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Analyse und Evaluation der Software-Entwicklung in Deutschland

Aufgabenstellung

Anlass für die Bestandsaufnahme der Softwareentwicklung in Deutschland war die Tatsache, dass sich der Markt für Softwaretechnologie und softwarebezogene Dienstleistungen weltweit zunehmend zu einem wirtschaftlichen Schlüsselbereich entwickelt. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Softwareunternehmen im engeren Sinne (primäre Softwarebranche, Primärbranche), sondern immer mehr auch Unternehmen aus unterschiedlichen Anwendungsbranchen (sekundäre Softwarebranchen, Sekundärbranchen), für die Software zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Produkte und zur Grundlage der von ihnen angebotenen Dienstleistungen geworden ist. Insbesondere zur Situation der Sekundärbranchen gab es bislang so gut wie keine aktuellen Marktdaten. Die Primärbrache umfasst in der hier verwendeten Definition neben Softwarehäusern auch DV-Dienstleister und Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und -einrichtungen. Zu den in der Studie betrachteten Sekundärbranchen zählen die Bereiche Maschinenbau, Elektrotechnik, Fahrzeugbau, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen. Damit werden exemplarisch Branchen innerhalb des produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors mit einem besonders hohen Anteil an Softwareentwicklung abgedeckt. Methodisch kam eine Kombination repräsentativer telefonischer Befragungen und Experteninterviews zur qualitativen Vertiefung zum Einsatz. Im Rahmen der telefonischen Befragung wurden Gespräche mit Vertretern aus repräsentativ ausgewählten Unternehmen der Primärbranche (n = 249 Unternehmen) und der Sekundärbranchen (n = 671 Unternehmen) durchgeführt. Die Zielpersonen in den Unternehmen waren in der Regel die Leiter der Softwareentwicklung, bei kleineren Unternehmen auch die Inhaber oder Geschäftsführer. Expertengespräche wurden in 55 softwareentwickelnden Unternehmen durchgeführt. Aus den verschiedenen Branchen wurden sowohl kleine, junge als auch profilbestimmende und marktführende Unternehmen ausgewählt. Ziel dieser Expertengespräche war es, einen tieferen Einblick in die Praxis der industriellen Softwareentwicklung zu gewinnen. Die Interviews wurden anhand eines Gesprächsleitfadens geführt, der die Softwareproduktion im Unternehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Dabei ging es insbesondere um den Umfang der Softwareprodukion, die Produktionsprozesse, die Bedeutung von Software für Wettbewerb und Innovation sowie um den künftigen Personalbedarf und die Anforderungen an die Mitarbeiterqualifikation.

Ergebnisse

Die Studie zeigt, dass Software und Softwareentwicklung für nahezu alle Produkte und Prozesse quer durch alle Branchen der deutschen Volkswirtschaft zunehmend zum wettbewerbsbestimmenden Faktor wird. Es liegt jetzt Grundlagen- und Orientierungswissen vor, das Wirtschaft und Staat fundierte Entscheidungen zur Forschung, Entwicklung und Ausbildung auf dem Gebiet der Software ermöglicht. In der Informationstechnik-Branche entwickeln mehr als 10.500 Unternehmen Software. In den 5 untersuchten Sekundärbranchen sind es bereits mehr als 8.600 Unternehmen. Dabei erzielen in der Primärbranche knapp die Hälfte aller Unternehmen mehr als 75 % ihres Umsatzes durch Softwareentwicklung. In den Sekundärbranchen entfallen durchschnittlich schon 15 % der Neuentwicklungskosten auf Software, wobei die Branchen Elektrotechnik und die Telekommunikation überdurchschnittlich softwareintensiv sind. Es gibt in der Primärbranche eine enorme Gründungsdynamik, 67 % der Unternehmen wurden nach 1990 gegründet. In den Sekundärbranchen spiegelt sich die traditionelle Stärke der deutschen Wirtschaft in ingenieurmäßigen Individuallösungen wider, die zunehmend auf innovativen Softwareentwicklungen beruhen. Der Trend zur Auslagerung der Softwareentwicklung besteht nach wie vor. Der Wettbewerb wird zunehmend über software-veredelte Funktionen der Produkte oder Dienstleistungen entschieden. Die Untersuchung belegt das momentane Defizit an Fachkräften, das für viele der befragten Unternehmen bei der Softwareentwicklung ein besonders dringliches Problem darstellt. Durch altersbedingte Fluktuation und weiteren Zusatzbedarf wird zukünftig sogar noch mit einer Verschärfung dieser Situation gerechnet. Voraussetzung für die Schaffung neuer Arbeitsplätze in Deutschland ist eine verstärkte Ausbildung sowie der Ausbau von softwaretechnologischer Kompetenz zur Entwicklung und zum Einsatz von Software-Produkten, softwaregestützten Prozessen und Dienstleistungen. Zuverlässigkeit und Funktionalität sind aus Sicht der Unternehmen die wichtigsten Qualitätseigenschaften von Software. Bisher ist aber die ingenieurmäßige Entwicklung qualitativ hochwertiger Software in Deutschland noch zu gering verbreitet. Die Bedeutung der Softwareentwicklung spiegelt sich außerdem noch nicht ausreichend in den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Unternehmen wider. Als Forschungsziele werden in der Untersuchung u. a. die Erarbeitung von wissenschaftlichen Grundlagen für die Softwaretechnik als Ingenieurdisziplin, verbesserte softwaretechnologische Prozesse, Methoden und Werkzeuge sowie das Bereitstellen und Experimentieren mit innovativen Methoden und Anwendungsfeldern mit hohen softwaretechnologischen Anforderungen.

Status

abgeschlossen 2000

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Partner

  • Gesellschaft für Konsumforschung, Nürnberg
  • Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering, Kaiserslautern

Publikationen

Bericht

  • Stahl, Petra, H. Dieter Rombach, Michael  Friedewald, Robert Wucher, Susanne Hartkopf, Kirstin Kohler, Simone Kimpeler, Peter Zoche, Manfred Broy, and Ingolf Krüger, “Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland“, Endbericht an das Bundesministerium für Bildung und Forschung. GfK Marktforschung, Nürnberg, 2000. https://www.iese.fraunhofer.de/content/dam/iese/de/documents/Softwareentwicklung_Deutschland_Evasoft_tcm122-7431.pdf.

Artikel

  • Friedewald, Michael, H. Dieter Rombach, Petra Stahl, Manfred Broy, Susanne Hartkopf, Simone Kimpeler, Kirstin Kohler, Robert Wucher, and Peter Zoche, “Softwareentwicklung in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme”, Informatik Spektrum, Vol. 24, No. 2, 2001, pp. 81-90.
  • Friedewald, Michael, Knut Blind, and Jakob Edler, “Das Innovationsverhalten der deutschen Softwareindustrie”, Wirtschaftsinformatik, Vol. 44, No. 2, 2002, pp. 155-161.
  • Friedewald, Michael, “Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland”, IT-Personal / IT-Training, Vol. 218, 2001.
  • Friedewald, Michael, H. Dieter Rombach, Petra Stahl, Manfred Broy, Susanne Hartkopf, Simone Kimpeler, Kirstin Kohler, Robert Wucher, and Peter Zoche, “Softwareentwicklung in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme”, Informatik Spektrum, Vol. 24, No. 2, 2001, pp. 81-90.

Marktstudie Application Service Providing

Aufgabenstellung

Die Idee hinter Application Service Providing (ASP) ist nicht grundlegend neu, denn bereits in den 70er und 80er Jahren gab es Unternehmen, die mit so genannten „Time-Sharing-Services“, den kleinen und mittleren Unternehmen Rechner und Applikationen zur Verfügung stellten. Dennoch besitzt ASP heute wesentlich mehr Potential. Vor allem branchenspezifische Anwendungen werden im Netz gemietet, um sich teure Investitionen in IT-Strukturen und Know-how zu sparen. Auch jetzt sind es wieder vor allem kleine und mittlere Unternehmen, für die ASP eine Alternative zum Kauf von Anwendungen darstellen kann. Dabei bieten Application Service Provider ihren Anwendern über ein eigenes oder öffentliches Netzwerk Zugang zu Software-Applikationen, die in leistungsfähigen, sicheren und hoch verfügbaren Rechenzentren (Data Center) abgelegt sind.

Vor allem KMU mit nur geringen Personalressourcen sowie junge Internet Start-ups stellen die Hauptzielgruppe für das Application-Software-Providing dar. Die Gründe für den Einsatz von ASP liegen auf der Hand: So erwarten laut Forrester 69% der DV-Entscheider tiefgreifende Kosten- und Zeitersparnisse, 58% hoffen auf geringere IT-Administration, während 52% eine schnellere Einführung neuer Anwendungen durch ASP für wahrscheinlich halten. Kosteneinsparungen sollen sich vor allem dadurch einstellen, dass im Gegensatz zum herkömmlichen Outsourcing der Auftraggeber keine Softwarelizenzen mehr kaufen muss. Die Lizenzrechte kauft der Application Service Provider, die Kunden bezahlen lediglich für die Benutzung der Programme. Darin enthalten sind sowohl die Lizenzkosten, Gebühren für Rechner-, Platten und Netzwerkkapazitäten als auch Wartungs- und Supportkosten. Auf den ersten Blick mögen einige Softwareprogramme, die beim ASP gemietet werden teuer erscheinen. Wenn man jedoch nicht allein die Lizenzgebühren sondern die Gesamtkosten, welche auch die Aufwendungen für Endanwender-Support sowie die Ausgaben für immer wieder auftretende Fehlerbeseitigung berücksichtigt, eröffnet sich das gesamte Einsparungspotential. Forrester geht davon aus, dass etwa 30% des IT-Budgets eines Unternehmens durch Application Service Providing eingespart werden kann.

Vor diesem Hintergrund sollten für den Auftraggeber die wichtigsten Anbieter und Produkte für ausgewählte Branchen identifiziert und beschrieben werden. Dabei geht es auch um die spezifischen Anforderungen, die für die Durchsetzung des ASP-Modells in unterschiedlichen Branchen zu erfüllen sind.

Ergebnisse

Application Service Providing ist ein neues Vertriebsmodell für Software, das nicht nur bei branchenneutralen Applikationen (Office, Mail, ERP) Marktpotenziale besitzt, sondern auch für die Nutzer branchenspezifischer Software interessant ist.

Die Entscheidung, ob und in welchem Umfang ASP von Unternehmen tatsächlich genutzt wird, hängt von einer Abwägung der Vor- und Nachteil ab. Zu den von den potenziellen Nutzern als Nachteil empfundenen Faktoren gehören: (1) die Abhängigkeit von einem externen Dienstleister, (2) der langfristige Know-how-Verlust im IT-Bereich, (3) Probleme des Datenschutzes und der Datensicherheit, (4) der mögliche Kostenanstieg, falls ein ASP-Anbieter die entstandene Abhängigkeit durch erhöhte Preise missbraucht sowie (5) die Verfügbarkeit der Dienstleistung und des Netzes als neue Unsicherheitsfaktoren.

Demgegenüber erkennen die potenziellen Nutzer auch Vorteile von ASP: (1) Kostentransparenz im IT-Bereich, (2) keine zusätzlichen Hardware-Investitionen, (3) hohe Sicherheit vor Datenverlusten, (4) Aktualität der Anwendungen, (5) Einfache Skalierbarkeit / Erweiterbarkeit und dadurch (6) die Möglichkeit zur Fokussierung auf das Kerngeschäft.

Nicht alle Software-Anwendungen sind heute in gleichem Maße für ASP geeignet:

  • Im Office Software Bereich spielt immer noch Microsoft mit „Microsoft Office“ die Hauptrolle unter den Softwareanbietern. Eine großes Einsparpotential wird im Office Bereich durch ASP jedoch nicht gesehen, da die Wartung und Installation der Office Pakete relativ einfach ist. Bei derzeitigen Übertragungsgeschwindigkeiten haben
  • Grafikprogramme – speziell für den Medienbereich – im ASP-Modell noch keine Zukunft, da der Bildaufbau enorme Übertragungskapazitäten erfordert.
  • Internet / Intranet basierende Anwendungen werden mit großer Wahrscheinlichkeit ein Hauptstütze des ASP werden. Die Nutzung von ASP könnte hier ganze Firmennetzwerke und Administrationsbereiche ersetzen.
  • Im Bereiche der großen Datenbank- oder Analyseanwendungen ist ASP eine sehr gute Alternative, da bei diesen Programmen meist ein Maximum an Hardwareleistung vorausgesetzt wird. Teure einmalige Investitionen könnten so den Firmen erspart bleiben.

Für branchenspezifische ASP-Lösungen (z. B. Konstruktions- und produktionsunterstützende Software im produzierenden Gewerbe, Warenwirtschafts- und Logistikapplikationen) existieren keine „einfachen“ Märkte, die sich einfach dadurch erschließen ließen, die erfolgreichsten Softwareprodukte in das Anbieter-Portfolio aufzunehmen. Dabei gilt es vor allem psychologische Barrieren bei den potenziellen Kunden zu überwinden, die sich – aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit und Bedenken über die Zukunftssicherheit der Angebote – scheuen, IT-Aufgaben durch einen spezialisierten Dienstleister erbringen zu lassen.

Für einen erfolgreichen Markteintritt bei branchenspezifischen Anwendungen erscheint daher die Kooperation des Application Servicer Providers mit etabnlierten Softwareanbietern, mit einflussreichen und meinungsbestimmenden Pilotkunden bzw. Branchenverbänden zielführend. Zentral ist dabei die Schaffung von Vertrauen bei den potenziellen Kunden, sowohl mit Blick auf Leistungen als auch auf Kosten- bzw. Preismodelle.

Status

abgeschlossen (September 2000 – April 2001)

Auftraggeber

Einsteinet AG

Publikationen

  • Friedewald, Michael, “Marktstudie “Application Service Providing” – Branchenspezifische ASP-Potenziale”, Abschlussbericht, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, 2001.
  • Friedewald, Michael, Peter Georgieff, and Markus Joepgen, “Application Service Providing – Software mieten statt kaufen“, FB/IE – Zeitschrift für Unternehmensentwicklung und Industrial Engineering, Vol. 50, No. 6, 2001, pp. 265-267.

Umfassende Studie zur wirtschaftlichen Relevanz der Software-Industrie in Deutschland

Über 20 000 Unternehmen in Deutschland entwickeln Software / Jährliche Wertschöpfung von mindestens 50 Mrd. DM / Wissenschaftler sprechen sich für eine Erneuerung des Ausbildungssystems aus

Eine bessere Durchdringung vieler Studiengänge mit medien- und informationstechnischem Anwendungswissen fordert das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe. Gemeinsam mit der GfK Marktforschung GmbH, Nürnberg, und dem Fraunhofer IESE, Kaiserslautern, untersuchte die Projektgemeinschaft für das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Softwareentwicklung in Deutschland. Die Forscher analysierten dabei sowohl die Primärbranche, also Softwarehersteller, Dienstleister der Informationstechnik und Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, als auch Sekundärbranchen, die von der Softwaretechnik stark beeinflusst werden, wie den Maschinen- und Fahrzeugbau, die Elektrotechnik, die Telekommunikation sowie Finanzdienstleistungsunternehmen.

Nach Berechnungen der Autoren entwickeln derzeit über 20 000 Unternehmen in Deutschland Software oder passen diese an Unternehmensbedürfnisse an. Mittlerweile ist in vielen Branchen ein überwiegender Teil des Umsatzes unmittelbar vom Einsatz von Computern abhängig. Beispielsweise steuern Programme heute in der Automobilindustrie nahezu alle Produktionsabläufe. Ohne Software könnten Autos weder hergestellt noch vertrieben werden. Selbst im Auto „regiert“ Kollege Computer, sei es bei der Motorregelung oder bei diversen Kontrollanzeigen.

Die Unternehmen der softwareintensiven Branchen beschäftigen nach Schätzung der Forscher derzeit rund 2,8 Millionen Erwerbstätige – 300 000 in der Primärbranche und 2,5 Millionen in den Sekundärbranchen. Davon sind in der Primärbranche über 120 000 Personen explizit mit der Entwicklung oder Anpassung von Software betraut und gut 55 000 Menschen in der Sekundärbranche. Diese 175 000 Beschäftigten erzielen jährlich eine Wertschöpfung von mindestens 50 Mrd. DM.

Während die Struktur der Primärbranche überwiegend durch kleine Unternehmen mit oftmals weniger als zehn Mitarbeitern geprägt ist, findet die Softwareentwicklung und -anpassung in den Sekundärbranchen eher in mittleren und größeren Firmen statt.

Die Primärbranche ist durch junge Unternehmen gekennzeichnet; rund zwei Drittel der Firmen wurden nach 1990 gegründet. Existenzgründungen entstehen aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen, aber auch dadurch, dass etablierte Firmen neue, innovative Produkte entwickeln und diese in Ausgründungen vermarkten. In den Sekundärbranchen spiegelt sich die traditionelle Stärke der deutschen Wirtschaft wider. Angepasste Softwarelösungen tragen vielfach dazu bei, dass Unternehmen dieser Branchen ihre Weltmarktführerschaft ausbauen können.

Doch konstatieren die Autoren ein starkes Defizit an qualifizierten Fachkräften. Der in der Befragung ermittelte Bedarf von 28 000 Softwareentwicklern zur sofortigen Einstellung bzw. 55 000 Softwareentwicklern zur Einstellung in den nächsten Monaten ist noch sehr konservativ geschätzt. Die Forscher erwarten einen weiterhin stark steigenden Personalbedarf. Sie gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2005 der Personalbestand von heute gut 175 000 Mitarbeitern auf schätzungsweise 385 000 ansteigt. Dieser Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitern kann nach Ansicht der Wissenschaftler nicht durch die Standardausbildungsgänge der Hochschulen gedeckt werden.

Ferner erfordert die Professionalisierung der Softwareentwicklung ein klares Rollenbild und darauf abgestimmte Qualifikationen. Vielfach bemängeln die rund 1 000 befragten Unternehmen eine fehlende Anwendungsorientierung der universitären Studiengänge. Die gegenwärtige Ausbildung konzentriert sich zu stark auf die Fähigkeit, Software neu zu entwickeln, anstatt sich mit Standardkomponenten auseinander zu setzen, um daraus neue Systeme und Lösungen zu kreieren. Darüber hinaus wird in der Softwareentwicklung zu wenig zwischen anspruchsvollen Ingenieurstätigkeiten wie Anforderungsanalyse oder Systementwurf und einfachen technischen Tätigkeiten wie Programmierung oder Komponententesten unterschieden. Dies hat zur Folge, dass hochqualifizierte Informatiker nicht adäquat eingesetzt werden und sich dann unterfordert fühlen.

Die Wissenschaftler sprechen sich daher für eine generelle Erneuerung des deutschen Aus- und Weiterbildungssystems aus. Dabei sollten die Internationalisierung der Lehre, eine Aktualisierung der Bildungsinhalte, Interdisziplinarität sowie der Praxisbezug im Mittelpunkt stehen.

Dennoch bestehen nach übereinstimmender Einschätzung der Experten in Deutschland die Voraussetzungen für eine günstige Entwicklung in den Sekundärbranchen sowie für ein Wachstum in der Primärbranche. Um innovative Techniken in den Unternehmen zu erschließen, sind nach Meinung der Befragten weniger finanzielle Zuwendungen erforderlich als vielmehr bessere Rahmenbedingungen etwa zur Qualifizierung des Nachwuchses.

Die befragten Experten beantworteten schließlich die Frage nach „marktnaher Forschung“ oder „Grundlagenforschung“ mit einem entschiedenen „Beides!“. Nur die gleichzeitige Verfolgung von Grundlagen- und angewandter Forschung verspricht auf Dauer Erfolg. Dabei sollte Deutschland, dessen Stärke das produzierende Gewerbe mit starker Orientierung auf Einzel- statt Massenproduktion ist, sich besonders auf Anwendungsfelder konzentrieren wie „Embedded Software“, die beispielsweise in der Automobil- und Mobilfunkindustrie benötigt wird, sowie auf Software zur Unterstützung von Dienstleistungen, zum Beispiel für die öffentliche Verwaltung, im Gesundheitswesen, in der Planung und Logistik sowie für Verkehrsleitsysteme.

Die Studie „Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland“ kann als pdf-Datei (4,3 MB) aus dem Internet bezogen werden unter: http://www.dlr.de/IT/IV/Studien/evasoft_abschlussbericht.pdf

Faxanwendungen und Endgerätetechnik: Studie zu Marktentwicklungspotenzialen und Substitutionseffekten bis 2005

Aufgabenstellung

Das Fax ist seit Mitte der Achtzigerjahre zu einem unverzichtbaren Medium für die geschäftliche und private Kommunikation geworden. Einfache Benutzung und internationale Kompatibilität haben dazu beigetragen, dass das Fax für die Über­mittlung von Papiervorlagen weltweite Akzeptanz gefunden hat. So waren nach einer Studie im vergangenen Jahr weltweit mehr als 70 Mio. Faxgeräte in Betrieb, und es wurde erwartet, dass 1999 über 20 Mio. Geräte abgesetzt werden. Aktuelle Studien prophezeien allerdings das baldige Verschwinden des „klassi­schen“ Fax als unmittelbares Dokumententransfersystem (Papier zu Papier) bzw. „Fernkopierer“. Anlass sind technische Entwicklungen hinsichtlich des Übertragungsmodus und der Endgeräte für faxähnliche Dienste bzw. der Kombina­tion mit Endgeräten für komplementäre Kommunikationsformen.

Ziel der Studie war es, Marktentwicklungspotenziale bereits heute existierender und geplanter Endgerätetypen bis 2005 abzuschätzen. Dabei galt es, zum einen Substitutionseffekte in bezug auf die klassischen Fax-Anwendungen zu ermitteln und zum anderen den Einfluss bestehender und neuer Fax-bezogener Dienste auf den Geräteabsatz zu untersuchen. Das technisch Mögliche und die von den Endge­räteproduzenten verfolgten Strategien müssen den Entwicklungen auf der Nach­frageseite gegenübergestellt werden. Der Schwerpunkt der Untersuchung lag dabei auf dem Massenmarkt, das heißt auf den Kundensegmenten private Haushalte und Unternehmen unter zehn Mitar­beitern (VSE). Der Faxabsatz an größere Unternehmen und öffentliche Einrichtun­gen wurde ergänzend betrachtet.

Insgesamt wurden drei große Themen­komplexe untersucht:

  • Konkurrierende Systeme und deren Leistungsspektrum (Analyse der Anbieterseite)
  • Faxnutzung (Analyse der Nachfrageseite)
  • Marktentwicklungspotential und Substitutionseffekte

 

Status

abgeschlossen (September 1999 – Januar 2000)

Aufraggeber

T-Systems, Nova

Publikation

Kolo, Castulus, Michael Friedewald, and Peter Georgieff, “Faxanwendungen und Endgerätetechnik: Studie zu Marktentwicklungspotentialen und Substitutionseffekten bis 2005”, Unveröffentlichter Endbericht, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, 2000.