28th Annual Conference of the IEEE Industrial Electronics Society, IEEE, Piscataway, 2002, pp. 2515-2519.
  • Hudetz, Walter, and Michael Friedewald, “Technische Produktdokumentation im Maschinen- und Anlagenbau: Eine Bestandsaufnahme“, ZWF – Zeitschrift für wirtschaftlichen Fabrikbetrieb, Vol. 97, No. 1-2, 2002, pp. 64-68.
  • Hudetz, Walter, Michael Friedewald, and Monika Harnischfeger, Innovation durch Multimedia im Maschinenbau – Technische Dokumentation im Umbruch: Ein Leitfaden für Maschinen- und Anlagenbauer, VDMA Verlag, Frankfurt am Main, 2002.
  • Klemm, Peter, Joachim Dreyer, D. Zühlke, and Achim Reuther, “Situationsadaptive Informationsbereitstellung an Maschinen”, wt Werkstattstechnik online, Vol. 93, No. 5, 2003, pp. 389-395.
  • Pritschow, G., and Joachim Dreyer, ” “Information on Demand” an der Werkzeugmaschine”, in W. Adam, G. Pritschow, E. Uhlmann, and M. Weck (eds.), Datenmodelle in der Produktion, VDI-Verlag, Düsseldorf, 2002, pp. 39-51.
  • Pritschow, G., and Norbert Treichel, “Multimediales Maschinen-Informationssystem zur Unterstützung entwicklungsbegleitender und kundennaher Prozesse”, in W. Adam, G. Pritschow, E. Uhlmann, and M. Weck (eds.), IuK-Schnittstellen in der Produktionstechnik, VDI-Verlag, Düsseldorf, 2002, pp. 119ff.
  • Stahl, Beate, “Forschungsprojekt „MuMaSy“ entwickelt Multimedia-Informationsmodell für den Maschinenbau“, Maschinenbau-Nachrichten 2/2000, pp. 57.

Standard

  • VDMA 66320, “Beschreibung eines Schemas für Technische Dokumentation im Maschinenbau (mumasy)”, VDMA Einheitsblatt 66320, Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), Frankfurt a.M., 2006.

Berichte

  • Hudetz, Walter, and Michael Friedewald, “Nutzeranforderungen an ein Multimediales Maschineninformationssystem”, Zwischenbericht an die VDMA-Gesellschaft für Forschung und Innovation (VFI) mbH ISI, Karlsruhe, 2000.
  • Hudetz, Walter, and Michael Friedewald, “Stand der technische Produktdokumentation im Maschinen- und Anlagenbau”, Arbeitsbericht an die VDMA-Gesellschaft für Forschung und Innovation mbH (VFI) mbH ISI, Karlsruhe, 2001.

Software-Patente

Studie 1: Mikro- und makroökonomische Implikationen der Patentierbarkeit von Softwareinnovationen: Geistige Eigentumsrechte in der Informationstechnik im Spannungsfeld von Wettbewerb und Innovation (2001)

Studie 2: Geistige Eigentumsrechte in der Informationsgesellschaft: Eine Analyse der Rolle gewerblicher Schutzrechte bei Gründung und Markteintritt sowie für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Softwareunternehmen anhand unternehmens- und softwaretypenbezogener Fallstudien (2002-03)

Aufgabenstellung

Im Oktober 2000 hat die Europäische Kommission eine Sondierung zur Patentierbarkeit softwarebezogener Erfindungen eingeleitet. Gegenwärtig beraten die Mitgliedstaaten des Europäischen Patentübereinkommens beim Europäischen Patentamt darüber, ob die diesbezügliche Einschränkung für die Patentierung aus dem Patentübereinkommen gestrichen werden soll. Hintergrund dieser Diskussionen ist die Befürchtung, dass das Fehlen EU-weit einheitlicher Rechtsvorschriften die Wettbewerbsfähigkeit und das Wirtschaftswachstum der Europäischen Union hemmen könnte. Die Kontroverse entzündet sich daran, dass zum Teil die Auffassung vertreten wird, Patente für Computersoftware könnten ähnlich wie in anderen Technologiefeldern Innovationen fördern, da sie den jeweiligen Eigentümern einen angemessenen Schutz bieten können, so dass größere Anreize für weitere Investitionen in die Entwicklung leistungsfähiger Software entstehen. Die Gegenposition, die vor allem aus der Open-Source-Szene heraus formuliert wird, beruft sich darauf, dass Patente den fairen Wettbewerb durch eine leichtere Monopolbildung untergraben und gerade dadurch Innovationen verhindern könnten. Unabhängig von den Positionen der Grundsatzdebatte ist die gegenwärtige Rechtslage unbefriedigend, weil es an Klarheit und Rechtssicherheit auf dem Gebiet der Patentierung software-basierter Erfindungen mangelt. “Programme für Datenverarbeitungsanlagen”, also Computerprogramme sind als solche, d.h. losgelöst von ihrer technischen Basis, keine patentfähigen Erfindungen. Jedoch haben sowohl die nationalen Patentämter in Europa als auch das Europäische Patentamt Patente für technische Erfindungen erteilt, bei denen ein Computerprogramm verwendet wird. In den Vereinigten Staaten ist Softwarepatentierung leichter möglich. Es existiert sogar eine eigene Patentklasse für Softwaregestützte Geschäftsmodelle, die seit Mitte der neunziger Jahre einen starken Anstieg an Patenterteilungen erfahren hat, wobei die Patenterteilungen an europäische Firmen sich nicht über ein unbedeutendes Niveau hinaus entwickelt haben. Vor dem Hintergrund der rechtlichen Unsicherheiten, der ökonomischen Kontroverse und der europäischen Befürchtung, in der Software-Industrie an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten zu verlieren, ist es Ziel des vorgeschlagenen Forschungsvorhabens, die mikro- und makroökonomischen Implikationen der Patentierung von Software zu analysieren und Empfehlungen für zukünftige wirtschafts- und rechtspolitische Initiativen der Bundesregierung im Bereich der Software-Innovationen zu formulieren. Im Mai 2000 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bereits einen ersten Workhop dazu veranstaltet. Empirischer Kern der Studie ist eine bislang einmalige Primärerhebung in Deutschland. Zielgruppe sind Unternehmen im Sektor Softwareentwicklung bzw. Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, die eigene Softwareentwicklung betreiben sowie sonstige Softwareentwickler.

Status

abgeschlossen 2001

Auftraggeber

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Partner

  • Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Patent-, Urheber und Wettbewerbsrecht
  • Fraunhofer Patentstelle für die Deutsche Forschung.

Publikationen

Bücher

  • Blind, Knut, Jakob Edler, Ralph Nack, Joseph Straus, Michael Friedewald, Rainer Frietsch, and Wolfgang Knappe, Software-Patente: Eine empirische Analyse aus ökonomischer und juristischer Perspektive, Physica, Heidelberg, 2003.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, Software Patents: An Empirical Analysis from an Economic Perspective, Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart, 2004.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, Software Patents: Economic Impacts and Policy Implications, Edward Elgar, Cheltenham, 2005.

Berichte

  • Blind, Knut, Jakob Edler, Michael Friedewald, Joseph Straus, and Ralph Nack, “Mikro- und makroökonomische Implikationen der Patentierbarkeit von Softwareinnovationen: Geistige Eigentumsrechte in der Informationstechnik im Spannungsfeld von Wettbewerb und Innovation”, Endbericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ISI, Karlsruhe, 2001.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, “Geistige Eigentumsrechte in der Informationsgesellschaft: Eine Analyse der Rolle gewerblicher Schutzrechte bei Gründung und Markteintritt sowie  für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Softwareunternehmen anhand unternehmens- und softwaretypenbezogener Fallstudien”, Endbericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ISI, Karlsruhe, 2003.

Artikel

  • Friedewald, Michael, Knut Blind, and Jakob Edler, “Innovation und intellektuelles Eigentum: Wer nutzt und wem nützen Softwarepatente?”, PIK – Praxis der Informationsverarbeitung und Kommunikation, Vol. 26, No. 2, 2003, pp. 102-109.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, “Wer braucht eigentlich Software-Patente? Ergebnisse einer empirischen Untersuchung”, in Kurt Bauknecht, Wilfried Brauer, and Thomas A. Mück (eds.), Informatik 2001: Wirtschaft und Wissenschaft in der Network Economy – Visionen und Wirklichkeit, Österreichische Computer Gesellschaft, Wien, 2001, pp. 1046-1053.
  • Blind, Knut, and Jakob Edler, “Micro- and Macrooeconomic Implications of the Patentability of Software Innovations. Intellectual Property Rights in Information Technologies between Competition and Innovation”, in), International Forum “Protection of Computer-Related and Business Model Inventions” 21 and 22 November 2002, European Patent Office, Munich, EPO International Academy, Munich, 2003, pp. 207-214.
  • Blind, Knut, and Jakob Edler, “Idiosyncrasies of the Software Development Process and Their Relation to Software Patents: Theoretical Considerations and Empirical Evidence”, Netnomics, Vol. 5, No. 1, 2003, pp. 71-96.
  • Blind, Knut, “Interoperability of Software: Demand and Solutions”, in Hervé Panetto (ed.), Interoperability of Enterprise Software and Applications: Workshops of the INTEROP-ESA International Conference EI2N, WSI, ISIDI and IEHENA 2005, February 22nd, 2005 – Geneva, Switzerland, Hermes Science, London, 2005, pp. 199-210.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, “Software Patents: Additional Insights from Case Studies”, in), 5th EPIP Conference European Policy for Intellectual Property, Roskilde University, Copenhagen, Denmark, 10th – 11th March 2005.
  • Blind, Knut, “Intellectual Property in Software Development: Trends, Strategies and Problems”, Review of Economic Research on Copyright Issues, Vol. 4, No. 1, 2007, pp. 15-25. http://ssrn.com/abstract=997190

Potenzialanalyse “Forschung unter Schwerelosigkeit”

Ziel des Projektes war es, eine Analyse der Potenziale der “Forschung unter Schwerelosigkeit” (FUS) für die Wissenschaft und die Wirtschaft auszuarbeiten. Dabei sollte auch der Frage nachgegangen werden, wie die FUS mit den terrestrischen Mutterdisziplinen vernetzt ist und von diesen wahrgenommen wird. Als methodischer Ansatz wurde eine Kombination aus einer quantitativen Breitenanalyse mit Hilfe von Wissenschafts- und Technikindikatoren mit einer qualitativen, im Wesentlichen auf Experteninterviews beruhenden Vertiefungsanalyse gewählt. Dabei wurden leitfadengestützte Interviews mit 70 Experten in Deutschland, anderen europäischen Ländern und den USA durchgeführt.

Insgesamt stellt die FUS in der Wissenschaft mit einem Anteil von unter 1% an allen Publikationen des Science Citation Index einen eher kleinen Bereich dar und ist diesbezüglich beispielsweise mit Publikationen zur Synchrotronstrahlung vergleichbar. Die Bedeutung der FUS in der Wissenschaft hat gemessen am Publikationsaufkommen in den 90er-Jahren deutlich zugenommen. Das Publikationsaufkommen wird durch die USA dominiert, gefolgt von Europa und, mit deutlichem Abstand, Japan. Innerhalb Europas kommen die meisten Publikationen aus Deutschland und Frankreich. Insgesamt hat die Potenzialanalyse gezeigt, dass die FUS wichtige wissenschaftliche Beiträge zu den terrestrischen “Mutterdisziplinen” Medizin, Biologie, Physik und Materialwissenschaften leisten kann. Ihre Potenziale liegen dabei vor allem im Grundlagenbereich, wo FUS eine wesentliche Erweiterung der experimentellen Möglichkeiten bietet. Potenziale der FUS für die wirtschaftliche Nutzung im Sinne der Entwicklung von Anwendungen aus ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen sind dagegen kurz- und mittelfristig eher begrenzt. Längerfristig sollte sich jedoch auch aus der FUS wirtschaftlicher Nutzen ergeben, wie dies auch bei anderen grundlagenorientierten Forschungsfeldern beobachtet wird.

Als entscheidend für die Realisierung der Potenziale der FUS erachten wir die Entwicklung eines neuen konzeptionellen Verständnisses: FUS sollte nicht per se als eigenständige Disziplin betrieben werden, sondern sich an der Frage ausrichten, zu welchen Themenfeldern aus den Mutterdisziplinen durch FUS ein Beitrag geleistet werden kann. Somit ergeben sich für die künftige Gestaltung der FUS vor allem zwei Ziele: 1. Weiterführung und Verstärkung der Integration und Vernetzung mit den Mutterdisziplinen. 2. Öffnung für eine möglichst breite Scientific Community.

Status

Abgeschlossenes Projekt (07/2001)

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Publikationen

Reiß, Thomas, Susanne Bührer, Qi Chen, Michael Friedewald, Sybille Hinze, and Gerhard Jaeckel, “Potenzialanalyse Forschung unter Schwerelosigkeit”, Bericht an das Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat 622: Raumfahrt. ISI, Karlsruhe, 2001.

Analyse und Evaluation der Software-Entwicklung in Deutschland

Aufgabenstellung

Anlass für die Bestandsaufnahme der Softwareentwicklung in Deutschland war die Tatsache, dass sich der Markt für Softwaretechnologie und softwarebezogene Dienstleistungen weltweit zunehmend zu einem wirtschaftlichen Schlüsselbereich entwickelt. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Softwareunternehmen im engeren Sinne (primäre Softwarebranche, Primärbranche), sondern immer mehr auch Unternehmen aus unterschiedlichen Anwendungsbranchen (sekundäre Softwarebranchen, Sekundärbranchen), für die Software zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Produkte und zur Grundlage der von ihnen angebotenen Dienstleistungen geworden ist. Insbesondere zur Situation der Sekundärbranchen gab es bislang so gut wie keine aktuellen Marktdaten. Die Primärbrache umfasst in der hier verwendeten Definition neben Softwarehäusern auch DV-Dienstleister und Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und -einrichtungen. Zu den in der Studie betrachteten Sekundärbranchen zählen die Bereiche Maschinenbau, Elektrotechnik, Fahrzeugbau, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen. Damit werden exemplarisch Branchen innerhalb des produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors mit einem besonders hohen Anteil an Softwareentwicklung abgedeckt. Methodisch kam eine Kombination repräsentativer telefonischer Befragungen und Experteninterviews zur qualitativen Vertiefung zum Einsatz. Im Rahmen der telefonischen Befragung wurden Gespräche mit Vertretern aus repräsentativ ausgewählten Unternehmen der Primärbranche (n = 249 Unternehmen) und der Sekundärbranchen (n = 671 Unternehmen) durchgeführt. Die Zielpersonen in den Unternehmen waren in der Regel die Leiter der Softwareentwicklung, bei kleineren Unternehmen auch die Inhaber oder Geschäftsführer. Expertengespräche wurden in 55 softwareentwickelnden Unternehmen durchgeführt. Aus den verschiedenen Branchen wurden sowohl kleine, junge als auch profilbestimmende und marktführende Unternehmen ausgewählt. Ziel dieser Expertengespräche war es, einen tieferen Einblick in die Praxis der industriellen Softwareentwicklung zu gewinnen. Die Interviews wurden anhand eines Gesprächsleitfadens geführt, der die Softwareproduktion im Unternehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Dabei ging es insbesondere um den Umfang der Softwareprodukion, die Produktionsprozesse, die Bedeutung von Software für Wettbewerb und Innovation sowie um den künftigen Personalbedarf und die Anforderungen an die Mitarbeiterqualifikation.

Ergebnisse

Die Studie zeigt, dass Software und Softwareentwicklung für nahezu alle Produkte und Prozesse quer durch alle Branchen der deutschen Volkswirtschaft zunehmend zum wettbewerbsbestimmenden Faktor wird. Es liegt jetzt Grundlagen- und Orientierungswissen vor, das Wirtschaft und Staat fundierte Entscheidungen zur Forschung, Entwicklung und Ausbildung auf dem Gebiet der Software ermöglicht. In der Informationstechnik-Branche entwickeln mehr als 10.500 Unternehmen Software. In den 5 untersuchten Sekundärbranchen sind es bereits mehr als 8.600 Unternehmen. Dabei erzielen in der Primärbranche knapp die Hälfte aller Unternehmen mehr als 75 % ihres Umsatzes durch Softwareentwicklung. In den Sekundärbranchen entfallen durchschnittlich schon 15 % der Neuentwicklungskosten auf Software, wobei die Branchen Elektrotechnik und die Telekommunikation überdurchschnittlich softwareintensiv sind. Es gibt in der Primärbranche eine enorme Gründungsdynamik, 67 % der Unternehmen wurden nach 1990 gegründet. In den Sekundärbranchen spiegelt sich die traditionelle Stärke der deutschen Wirtschaft in ingenieurmäßigen Individuallösungen wider, die zunehmend auf innovativen Softwareentwicklungen beruhen. Der Trend zur Auslagerung der Softwareentwicklung besteht nach wie vor. Der Wettbewerb wird zunehmend über software-veredelte Funktionen der Produkte oder Dienstleistungen entschieden. Die Untersuchung belegt das momentane Defizit an Fachkräften, das für viele der befragten Unternehmen bei der Softwareentwicklung ein besonders dringliches Problem darstellt. Durch altersbedingte Fluktuation und weiteren Zusatzbedarf wird zukünftig sogar noch mit einer Verschärfung dieser Situation gerechnet. Voraussetzung für die Schaffung neuer Arbeitsplätze in Deutschland ist eine verstärkte Ausbildung sowie der Ausbau von softwaretechnologischer Kompetenz zur Entwicklung und zum Einsatz von Software-Produkten, softwaregestützten Prozessen und Dienstleistungen. Zuverlässigkeit und Funktionalität sind aus Sicht der Unternehmen die wichtigsten Qualitätseigenschaften von Software. Bisher ist aber die ingenieurmäßige Entwicklung qualitativ hochwertiger Software in Deutschland noch zu gering verbreitet. Die Bedeutung der Softwareentwicklung spiegelt sich außerdem noch nicht ausreichend in den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Unternehmen wider. Als Forschungsziele werden in der Untersuchung u. a. die Erarbeitung von wissenschaftlichen Grundlagen für die Softwaretechnik als Ingenieurdisziplin, verbesserte softwaretechnologische Prozesse, Methoden und Werkzeuge sowie das Bereitstellen und Experimentieren mit innovativen Methoden und Anwendungsfeldern mit hohen softwaretechnologischen Anforderungen.

Status

abgeschlossen 2000

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Partner

  • Gesellschaft für Konsumforschung, Nürnberg
  • Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering, Kaiserslautern

Publikationen

Bericht

  • Stahl, Petra, H. Dieter Rombach, Michael  Friedewald, Robert Wucher, Susanne Hartkopf, Kirstin Kohler, Simone Kimpeler, Peter Zoche, Manfred Broy, and Ingolf Krüger, “Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland“, Endbericht an das Bundesministerium für Bildung und Forschung. GfK Marktforschung, Nürnberg, 2000. https://www.iese.fraunhofer.de/content/dam/iese/de/documents/Softwareentwicklung_Deutschland_Evasoft_tcm122-7431.pdf.

Artikel

  • Friedewald, Michael, H. Dieter Rombach, Petra Stahl, Manfred Broy, Susanne Hartkopf, Simone Kimpeler, Kirstin Kohler, Robert Wucher, and Peter Zoche, “Softwareentwicklung in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme”, Informatik Spektrum, Vol. 24, No. 2, 2001, pp. 81-90.
  • Friedewald, Michael, Knut Blind, and Jakob Edler, “Das Innovationsverhalten der deutschen Softwareindustrie”, Wirtschaftsinformatik, Vol. 44, No. 2, 2002, pp. 155-161.
  • Friedewald, Michael, “Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland”, IT-Personal / IT-Training, Vol. 218, 2001.
  • Friedewald, Michael, H. Dieter Rombach, Petra Stahl, Manfred Broy, Susanne Hartkopf, Simone Kimpeler, Kirstin Kohler, Robert Wucher, and Peter Zoche, “Softwareentwicklung in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme”, Informatik Spektrum, Vol. 24, No. 2, 2001, pp. 81-90.

Marktstudie Application Service Providing

Aufgabenstellung

Die Idee hinter Application Service Providing (ASP) ist nicht grundlegend neu, denn bereits in den 70er und 80er Jahren gab es Unternehmen, die mit so genannten „Time-Sharing-Services“, den kleinen und mittleren Unternehmen Rechner und Applikationen zur Verfügung stellten. Dennoch besitzt ASP heute wesentlich mehr Potential. Vor allem branchenspezifische Anwendungen werden im Netz gemietet, um sich teure Investitionen in IT-Strukturen und Know-how zu sparen. Auch jetzt sind es wieder vor allem kleine und mittlere Unternehmen, für die ASP eine Alternative zum Kauf von Anwendungen darstellen kann. Dabei bieten Application Service Provider ihren Anwendern über ein eigenes oder öffentliches Netzwerk Zugang zu Software-Applikationen, die in leistungsfähigen, sicheren und hoch verfügbaren Rechenzentren (Data Center) abgelegt sind.

Vor allem KMU mit nur geringen Personalressourcen sowie junge Internet Start-ups stellen die Hauptzielgruppe für das Application-Software-Providing dar. Die Gründe für den Einsatz von ASP liegen auf der Hand: So erwarten laut Forrester 69% der DV-Entscheider tiefgreifende Kosten- und Zeitersparnisse, 58% hoffen auf geringere IT-Administration, während 52% eine schnellere Einführung neuer Anwendungen durch ASP für wahrscheinlich halten. Kosteneinsparungen sollen sich vor allem dadurch einstellen, dass im Gegensatz zum herkömmlichen Outsourcing der Auftraggeber keine Softwarelizenzen mehr kaufen muss. Die Lizenzrechte kauft der Application Service Provider, die Kunden bezahlen lediglich für die Benutzung der Programme. Darin enthalten sind sowohl die Lizenzkosten, Gebühren für Rechner-, Platten und Netzwerkkapazitäten als auch Wartungs- und Supportkosten. Auf den ersten Blick mögen einige Softwareprogramme, die beim ASP gemietet werden teuer erscheinen. Wenn man jedoch nicht allein die Lizenzgebühren sondern die Gesamtkosten, welche auch die Aufwendungen für Endanwender-Support sowie die Ausgaben für immer wieder auftretende Fehlerbeseitigung berücksichtigt, eröffnet sich das gesamte Einsparungspotential. Forrester geht davon aus, dass etwa 30% des IT-Budgets eines Unternehmens durch Application Service Providing eingespart werden kann.

Vor diesem Hintergrund sollten für den Auftraggeber die wichtigsten Anbieter und Produkte für ausgewählte Branchen identifiziert und beschrieben werden. Dabei geht es auch um die spezifischen Anforderungen, die für die Durchsetzung des ASP-Modells in unterschiedlichen Branchen zu erfüllen sind.

Ergebnisse

Application Service Providing ist ein neues Vertriebsmodell für Software, das nicht nur bei branchenneutralen Applikationen (Office, Mail, ERP) Marktpotenziale besitzt, sondern auch für die Nutzer branchenspezifischer Software interessant ist.

Die Entscheidung, ob und in welchem Umfang ASP von Unternehmen tatsächlich genutzt wird, hängt von einer Abwägung der Vor- und Nachteil ab. Zu den von den potenziellen Nutzern als Nachteil empfundenen Faktoren gehören: (1) die Abhängigkeit von einem externen Dienstleister, (2) der langfristige Know-how-Verlust im IT-Bereich, (3) Probleme des Datenschutzes und der Datensicherheit, (4) der mögliche Kostenanstieg, falls ein ASP-Anbieter die entstandene Abhängigkeit durch erhöhte Preise missbraucht sowie (5) die Verfügbarkeit der Dienstleistung und des Netzes als neue Unsicherheitsfaktoren.

Demgegenüber erkennen die potenziellen Nutzer auch Vorteile von ASP: (1) Kostentransparenz im IT-Bereich, (2) keine zusätzlichen Hardware-Investitionen, (3) hohe Sicherheit vor Datenverlusten, (4) Aktualität der Anwendungen, (5) Einfache Skalierbarkeit / Erweiterbarkeit und dadurch (6) die Möglichkeit zur Fokussierung auf das Kerngeschäft.

Nicht alle Software-Anwendungen sind heute in gleichem Maße für ASP geeignet:

  • Im Office Software Bereich spielt immer noch Microsoft mit „Microsoft Office“ die Hauptrolle unter den Softwareanbietern. Eine großes Einsparpotential wird im Office Bereich durch ASP jedoch nicht gesehen, da die Wartung und Installation der Office Pakete relativ einfach ist. Bei derzeitigen Übertragungsgeschwindigkeiten haben
  • Grafikprogramme – speziell für den Medienbereich – im ASP-Modell noch keine Zukunft, da der Bildaufbau enorme Übertragungskapazitäten erfordert.
  • Internet / Intranet basierende Anwendungen werden mit großer Wahrscheinlichkeit ein Hauptstütze des ASP werden. Die Nutzung von ASP könnte hier ganze Firmennetzwerke und Administrationsbereiche ersetzen.
  • Im Bereiche der großen Datenbank- oder Analyseanwendungen ist ASP eine sehr gute Alternative, da bei diesen Programmen meist ein Maximum an Hardwareleistung vorausgesetzt wird. Teure einmalige Investitionen könnten so den Firmen erspart bleiben.

Für branchenspezifische ASP-Lösungen (z. B. Konstruktions- und produktionsunterstützende Software im produzierenden Gewerbe, Warenwirtschafts- und Logistikapplikationen) existieren keine „einfachen“ Märkte, die sich einfach dadurch erschließen ließen, die erfolgreichsten Softwareprodukte in das Anbieter-Portfolio aufzunehmen. Dabei gilt es vor allem psychologische Barrieren bei den potenziellen Kunden zu überwinden, die sich – aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit und Bedenken über die Zukunftssicherheit der Angebote – scheuen, IT-Aufgaben durch einen spezialisierten Dienstleister erbringen zu lassen.

Für einen erfolgreichen Markteintritt bei branchenspezifischen Anwendungen erscheint daher die Kooperation des Application Servicer Providers mit etabnlierten Softwareanbietern, mit einflussreichen und meinungsbestimmenden Pilotkunden bzw. Branchenverbänden zielführend. Zentral ist dabei die Schaffung von Vertrauen bei den potenziellen Kunden, sowohl mit Blick auf Leistungen als auch auf Kosten- bzw. Preismodelle.

Status

abgeschlossen (September 2000 – April 2001)

Auftraggeber

Einsteinet AG

Publikationen

  • Friedewald, Michael, “Marktstudie “Application Service Providing” – Branchenspezifische ASP-Potenziale”, Abschlussbericht, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, 2001.
  • Friedewald, Michael, Peter Georgieff, and Markus Joepgen, “Application Service Providing – Software mieten statt kaufen“, FB/IE – Zeitschrift für Unternehmensentwicklung und Industrial Engineering, Vol. 50, No. 6, 2001, pp. 265-267.

Umfassende Studie zur wirtschaftlichen Relevanz der Software-Industrie in Deutschland

Über 20 000 Unternehmen in Deutschland entwickeln Software / Jährliche Wertschöpfung von mindestens 50 Mrd. DM / Wissenschaftler sprechen sich für eine Erneuerung des Ausbildungssystems aus

Eine bessere Durchdringung vieler Studiengänge mit medien- und informationstechnischem Anwendungswissen fordert das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe. Gemeinsam mit der GfK Marktforschung GmbH, Nürnberg, und dem Fraunhofer IESE, Kaiserslautern, untersuchte die Projektgemeinschaft für das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Softwareentwicklung in Deutschland. Die Forscher analysierten dabei sowohl die Primärbranche, also Softwarehersteller, Dienstleister der Informationstechnik und Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, als auch Sekundärbranchen, die von der Softwaretechnik stark beeinflusst werden, wie den Maschinen- und Fahrzeugbau, die Elektrotechnik, die Telekommunikation sowie Finanzdienstleistungsunternehmen.

Nach Berechnungen der Autoren entwickeln derzeit über 20 000 Unternehmen in Deutschland Software oder passen diese an Unternehmensbedürfnisse an. Mittlerweile ist in vielen Branchen ein überwiegender Teil des Umsatzes unmittelbar vom Einsatz von Computern abhängig. Beispielsweise steuern Programme heute in der Automobilindustrie nahezu alle Produktionsabläufe. Ohne Software könnten Autos weder hergestellt noch vertrieben werden. Selbst im Auto „regiert“ Kollege Computer, sei es bei der Motorregelung oder bei diversen Kontrollanzeigen.

Die Unternehmen der softwareintensiven Branchen beschäftigen nach Schätzung der Forscher derzeit rund 2,8 Millionen Erwerbstätige – 300 000 in der Primärbranche und 2,5 Millionen in den Sekundärbranchen. Davon sind in der Primärbranche über 120 000 Personen explizit mit der Entwicklung oder Anpassung von Software betraut und gut 55 000 Menschen in der Sekundärbranche. Diese 175 000 Beschäftigten erzielen jährlich eine Wertschöpfung von mindestens 50 Mrd. DM.

Während die Struktur der Primärbranche überwiegend durch kleine Unternehmen mit oftmals weniger als zehn Mitarbeitern geprägt ist, findet die Softwareentwicklung und -anpassung in den Sekundärbranchen eher in mittleren und größeren Firmen statt.

Die Primärbranche ist durch junge Unternehmen gekennzeichnet; rund zwei Drittel der Firmen wurden nach 1990 gegründet. Existenzgründungen entstehen aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen, aber auch dadurch, dass etablierte Firmen neue, innovative Produkte entwickeln und diese in Ausgründungen vermarkten. In den Sekundärbranchen spiegelt sich die traditionelle Stärke der deutschen Wirtschaft wider. Angepasste Softwarelösungen tragen vielfach dazu bei, dass Unternehmen dieser Branchen ihre Weltmarktführerschaft ausbauen können.

Doch konstatieren die Autoren ein starkes Defizit an qualifizierten Fachkräften. Der in der Befragung ermittelte Bedarf von 28 000 Softwareentwicklern zur sofortigen Einstellung bzw. 55 000 Softwareentwicklern zur Einstellung in den nächsten Monaten ist noch sehr konservativ geschätzt. Die Forscher erwarten einen weiterhin stark steigenden Personalbedarf. Sie gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2005 der Personalbestand von heute gut 175 000 Mitarbeitern auf schätzungsweise 385 000 ansteigt. Dieser Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitern kann nach Ansicht der Wissenschaftler nicht durch die Standardausbildungsgänge der Hochschulen gedeckt werden.

Ferner erfordert die Professionalisierung der Softwareentwicklung ein klares Rollenbild und darauf abgestimmte Qualifikationen. Vielfach bemängeln die rund 1 000 befragten Unternehmen eine fehlende Anwendungsorientierung der universitären Studiengänge. Die gegenwärtige Ausbildung konzentriert sich zu stark auf die Fähigkeit, Software neu zu entwickeln, anstatt sich mit Standardkomponenten auseinander zu setzen, um daraus neue Systeme und Lösungen zu kreieren. Darüber hinaus wird in der Softwareentwicklung zu wenig zwischen anspruchsvollen Ingenieurstätigkeiten wie Anforderungsanalyse oder Systementwurf und einfachen technischen Tätigkeiten wie Programmierung oder Komponententesten unterschieden. Dies hat zur Folge, dass hochqualifizierte Informatiker nicht adäquat eingesetzt werden und sich dann unterfordert fühlen.

Die Wissenschaftler sprechen sich daher für eine generelle Erneuerung des deutschen Aus- und Weiterbildungssystems aus. Dabei sollten die Internationalisierung der Lehre, eine Aktualisierung der Bildungsinhalte, Interdisziplinarität sowie der Praxisbezug im Mittelpunkt stehen.

Dennoch bestehen nach übereinstimmender Einschätzung der Experten in Deutschland die Voraussetzungen für eine günstige Entwicklung in den Sekundärbranchen sowie für ein Wachstum in der Primärbranche. Um innovative Techniken in den Unternehmen zu erschließen, sind nach Meinung der Befragten weniger finanzielle Zuwendungen erforderlich als vielmehr bessere Rahmenbedingungen etwa zur Qualifizierung des Nachwuchses.

Die befragten Experten beantworteten schließlich die Frage nach „marktnaher Forschung“ oder „Grundlagenforschung“ mit einem entschiedenen „Beides!“. Nur die gleichzeitige Verfolgung von Grundlagen- und angewandter Forschung verspricht auf Dauer Erfolg. Dabei sollte Deutschland, dessen Stärke das produzierende Gewerbe mit starker Orientierung auf Einzel- statt Massenproduktion ist, sich besonders auf Anwendungsfelder konzentrieren wie „Embedded Software“, die beispielsweise in der Automobil- und Mobilfunkindustrie benötigt wird, sowie auf Software zur Unterstützung von Dienstleistungen, zum Beispiel für die öffentliche Verwaltung, im Gesundheitswesen, in der Planung und Logistik sowie für Verkehrsleitsysteme.

Die Studie „Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland“ kann als pdf-Datei (4,3 MB) aus dem Internet bezogen werden unter: http://www.dlr.de/IT/IV/Studien/evasoft_abschlussbericht.pdf

Faxanwendungen und Endgerätetechnik: Studie zu Marktentwicklungspotenzialen und Substitutionseffekten bis 2005

Aufgabenstellung

Das Fax ist seit Mitte der Achtzigerjahre zu einem unverzichtbaren Medium für die geschäftliche und private Kommunikation geworden. Einfache Benutzung und internationale Kompatibilität haben dazu beigetragen, dass das Fax für die Über­mittlung von Papiervorlagen weltweite Akzeptanz gefunden hat. So waren nach einer Studie im vergangenen Jahr weltweit mehr als 70 Mio. Faxgeräte in Betrieb, und es wurde erwartet, dass 1999 über 20 Mio. Geräte abgesetzt werden. Aktuelle Studien prophezeien allerdings das baldige Verschwinden des „klassi­schen“ Fax als unmittelbares Dokumententransfersystem (Papier zu Papier) bzw. „Fernkopierer“. Anlass sind technische Entwicklungen hinsichtlich des Übertragungsmodus und der Endgeräte für faxähnliche Dienste bzw. der Kombina­tion mit Endgeräten für komplementäre Kommunikationsformen.

Ziel der Studie war es, Marktentwicklungspotenziale bereits heute existierender und geplanter Endgerätetypen bis 2005 abzuschätzen. Dabei galt es, zum einen Substitutionseffekte in bezug auf die klassischen Fax-Anwendungen zu ermitteln und zum anderen den Einfluss bestehender und neuer Fax-bezogener Dienste auf den Geräteabsatz zu untersuchen. Das technisch Mögliche und die von den Endge­räteproduzenten verfolgten Strategien müssen den Entwicklungen auf der Nach­frageseite gegenübergestellt werden. Der Schwerpunkt der Untersuchung lag dabei auf dem Massenmarkt, das heißt auf den Kundensegmenten private Haushalte und Unternehmen unter zehn Mitar­beitern (VSE). Der Faxabsatz an größere Unternehmen und öffentliche Einrichtun­gen wurde ergänzend betrachtet.

Insgesamt wurden drei große Themen­komplexe untersucht:

  • Konkurrierende Systeme und deren Leistungsspektrum (Analyse der Anbieterseite)
  • Faxnutzung (Analyse der Nachfrageseite)
  • Marktentwicklungspotential und Substitutionseffekte

 

Status

abgeschlossen (September 1999 – Januar 2000)

Aufraggeber

T-Systems, Nova

Publikation

Kolo, Castulus, Michael Friedewald, and Peter Georgieff, “Faxanwendungen und Endgerätetechnik: Studie zu Marktentwicklungspotentialen und Substitutionseffekten bis 2005”, Unveröffentlichter Endbericht, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, 2000.