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Wechselseitiges Verhältnis hochbitratiger Funknetze in künftigen Telekommunikationsmärkten

Hintergrund der Studie war die Einführung unterschiedlicher hochbitratiger Funknetztechnologien, namentlich des Mobilfunks der dritten Generation (UMTS), drahtloser lokaler Netze (WLAN) und des digitalen terrestrischen Rundfunks (DVB-T) in den Jahren 2002/03. Flankierend treten Konvergenzentwicklungen sowohl auf Netz-, Endgeräte- und Diensteebene, aber auch auf Ebene der betroffenen Märkte selbst hinzu. Die Studie geht insoweit von einer Verschiebung der Wertschöpfung von der reinen Übertragung zu Diensten und Inhalten aus. Dabei wird insbesondere ein Bedeutungsgewinn von Informations- und Unterhaltungsdiensten erwartet. Aufgrund unterschiedlicher Anforderungen sei jedoch die Wahl der adäquaten Übertragungstechnik der entscheidende Erfolgsfaktor für künftige mobile Telekommunikationsdienste.

Ein erhebliches praktisches Problem identifziert die Studie im Bereich der Endgeräte für mobile Dienste. Hier fehle es sowohl für UMTS- als auch für WLAN-Anwendungen an ausgereiften und bedienungsfreundlichen Endgeräten. Die Vielzahl höchst unterschiedlicher Endgeräte führe überdies zu einem erhöhten Entwicklungsaufwand für Diensteanbieter. Andererseits könne aber die gezielte Entwicklung zielgruppenspezifischer Endgeräte die Nutzung neuer Dienste fördern. Insoweit komme dem Einsatz standardisierter Betriebssysteme und Softwareplattformen entscheidende Bedeutung zu.

Insgesamt wird UMTS die dominante Übertragungstechnologie für den Massenmarkt der Mobilkommunikation werden (bzw. mit Blick auf die Weiterentwicklung von GSM: bleiben). Bei WLAN werden als zentrale Probleme der Sicherheitsaspekt und das Roaming zwischen verschiedenen WLAN-Netzen sowie damit in Verbindung stehend ein insuffizienter Standardisierungsgrad identifiziert. WLAN hat sich vor allem als auf die Bedürfnisse von Geschäftskunden zugeschnittene Zugangstechnologie zum Internet positioniert, wohingegen eine Ausweitung dieses Marktes in Richtung auf Privatkunden derzeit nur in Ansätzen erkennbar ist. Mit Blick auf WiMAX ist angesichts der technischen Eigenschaften und des Entwicklungsstandes vorerst nicht davon auszugehen, dass diese Technologie bald viele andere Netze überflüssig machen dürfte. DVB-T, schließlich, ist vor allem auf die Anforderungen des digitalen Fernsehens zugeschnitten und stellt daher nur in engen Grenzen eine Konkurrenz zu UMTS und WLAN dar. Auch begrenzt die regulatorische Zersplitterung und die auf absehbare Zeit fehlende Flächendeckung eine Verbreitung, die Voraussetzung für eine entsprechende Konkurrenzstellung wäre.

Angesichts der existierenden Technologievielfalt müssen neue Informations- und Kommunikationsdienste auf der Basis unterschiedlicher Netztechnologien funktionieren. Offene Plattformen für Mehrwertdienste gewinnen daher eine zentrale Bedeutung.

Status

Abgeschlossenes Projekt (08/2003 – 03/2004)

Auftraggeber

Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA)

Partner

Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme (FOKUS)

Publikation

Friedewald, Michael, Peter Zoche, Karsten Knüttel, Thomas Magedanz, Ilona Schubert, Davider Pal Singh, Jens Tiemann, and Peter Weik, “Wechselseitiges Verhältnis hochbitratiger Funknetze in künftigen Telekommunikationsmärkten”, Bericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Fraunhofer ISI, Fraunhofer FOKUS, Karlsruhe, Berlin, 2004.

AmI@Life – Roadmapping Ambient Intelligence in Everyday Life

The concept of Ambient Intelligence (AmI) provides a vision of the Information Society where the emphasis is on user-friendliness, efficient and distributed services support, user-empowerment, and support for human interactions. People are surrounded by intelligent intuitive interfaces that are embedded in all kinds of objects and an environment that is capable of recognizing and responding to the presence of different individuals in a seamless, unobtrusive and often invisible way. This vision of AmI places the user at the centre of future development. Technologies will be designed for people rather than making people adapt to technologies.

The objective of this roadmapping project was to understand how different Ambient Intelligence technologies might affect digital divides and to depict scenarios that enable us to think about them in a dynamic, flexible and prospective way. It was therefore not the aim to provide concrete solutions to digital divide problems. It was neither only about technologies that are user-friendly. The project rather raised the potential of full IST integration in our everyday lives, taking into account the key socio-cultural, economical and technological issues affecting trusted and universal access to AmI@Life.

Status

Completed project (2002-2003)

Client

  • 5th Framework Programme
  • European Commission, Institute for Prospective Technology Studies (IPTS)
  • European Science and Technology Obersatory (ESTO)

Partners

  • TNO-STB, Delft, NL
  • VTT Electronics, VTT Building and Transport, Oulu, FIN
  • Fondazione Rosselli, Milan, IT
  • ENEA, Rome, IT

Publications

  • Friedewald, Michael, and Olivier Da Costa, “Science and Technology Roadmapping: Ambient Intelligence in Everyday Life (AmI@Life)”, Institute for Prospective Technology Studies, Seville, 2003.
  • Da Costa, Olivier, Mark Boden, and Michael Friedewald, “Science and Technology Roadmapping for Policy Intelligence: Lessons for Future Projects”, in Martin Potůček, and Barbara Slintáková (eds.), The Second Prague Workshop on Futures Studies Methodology, CESES FSV UK, Prague, 2005, pp. 146-161.
  • Friedewald, Michael, Olivier Da Costa, Yves Punie, Petteri Alahuhta, and Sirkka Heinonen, “Perspectives of Ambient Intelligence in the Home Environment”, Telematics and Informatics, Vol. 22, No. 3, 2005, pp. 221-238.
  • Da Costa, Olivier, and Michael Friedewald, “Ambient Intelligence 2020”, in Susanne Giesecke, Patrick Crehan, and Stephan Elkins (eds.), The European Foresight Monitoring Network: Collection of EFMN Briefs, Part 1, Office for Official Publications of the European Communities Luxembourg, 2008, pp. 343-345.

Der Einfluss moderner Gerätegenerationen der Informations- und Kommunikationstechnik auf den Energieverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2010 – Möglichkeiten zur Erhöhung der Energieeffizienz und zur Energieeinsparung in diesen Bereichen

Aufgabenstellung

Der Energiebedarf für Information und Kommunikation wird für 1999 noch auf knapp 1,5 % des Endenergieverbrauchs geschätzt. Unstrittig ist jedoch, dass der Bedarf an Informations- und Kommunikationsdienstleistungen zunehmen wird und damit voraussichtlich auch der damit verbundene Energiebedarf. Vor diesem Hintergrund war es Zielsetzung dieser Untersuchung,

  • den direkten und indirekten Einfluss moderner Geräte, Systeme und Dienstleistungen der Informations- und Kommunikationstechnik auf den Energieverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2010 qualitativ und quantitativ zu analysieren
  • ein “Frühwarnsystem” zu entwickeln, das frühzeitig auf die Gefahr zunehmenden Stromverbrauchs bzw. die Chancen rationeller Energieverwendung bzw. die Substitution von Anwendungen hinweist, sowie
  • auf dieser Grundlage konkrete Vorschläge für die Energiepolitik auf nationaler und auf EU-Ebene zu machen

Ergebnisse

Für das Jahr 2001 wurde in dieser Untersuchung ein den IuK-Endgeräten in Haushalten und Büros und der zugehörigen Infrastruktur zuzurechnender Strombedarf in Höhe von 37,3 TWh ermittelt. Dies entspricht einem Anteil von knapp 8 % am gesamten Stromverbrauch der Endverbrauchssektoren in Deutschland. Rund 50 % des Strombedarfs entfallen dabei auf die Haushalts-Endgeräte, weitere gut 20 % auf die Büro-Endgeräte, der Rest auf die gebäudeinterne Infrastruktur in Haushalten (9 %) und Büros (14 %) sowie die Infrastruktur der Telekommunikationsunternehmen mit 6 %.

Bis 2010 wird mit einem deutlichen Anstieg des Strombedarfs um 40 % auf 52,2 TWh gerechnet. Dieser Anstieg wird verursacht von einer zunehmenden Bedeutung der IuK-Infrastruktur, insbesondere im Büro- und Telekommunikationsbereich und geht einher mit einem rückläufigen Anteil der IuK-Endgeräte (auf 42 % im Haushalts- und 14 % im Bürobereich).

Für den Schein-Aus-Zustand besteht die technische Möglichkeit, den hier anfallenden Strombedarf, der im Jahr 2010 immerhin noch 2 TWh ausmacht, durch technische Möglichkeiten völlig zu vermeiden. Das durch eine weitere Erhöhung der Energieeffizienz im Bereitschaftsbetrieb erzielbare Einsparpotenzial wird im Jahr 2010 auf ca. 3,2 TWh pro Jahr geschätzt. Davon entfallen rund drei Viertel auf den Bereich der Haushalts-Endgeräte, der Rest etwa gleich verteilt auf Büro-Endgeräte und die Haushalts-Infrastruktur. Die größten Einsparpotenziale im Normalbetrieb bestehen bei Fernsehern, Servern, PCs und Monitoren sowie der Mobilfunk-Infrastruktur und der Internet- und Telefoninfrastruktur in Haushalten. 

Partner

Centre for Energy Policy and Economics (CEPE), Zürich

 Veröffentlichungen

Bericht

  • Cremer, Clemens, Wolfgang Eichhammer, Michael Friedewald, Peter Georgieff, Stefan Rieth-Hoerst, Barbara Schlomann, Peter Zoche, Bernard Aebischer, and Alois Huser, “Der Einfluss moderner Gerätegenerationen der Informations- und Kommunikationstechnik auf den Energieverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2010 – Möglichkeiten zur Erhöhung der Energieeffizienz und zur Energieeinsparung in diesen Bereichen”, Bericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ISI, Karlsruhe, 2003.

Artikel und Tagungsbeiträge

  • Cremer, Clemens , Barbara Schlomann, and Michael Friedewald, “The impact of information and communication technologies on the electricity consumption in Germany”, in Sophie Attali, Eliane Métreau, Mélisande Prône, and Kenya Tillerson (eds.), Time to Turn down Energy Demand – Energy intelligent Solutions for Climate, Security and Sustainable Development. Proceedings of the ECEEE 2003 Summer Study, St. Raphaël, Côte d’Azur, France. 2-7 June 2003, European Council for an Energy-Efficient Economy, Paris, 2003, pp. 455-466.
  • Cremer, Clemens, Michael  Friedewald, Barbara Schlomann, and Alois Huser, “Future Impact of Digital TV Services and Broadband Internet Connections on Residential Energy Consumption”, in  Paolo Bertoldi, Flavio Conti, and Roberto Pagani (eds.), Energy Efficiency in Domestic Appliances and Lighting: Proceedings of the 3rd International Conference on Energy Efficiency in Domestic Appliances and Lighting (EEDAL’03), 1-3 October 2003, Turin, Italy, Softech, Turin, 2004, pp. 303-308.

Technikakzeptanz und Nachfragemuster als Standortvorteil

Neue wissenschaftlich-technische Entwicklungen sollen zum Erkenntnisgewinn beitragen, neue Dienstleistungen und Produkte hervorbringen, Problemlösungen in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen anbieten und zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland beitragen. Unsere Untersuchung sollte klären, welche Rolle Nachfrageverhalten sowie Technikaufgeschlossenheit und Akzeptanz von entsprechenden Produkten, Dienstleistungen und Problemlösungsangeboten bei der dauerhaften Erzielung dieser Effekte spielen.

In dieser Untersuchung wurden Erkenntnisse zu Technikeinstellungen und -akzeptanz sowie Nachfragemuster in die gesamthafte Betrachtung des Innovationssystems eingebettet. Hierfür wurde der Zugang über die “Technologischen Systeme” gewählt, die die Entwicklung, Anwendung und Diffusion einer neuen Technologie in den Mittelpunkt stellen. Außerdem wurde die Annahme zu Grunde gelegt, dass sich eine adäquate Berücksichtigung von Nutzerpräferenzen im Innovationsprozess als vorteilhaft im internationalen Wettbewerb erweisen kann. Damit sollte das Phänomen der (mangelnden) Technikakzeptanz, das bislang vor allem als innovationshemmender Standortfaktor aufgefasst worden war, positiv und konstruktiv genutzt werden. Vor diesem Hintergrund wurden die fünf Technologiefelder

  • Produktionstechnologie,
  • Nanotechnologie,
  • IuK-Technologien mit Schwerpunkt E- und M-Commerce,
  • Neue Verkehrstechnologien mit Schwerpunkt Verkehrstelematik,
  • Lasertechnologie in der Medizin

daraufhin analysiert, welche Erkenntnisse zu Präferenzen der Nachfrageseite in Bezug auf Akzeptanz von und Nachfrage nach konkreten Technikanwendungen vorliegen, inwieweit diesen Präferenzen im Innovationsprozess Rechnung getragen wird bzw. ob sich Hinweise auf Barrieren ergeben, diese Präferenzen aus Nutzersicht einzubringen. Daraus sollten Forschungsbedarf und Empfehlungen für Folgeuntersuchungen abgeleitet werden.

Die Konzeption der vorliegenden Untersuchung fußte auf

  • der Einbettung von Erkenntnissen zu Technikeinstellungen und -akzeptanz sowie Nachfragemuster in die ganzheitliche Betrachtung des Innovationssystems;
  • einer breiten Definition und Operationalisierung von “Technikakzeptanz” und “Nachfrage”, die sowohl die Handlungs-, Einstellungs- und Wert- und Zielebene dieser Konstrukte berücksichtigt;
  • der Notwendigkeit zur Differenzierung nach konkreten Technikanwendungen (Objekt) sowie den jeweils relevanten Subjekten und Kontexten;
  • einem breiten Spektrum an Untersuchungsansätzen, methodischen Zugängen und Datenquellen, die synergistisch kombiniert werden müssen.

Der für diese Untersuchung gewählte, neuartige Ansatz war in allen hier untersuchten Technologiefeldern prinzipiell anwendbar, obwohl sich die Technologiefelder als sehr heterogen erwiesen. Zudem eröffnet dieser Zugang neue Perspektiven für die Technikakzeptanz- und Innovationsforschung, aber auch neue Optionen für die Politik. Deshalb erscheint dieser Zugang als viel versprechend und verdient es, auch in Zukunft weiterverfolgt und konzeptionell weiterentwickelt zu werden.

Um Defizite und Schwachstellen bisheriger Analysen in Folgeuntersuchungen zu vermeiden, sollten Akzeptanz und Nachfrage jeweils auf der Wert- und Ziel-, der Einstellungs- und der Handlungsebene berücksichtigt werden; es sollten die jeweils maßgeblichen Akteursgruppen identifiziert und ihre Präferenzen und ihr Verhalten anhand repräsentativer Stichproben, anhand originaler Äußerungen bzw. durch direkten Einbezug und im Hinblick auf alle relevanten Determinanten (z. B. kognitiv-rationale Aspekte, für die Akzeptanz und Nachfrage auf der Handlungsebene relevante wesentliche Aspekte wie Emotionen, Wertorientierungen und Zeitgeist, Handlungsrelevanz von Einstellungen o. Ä.) charakterisiert werden. Hierfür ist ein breites Spektrum an Untersuchungsmethoden und Datenquellen erforderlich. Die “Anschlussfähigkeit” zwischen verschiedenen Untersuchungsansätzen sollte gewährleistet werden, um Synergien durch die Kombination verschiedener methodischer Ansätze tatsächlich ausnutzen und belastbare Aussagen ableiten zu können.

Für künftige Folgeuntersuchungen sollte die umfassende Aufgabenstellung dieser Untersuchung in Teilfragestellungen unterteilt und eine kritische, aufgabenadäquate Auswahl der Untersuchungsgegenstände vorgenommen werden.

Eine Teilfragestellung ist die Untersuchung der Ausprägung von Akzeptanz und Nachfrage und ihrer Determinanten in ausgewählten Technologiefeldern. Dadurch werden Präferenzen der Nachfrage- und Nutzerseite ermittelt, um sie in Innovationsprozesse einzuspeisen. Zum anderen können die Ergebnisse als Indikatoren dafür genutzt werden, inwieweit die Organisationen und Institutionen des Innovationssystems für die Herausforderungen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts in diesem Technologiefeld angemessen sind. Hieraus lassen sich Ansatzpunkte für eine Anpassung der Technik und/oder der Kontextbedingungen ableiten. Ergänzend können internationale Vergleiche, Vergleiche zwischen (ähnlichen!) Technologiefeldern bzw. Technikanwendungen sowie Veränderungen im zeitlichen Verlauf untersucht werden. Durch die letztgenannten Analysen könnte auch ein Beitrag zur Schließung der Forschungslücke geleistet werden, die in Bezug auf eine Vorausschau des künftigen Verhaltens auf der Basis heutiger Einstellungsmessungen und Präferenzäußerungen besteht. Hierzu wäre zunächst in retrospektiven Paneluntersuchungen zu klären, inwieweit ein solcher Zusammenhang besteht und welche weiteren Einflussfaktoren von Bedeutung sind. Anschließend wäre zu prüfen, inwieweit eine prospektive Nutzung, d. h. eine Vorausschau auf künftiges Handeln möglich ist.

Großer Forschungsbedarf besteht noch in der Konzipierung, Analyse und Evaluation bestehender und neuartiger Instrumente und Maßnahmen, die darauf abzielen, die Nutzerpräferenzen rechtzeitig, wirksam und effizient in den Innovationsprozess einzubeziehen.

Eine diese Untersuchung leitende Prämisse war das Leitmärkte-Konzept, mit dessen Hilfe über die Nachfrage eine konzeptionelle Brücke zwischen Technikakzeptanz und Wettbewerbsfähigkeit geschlagen wurde. Diese konzeptionelle Brücke gilt es in Folgeuntersuchungen aber noch empirisch abzusichern. Hierzu bietet sich zunächst an, anhand ausgewählter Beispiele retrospektiv zu klären, welche Rolle die Technikakzeptanz auf der Wert- und Ziel-, der Einstellungs- und der Handlungsebene für existierende Leitmärkte gespielt hat bzw. spielt. Parallel dazu könnte der Versuch einer ex ante Vorausschau von Leitmärkten unternommen werden. Sollten sich diese beiden Ansätze als praktikabel und lohnend erweisen, könnten sie mit der oben vorgeschlagenen Vorausschau von faktischer künftiger Akzeptanz und Nachfrage auf der Basis heutiger Einstellungsmessungen und Präferenzäußerungen kombiniert werden.

Zudem bieten sich zwei alternative Zugänge für Folgeuntersuchungen an: Bislang hat sich die sozialwissenschaftliche Forschung vor allem der nicht akzeptierten bzw. zu scheitern drohenden Technik zugewandt. Möglicherweise könnte es ein lohnender Ansatz sein, den Blick künftig stärker auf akzeptierte und funktionierende Technik zu richten. Der in der vorliegenden Untersuchung gewählte technologieinduzierte Zugang sollte durch einen probleminduzierten Zugang ergänzt werden, da Letzterer insbesondere Beiträge für das Ziel erwarten lässt, Gestaltungspotenzial für gesellschaftliche Herausforderungen zu identifizieren und technologische Optionen im Hinblick auf ihren Problemlösungsbeitrag zu prüfen.

Status

Abgeschlossenes Projekt (11/2000-07/2002)

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Bonn;  vertreten durch den Projektträger VDI/VDE-Technologiezentrum Informationstechnik GmbH, Teltow

Publikationen

Hüsing, Bärbel, Rainer Bierhals, Bernhard Bührlen, Michael Friedewald, Simone Kimpeler, Klaus Menrad, Jürgen Wengel und René Zimmer, “Technikakzeptanz und Nachfragemuster als Standortvorteil“, Abschlußbericht an das Bundesministerium für Wisssenschaft und Forschung ISI, Karlsruhe, 2002.

Verbundprojekt Multimediales Maschinen-Informationssystem (MuMaSy)

Immer komplexere Maschinen und Anlagen stellen immer größere Anforderungen an die Kenntnisse nicht nur der Benutzer, sondern auch der Monteure und Servicetechniker. Die Technische Dokumentation spielt deshalb eine wichtige Rolle bei der Vermittlung der benötigten Information. Waren es zunächst lediglich Produktbeschreibungen und Handbücher, so werden von der Technischen Dokumentation in zunehmenden Maße alle maschinenbezogenen Dokumente vom Ersatzteilkatalog über Reparaturanleitungen bis zur Bedienungsanleitung für den technischen Laien erstellt. Das Verbundprojekt MuMaSy hatte sich zum Ziel gesetzt, die erforderlichen Methoden und Werkzeuge für Erstellung und Nutzung multimedialer Maschinendokumentation zu entwickeln. Konkret wurde folgendes angestrebt:

  • Erstellung von Methoden, Strukturen sowie Werkzeugen und Systemen, um textuelle, zeichnungsorientierte Informationen im Lebenszyklus einer Maschine multimedial zu ergänzen.
  • Entwicklung eines Multimedia-Informationsmodelles / -systems, das eine Plattform zum Informationsaustausch über die gesamte Prozesskette bildet.
  • Unterstützung insbesondere der Maschinennutzer bzw. -kunden durch gezielte Information bzw. multimediale Maschinendokumentationen.

Die Arbeiten des ISI konzentrierten sich auf folgende Themen:

  • Identifikation der Anforderungen und Spezifikation der Merkmale eines multimedialen Maschinen-Informationssystems.
  • Analyse der internen und externen (zwischen Partnern) Informations- und Know-how-Strukturen der an der Prozesskette beteiligten Unternehmensbereiche, der bestehenden Kommunikationsbeziehungen und der vorhandenen Produktdokumentationen.
  • Bewertung von multimedialer Technik für Anwendungsgebiete im Maschinen- und Anlagenbau speziell für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs).
  • Koordination der Transferaktivitäten und Entwicklung eines Leitfadens zur Erstellung und Nutzung multi-medialer technischer Dokumentation (tD) im Maschinenbau.

Ergebnisse

Anforderungen an ein multimediales Maschinen-Informationssystem wurden durch ausführliche Gespräche mit Kunden der Maschinen- und Anlagenherstellern ermittelt. Die Erhebung bei den Kunden hat ergeben, dass noch sehr große Verbesserungspotentiale bzw. -bedarf bei der Produktdokumentation vorhanden sind. Der Nutzer kann sich gut vorstellen, dass durch elektronische Dokumentationsformen und mit dem Einsatz multimedialer Elemente das Nutzungspotenzial und die Anwendungsmöglichkeiten der heutigen tD deutlich verbessert werden können. Er erhofft sich u.a. folgende wesentliche Verbesserungen:

  • Die physikalische Größe der Dokumentation wird auf ein überschaubares und besser nutzbares Volumen reduziert.
  • Neben der kompakteren Form erwartet man eine höhere Aktualität durch eine regelmäßige Auslieferung aktualisierter Datenträger oder durch die Verfügbarkeit der tD über einen zentralen Datenserver, der vom Hersteller aktuell gehalten wird.
  • Man wünscht sich eine direkte Verbindung zwischen Diagnosesystem und tD, so dass im Problemfall gleich auf die entsprechenden Seiten der tD verwiesen wird bzw. diese am Diagnosesystem angezeigt werden.
  • Für den Zugriff erhofft man sich durch die komfortablen Möglichkeiten der elektronischen Suche und Orientierung in einem Dokument eine deutliche Verbesserung und somit ein leichteres Auffinden gewünschter Informationen.
  • Ein häufig geäußerter Wunsch betraf die verständliche Darstellung der Funktionalität von Maschinen sowie von Abläufen und Vorgängen, die in einer Maschine stattfinden.
  • Von einer multimedialen elektronischen tD erwartet man durch animierte Sequenzen, Audio und Video eine Verbesserung des Schulungsprozesses, ein leichteres und besseres Kennenlernen der Maschinen sowie Unterstützung bei der Fehlersuche.

In einer zweiten Projektphase hat das FhG-ISI Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus besucht und Interviews mit für die Technische Dokumentation verantwortlichen Personen geführt. Ziel war es, den aktuellen Stand der Technischen Dokumentation zu ermitteln. Diese Gespräche haben gezeigt, dass die produktbegleitende technische Dokumentation im Unternehmen einen sehr unterschiedlichen Stellenwert besitzt. Mehrere der angesprochenen Unternehmen haben die Bedeutung der Maschinendokumentation erkannt. In diesen Unternehmen sind bereits die nötigen organisatorischen Voraussetzungen für einen modernen Erstellungsprozess der Dokumentation geschaffen worden. Für die Mehrzahl der untersuchten Unternehmen ist die produktbegleitende Dokumentation jedoch noch immer eine eher lästige Pflichtübung, die vom Kunden gefordert wird. Die tD spielt in diesen Firmen eher eine untergeordnete Rolle. Weitere Ergebnisse der Untersuchung sind: In weniger als einem Drittel der besuchten Unternehmen wird die tD in einem eigenständigen Bereich (Abteilung bzw. Unterabteilung) produziert. In allen besuchten Unternehmen wird die tD heute bereits vollelektronisch mit Standardwerkzeugen der Dokumentenbearbeitung erstellt. Eine Integration aller an der Erstellung der tD beteiligten Stellen über eine entsprechende Dateninfrastruktur ist noch selten vorhanden. Neben der gedruckten Form der tD wird von der Mehrzahl der Unternehmen die Maschinendokumentation zusätzlich auch in digitaler Form auf CD-ROM angeboten. Als wichtige Transferaktivität wird im Rahmen des Projektes vom FhG-ISI ein ausführlicher Leitfaden zum Einsatz von Multimedia für die tD entwickelt. Dieser Leitfaden soll v.a. den kleinen und mittelständischen Unternehmen im Maschinenbau zeigen, wie sie multimediale Informationssysteme für die Produktbeschreibung effizient einsetzen können. Anhand von ‘Best Practice’ Beispielen sollen zukunftsorientierte Lösungsmöglichkeiten aufgezeichnet werden. Organisatorische Aspekte stehen hierbei im Vordergrund.

Status

abgeschlossen (1999 bis 2002)

Auftraggeber

VDMA-Gesellschaft für Forschung und Innovation (VFI) mbH, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)

Partner

  • 12 Industrieunternehmen
    • VDMA-Gesellschaft für Forschung und Innovation mbH, Frankfurt am Main (Koordinator)
    • APS GmbH, Aachen
    • INA COI GmbH, Herzogenaurach,
    • Dorst GmbH & Co., Kochel am See,
    • Eigner+Partner AG, Karlsruhe,
    • Homag Maschinenbau AG, Schopfloch,
    • KUKA Roboter GmbH, Augsburg,
    • Liebherr GmbH, Biberach/Riß,
    • Schuler Pressen GmbH & Co. KG, Göppingen,
    • Joseph Vögele AG, Mannheim,
    • Wirtgen GmbH, Windhagen,
    • Serco GmbH & Co. KG, Bonn
  • 2 Forschungsinstitute
    • Fraunhofer ISI, Karlsruhe
    • Fraunhofer IPA, Stuttgart
    • FISW Steuerungstechnik GmbH, Stuttgart,

Publikationen

Veröffentlichungen

  • Hudetz, Walter , and Michael Friedewald, “Multimedia Product Documentation – User Requirements“, in IECON ’02: Proceedings of the 28th Annual Conference of the IEEE Industrial Electronics Society, IEEE, Piscataway, 2002, pp. 2515-2519.
  • Hudetz, Walter, and Michael Friedewald, “Technische Produktdokumentation im Maschinen- und Anlagenbau: Eine Bestandsaufnahme“, ZWF – Zeitschrift für wirtschaftlichen Fabrikbetrieb, Vol. 97, No. 1-2, 2002, pp. 64-68.
  • Hudetz, Walter, Michael Friedewald, and Monika Harnischfeger, Innovation durch Multimedia im Maschinenbau – Technische Dokumentation im Umbruch: Ein Leitfaden für Maschinen- und Anlagenbauer, VDMA Verlag, Frankfurt am Main, 2002.
  • Klemm, Peter, Joachim Dreyer, D. Zühlke, and Achim Reuther, “Situationsadaptive Informationsbereitstellung an Maschinen”, wt Werkstattstechnik online, Vol. 93, No. 5, 2003, pp. 389-395.
  • Pritschow, G., and Joachim Dreyer, ” “Information on Demand” an der Werkzeugmaschine”, in W. Adam, G. Pritschow, E. Uhlmann, and M. Weck (eds.), Datenmodelle in der Produktion, VDI-Verlag, Düsseldorf, 2002, pp. 39-51.
  • Pritschow, G., and Norbert Treichel, “Multimediales Maschinen-Informationssystem zur Unterstützung entwicklungsbegleitender und kundennaher Prozesse”, in W. Adam, G. Pritschow, E. Uhlmann, and M. Weck (eds.), IuK-Schnittstellen in der Produktionstechnik, VDI-Verlag, Düsseldorf, 2002, pp. 119ff.
  • Stahl, Beate, “Forschungsprojekt „MuMaSy“ entwickelt Multimedia-Informationsmodell für den Maschinenbau“, Maschinenbau-Nachrichten 2/2000, pp. 57.

Standard

  • VDMA 66320, “Beschreibung eines Schemas für Technische Dokumentation im Maschinenbau (mumasy)”, VDMA Einheitsblatt 66320, Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), Frankfurt a.M., 2006.

Berichte

  • Hudetz, Walter, and Michael Friedewald, “Nutzeranforderungen an ein Multimediales Maschineninformationssystem”, Zwischenbericht an die VDMA-Gesellschaft für Forschung und Innovation (VFI) mbH ISI, Karlsruhe, 2000.
  • Hudetz, Walter, and Michael Friedewald, “Stand der technische Produktdokumentation im Maschinen- und Anlagenbau”, Arbeitsbericht an die VDMA-Gesellschaft für Forschung und Innovation mbH (VFI) mbH ISI, Karlsruhe, 2001.

Software-Patente

Studie 1: Mikro- und makroökonomische Implikationen der Patentierbarkeit von Softwareinnovationen: Geistige Eigentumsrechte in der Informationstechnik im Spannungsfeld von Wettbewerb und Innovation (2001)

Studie 2: Geistige Eigentumsrechte in der Informationsgesellschaft: Eine Analyse der Rolle gewerblicher Schutzrechte bei Gründung und Markteintritt sowie für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Softwareunternehmen anhand unternehmens- und softwaretypenbezogener Fallstudien (2002-03)

Aufgabenstellung

Im Oktober 2000 hat die Europäische Kommission eine Sondierung zur Patentierbarkeit softwarebezogener Erfindungen eingeleitet. Gegenwärtig beraten die Mitgliedstaaten des Europäischen Patentübereinkommens beim Europäischen Patentamt darüber, ob die diesbezügliche Einschränkung für die Patentierung aus dem Patentübereinkommen gestrichen werden soll. Hintergrund dieser Diskussionen ist die Befürchtung, dass das Fehlen EU-weit einheitlicher Rechtsvorschriften die Wettbewerbsfähigkeit und das Wirtschaftswachstum der Europäischen Union hemmen könnte. Die Kontroverse entzündet sich daran, dass zum Teil die Auffassung vertreten wird, Patente für Computersoftware könnten ähnlich wie in anderen Technologiefeldern Innovationen fördern, da sie den jeweiligen Eigentümern einen angemessenen Schutz bieten können, so dass größere Anreize für weitere Investitionen in die Entwicklung leistungsfähiger Software entstehen. Die Gegenposition, die vor allem aus der Open-Source-Szene heraus formuliert wird, beruft sich darauf, dass Patente den fairen Wettbewerb durch eine leichtere Monopolbildung untergraben und gerade dadurch Innovationen verhindern könnten. Unabhängig von den Positionen der Grundsatzdebatte ist die gegenwärtige Rechtslage unbefriedigend, weil es an Klarheit und Rechtssicherheit auf dem Gebiet der Patentierung software-basierter Erfindungen mangelt. “Programme für Datenverarbeitungsanlagen”, also Computerprogramme sind als solche, d.h. losgelöst von ihrer technischen Basis, keine patentfähigen Erfindungen. Jedoch haben sowohl die nationalen Patentämter in Europa als auch das Europäische Patentamt Patente für technische Erfindungen erteilt, bei denen ein Computerprogramm verwendet wird. In den Vereinigten Staaten ist Softwarepatentierung leichter möglich. Es existiert sogar eine eigene Patentklasse für Softwaregestützte Geschäftsmodelle, die seit Mitte der neunziger Jahre einen starken Anstieg an Patenterteilungen erfahren hat, wobei die Patenterteilungen an europäische Firmen sich nicht über ein unbedeutendes Niveau hinaus entwickelt haben. Vor dem Hintergrund der rechtlichen Unsicherheiten, der ökonomischen Kontroverse und der europäischen Befürchtung, in der Software-Industrie an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten zu verlieren, ist es Ziel des vorgeschlagenen Forschungsvorhabens, die mikro- und makroökonomischen Implikationen der Patentierung von Software zu analysieren und Empfehlungen für zukünftige wirtschafts- und rechtspolitische Initiativen der Bundesregierung im Bereich der Software-Innovationen zu formulieren. Im Mai 2000 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bereits einen ersten Workhop dazu veranstaltet. Empirischer Kern der Studie ist eine bislang einmalige Primärerhebung in Deutschland. Zielgruppe sind Unternehmen im Sektor Softwareentwicklung bzw. Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, die eigene Softwareentwicklung betreiben sowie sonstige Softwareentwickler.

Status

abgeschlossen 2001

Auftraggeber

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Partner

  • Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Patent-, Urheber und Wettbewerbsrecht
  • Fraunhofer Patentstelle für die Deutsche Forschung.

Publikationen

Bücher

  • Blind, Knut, Jakob Edler, Ralph Nack, Joseph Straus, Michael Friedewald, Rainer Frietsch, and Wolfgang Knappe, Software-Patente: Eine empirische Analyse aus ökonomischer und juristischer Perspektive, Physica, Heidelberg, 2003.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, Software Patents: An Empirical Analysis from an Economic Perspective, Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart, 2004.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, Software Patents: Economic Impacts and Policy Implications, Edward Elgar, Cheltenham, 2005.

Berichte

  • Blind, Knut, Jakob Edler, Michael Friedewald, Joseph Straus, and Ralph Nack, “Mikro- und makroökonomische Implikationen der Patentierbarkeit von Softwareinnovationen: Geistige Eigentumsrechte in der Informationstechnik im Spannungsfeld von Wettbewerb und Innovation”, Endbericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ISI, Karlsruhe, 2001.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, “Geistige Eigentumsrechte in der Informationsgesellschaft: Eine Analyse der Rolle gewerblicher Schutzrechte bei Gründung und Markteintritt sowie  für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Softwareunternehmen anhand unternehmens- und softwaretypenbezogener Fallstudien”, Endbericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ISI, Karlsruhe, 2003.

Artikel

  • Friedewald, Michael, Knut Blind, and Jakob Edler, “Innovation und intellektuelles Eigentum: Wer nutzt und wem nützen Softwarepatente?”, PIK – Praxis der Informationsverarbeitung und Kommunikation, Vol. 26, No. 2, 2003, pp. 102-109.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, “Wer braucht eigentlich Software-Patente? Ergebnisse einer empirischen Untersuchung”, in Kurt Bauknecht, Wilfried Brauer, and Thomas A. Mück (eds.), Informatik 2001: Wirtschaft und Wissenschaft in der Network Economy – Visionen und Wirklichkeit, Österreichische Computer Gesellschaft, Wien, 2001, pp. 1046-1053.
  • Blind, Knut, and Jakob Edler, “Micro- and Macrooeconomic Implications of the Patentability of Software Innovations. Intellectual Property Rights in Information Technologies between Competition and Innovation”, in), International Forum “Protection of Computer-Related and Business Model Inventions” 21 and 22 November 2002, European Patent Office, Munich, EPO International Academy, Munich, 2003, pp. 207-214.
  • Blind, Knut, and Jakob Edler, “Idiosyncrasies of the Software Development Process and Their Relation to Software Patents: Theoretical Considerations and Empirical Evidence”, Netnomics, Vol. 5, No. 1, 2003, pp. 71-96.
  • Blind, Knut, “Interoperability of Software: Demand and Solutions”, in Hervé Panetto (ed.), Interoperability of Enterprise Software and Applications: Workshops of the INTEROP-ESA International Conference EI2N, WSI, ISIDI and IEHENA 2005, February 22nd, 2005 – Geneva, Switzerland, Hermes Science, London, 2005, pp. 199-210.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, “Software Patents: Additional Insights from Case Studies”, in), 5th EPIP Conference European Policy for Intellectual Property, Roskilde University, Copenhagen, Denmark, 10th – 11th March 2005.
  • Blind, Knut, “Intellectual Property in Software Development: Trends, Strategies and Problems”, Review of Economic Research on Copyright Issues, Vol. 4, No. 1, 2007, pp. 15-25. http://ssrn.com/abstract=997190

Verbundprojekt Historische Innovationsforschung: Indikatorenbasis zur Innovationstätigkeit in Deutschland

Aufgabenstellung

In dieser Explorationsstudie geht es darum auszuloten, welche Indikatorenbasis für eine spätere breit angelegte Studie “Der Beitrag des Staates zur Forschung und Entwicklung in Deutschland seit der Reichsgründung” zur Verfügung steht bzw. mit einem vertretbaren Aufwand verfügbar gemacht werden kann. Die theoretische Grundlage sind dabei die funktionalen Modelle des FuE-Prozesses, wie sie dem heutigen Stand der Innovationsforschung entsprechen. Zu fragen ist, ob diese Modelle auch im historischen Kontext tragen und wie sie ggf. modifiziert werden müssen. Alsdann ist vor diesem Hintergrund zu prüfen, welche Indikatoren Zeitraum überdauernd verwendet werden können, welche Datenbestände vorliegen, wie sehr sich unterschiedliche Abgrenzungen qualitativ und quantitativ auswirken und ob, ggf. in welchen Fällen, es machbar erscheint, in einer darauf folgenden Hauptstudie die bestehenden Daten umzuschlüsseln, Daten nachzutragen oder aus Rudimenten zu rekonstruieren. Festgestellt werden muss aber auch, auf welche heute gebräuchlichen Indikatoren für historische Zeiträume wohl auch weiterhin verzichtet werden muss.

Es gelingt, die Entwicklung der Wissenschaftsausgaben bezogen auf die Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte für den ganzen Zeitraum zusammenzustellen. Auch der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung lässt sich rekonstruieren. Dabei zeigt sich, dass die staatliche Alimentierung von Forschung und Entwicklung eine typische Angelegenheit von Nachkriegsdeutschland ist.

Die Entwicklung der wissenschaftlichen Tätigkeit anhand der Publikationsstatistik lässt sich nur für das 20. Jahrhundert nachzeichnen, während die Patentstatistik sogar bis 1812 zurück rekonstruiert werden kann. Es ergibt sich, dass die Wissenschaftstätigkeit im gesamten Betrachtungszeitraum mit konstanter Rate gewachsen ist, wobei drei säkulare Zeitabschnitte unterschieden werden können. Hingegen zeigt die Erfindungstätigkeit, die im Wesentlichen in den Unternehmen stattfindet und einem ökonomischen Kalkül unterliegt, dass die Phase exponentiellen Wachstums vor dem Ersten Weltkrieg abgeschlossen war. Seitdem lassen sich erklärbare Zyklen auf etwa demselben Niveau feststellen.

Viele der auf der nationalen Ebene entwickelten Indikatoren können auch im Falle der Sektorstudien Chemie und Elektrotechnik recherchiert werden. Auf diese Weise lässt sich eine stark bzw. schwach ausgeprägte Pfadabhängigkeit in Chemie bzw. Elektrotechnik zeigen, also durchaus unterschiedliche Entwicklungsmuster.

Mit dem vorgelegten Kranz von Indikatoren auf nationaler bzw. sektoraler Ebene entsteht ein dichtes Bild zum Umfang und zu den Inhalten der Innovationstätigkeit in den letzten mehr als 100 Jahren in Deutschland. Damit hat sich die empirische Basis für den an innovations- und wirtschaftsgeschichtlichen Fragen interessierten Ökonomen in den letzten Jahren doch sehr verbreitert, so dass keine gravierende Empirielücke behauptet werden kann. Zwar trifft es zu, dass viele Fragen, welche die evolutorische Theorie aufgeworfen hat, momentan empirisch nicht bearbeitet werden können. Gleichzeitig ist jedoch das Umgekehrte ebenso richtig: Es liegen strukturentdeckende empirische Befunde vor, die von theoretischer Seite aufgegriffen und zur Fortentwicklung des Theoriegebäudes fruchtbar gemacht werden können.

Status

abgeschlossen  (08/1999 – 09/2001)

Auftraggeber

BMBF

Partner

Deutsches Museum, Humboldt-Universität Berlin, TU München, GESIS: Datenarchiv für Sozialwissenschaften, TU Freiberg, TU Dresden

Publikationen

  • Grupp, Hariolf, Iciar Dominguez-Lacasa, Monika Friedrich-Nishio, Michael Friedewald, Gerhard Jaeckel, and Ulrich Schmoch, Das deutsche Innovationssystem seit der Reichsgründung. Indikatoren einer nationalen Wissenschafts- und Technikgeschichte in unterschiedlichen Regierungs- und Gebietsstrukturen, Physica, Heidelberg, 2002.
  • Grupp, Hariolf, Iciar Dominguez-Lacasa, and Monika Friedrich-Nishio, “The national German innovation system. Its development in different governmental and territorial structures”, in L.V. Shavinina (ed.), The international handbook on innovation, Elsevier, Amsterdam, 2003.
  • Grupp, Hariolf, Iciar Dominguez-Lacasa, Monika Friedrich-Nishio, and Andre Jungmittag, “Innovation and growth in Germany over the past 150 years”, in U. Cantner (ed.), Entrepreneurship, the new economy and public policy : Schumpeterian perspectives, Springer, Berlin, 2005.
  • Grupp, Hariolf, Iciar Dominguez-Lacasa, and Monika Friedrich-Nishio, “The national german innovation system – its development in different governmental and territorial structures”, in K.  Dopfer (ed.), Economics, evolution and the state : The governance of complexity, Edward Elgar, Cheltenham, 2005.
  • Grupp, Hariolf, Iciar Dominguez-Lacasa, and Monika Friedrich-Nishio, “Deutsche Innovationsgeschichte seit der Reichsgründung – eine kliometrische Perspektive”, in K. Dopfer (ed.), Evolutorische Wirtschaftspolitik – Grundlagen und Anwendungsmodelle : Auswahl von Beiträgen der Jahrestagung des Ausschusses Evolutorische Ökonomik des Vereins für Socialpolitik, Duncker und Humblot, Berlin, 2004, pp. 149-182.

Potenzialanalyse “Forschung unter Schwerelosigkeit”

Ziel des Projektes war es, eine Analyse der Potenziale der “Forschung unter Schwerelosigkeit” (FUS) für die Wissenschaft und die Wirtschaft auszuarbeiten. Dabei sollte auch der Frage nachgegangen werden, wie die FUS mit den terrestrischen Mutterdisziplinen vernetzt ist und von diesen wahrgenommen wird. Als methodischer Ansatz wurde eine Kombination aus einer quantitativen Breitenanalyse mit Hilfe von Wissenschafts- und Technikindikatoren mit einer qualitativen, im Wesentlichen auf Experteninterviews beruhenden Vertiefungsanalyse gewählt. Dabei wurden leitfadengestützte Interviews mit 70 Experten in Deutschland, anderen europäischen Ländern und den USA durchgeführt.

Insgesamt stellt die FUS in der Wissenschaft mit einem Anteil von unter 1% an allen Publikationen des Science Citation Index einen eher kleinen Bereich dar und ist diesbezüglich beispielsweise mit Publikationen zur Synchrotronstrahlung vergleichbar. Die Bedeutung der FUS in der Wissenschaft hat gemessen am Publikationsaufkommen in den 90er-Jahren deutlich zugenommen. Das Publikationsaufkommen wird durch die USA dominiert, gefolgt von Europa und, mit deutlichem Abstand, Japan. Innerhalb Europas kommen die meisten Publikationen aus Deutschland und Frankreich. Insgesamt hat die Potenzialanalyse gezeigt, dass die FUS wichtige wissenschaftliche Beiträge zu den terrestrischen “Mutterdisziplinen” Medizin, Biologie, Physik und Materialwissenschaften leisten kann. Ihre Potenziale liegen dabei vor allem im Grundlagenbereich, wo FUS eine wesentliche Erweiterung der experimentellen Möglichkeiten bietet. Potenziale der FUS für die wirtschaftliche Nutzung im Sinne der Entwicklung von Anwendungen aus ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen sind dagegen kurz- und mittelfristig eher begrenzt. Längerfristig sollte sich jedoch auch aus der FUS wirtschaftlicher Nutzen ergeben, wie dies auch bei anderen grundlagenorientierten Forschungsfeldern beobachtet wird.

Als entscheidend für die Realisierung der Potenziale der FUS erachten wir die Entwicklung eines neuen konzeptionellen Verständnisses: FUS sollte nicht per se als eigenständige Disziplin betrieben werden, sondern sich an der Frage ausrichten, zu welchen Themenfeldern aus den Mutterdisziplinen durch FUS ein Beitrag geleistet werden kann. Somit ergeben sich für die künftige Gestaltung der FUS vor allem zwei Ziele: 1. Weiterführung und Verstärkung der Integration und Vernetzung mit den Mutterdisziplinen. 2. Öffnung für eine möglichst breite Scientific Community.

Status

Abgeschlossenes Projekt (07/2001)

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Publikationen

Reiß, Thomas, Susanne Bührer, Qi Chen, Michael Friedewald, Sybille Hinze, and Gerhard Jaeckel, “Potenzialanalyse Forschung unter Schwerelosigkeit”, Bericht an das Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat 622: Raumfahrt. ISI, Karlsruhe, 2001.

Analyse und Evaluation der Software-Entwicklung in Deutschland

Aufgabenstellung

Anlass für die Bestandsaufnahme der Softwareentwicklung in Deutschland war die Tatsache, dass sich der Markt für Softwaretechnologie und softwarebezogene Dienstleistungen weltweit zunehmend zu einem wirtschaftlichen Schlüsselbereich entwickelt. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Softwareunternehmen im engeren Sinne (primäre Softwarebranche, Primärbranche), sondern immer mehr auch Unternehmen aus unterschiedlichen Anwendungsbranchen (sekundäre Softwarebranchen, Sekundärbranchen), für die Software zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Produkte und zur Grundlage der von ihnen angebotenen Dienstleistungen geworden ist. Insbesondere zur Situation der Sekundärbranchen gab es bislang so gut wie keine aktuellen Marktdaten. Die Primärbrache umfasst in der hier verwendeten Definition neben Softwarehäusern auch DV-Dienstleister und Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und -einrichtungen. Zu den in der Studie betrachteten Sekundärbranchen zählen die Bereiche Maschinenbau, Elektrotechnik, Fahrzeugbau, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen. Damit werden exemplarisch Branchen innerhalb des produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors mit einem besonders hohen Anteil an Softwareentwicklung abgedeckt. Methodisch kam eine Kombination repräsentativer telefonischer Befragungen und Experteninterviews zur qualitativen Vertiefung zum Einsatz. Im Rahmen der telefonischen Befragung wurden Gespräche mit Vertretern aus repräsentativ ausgewählten Unternehmen der Primärbranche (n = 249 Unternehmen) und der Sekundärbranchen (n = 671 Unternehmen) durchgeführt. Die Zielpersonen in den Unternehmen waren in der Regel die Leiter der Softwareentwicklung, bei kleineren Unternehmen auch die Inhaber oder Geschäftsführer. Expertengespräche wurden in 55 softwareentwickelnden Unternehmen durchgeführt. Aus den verschiedenen Branchen wurden sowohl kleine, junge als auch profilbestimmende und marktführende Unternehmen ausgewählt. Ziel dieser Expertengespräche war es, einen tieferen Einblick in die Praxis der industriellen Softwareentwicklung zu gewinnen. Die Interviews wurden anhand eines Gesprächsleitfadens geführt, der die Softwareproduktion im Unternehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Dabei ging es insbesondere um den Umfang der Softwareprodukion, die Produktionsprozesse, die Bedeutung von Software für Wettbewerb und Innovation sowie um den künftigen Personalbedarf und die Anforderungen an die Mitarbeiterqualifikation.

Ergebnisse

Die Studie zeigt, dass Software und Softwareentwicklung für nahezu alle Produkte und Prozesse quer durch alle Branchen der deutschen Volkswirtschaft zunehmend zum wettbewerbsbestimmenden Faktor wird. Es liegt jetzt Grundlagen- und Orientierungswissen vor, das Wirtschaft und Staat fundierte Entscheidungen zur Forschung, Entwicklung und Ausbildung auf dem Gebiet der Software ermöglicht. In der Informationstechnik-Branche entwickeln mehr als 10.500 Unternehmen Software. In den 5 untersuchten Sekundärbranchen sind es bereits mehr als 8.600 Unternehmen. Dabei erzielen in der Primärbranche knapp die Hälfte aller Unternehmen mehr als 75 % ihres Umsatzes durch Softwareentwicklung. In den Sekundärbranchen entfallen durchschnittlich schon 15 % der Neuentwicklungskosten auf Software, wobei die Branchen Elektrotechnik und die Telekommunikation überdurchschnittlich softwareintensiv sind. Es gibt in der Primärbranche eine enorme Gründungsdynamik, 67 % der Unternehmen wurden nach 1990 gegründet. In den Sekundärbranchen spiegelt sich die traditionelle Stärke der deutschen Wirtschaft in ingenieurmäßigen Individuallösungen wider, die zunehmend auf innovativen Softwareentwicklungen beruhen. Der Trend zur Auslagerung der Softwareentwicklung besteht nach wie vor. Der Wettbewerb wird zunehmend über software-veredelte Funktionen der Produkte oder Dienstleistungen entschieden. Die Untersuchung belegt das momentane Defizit an Fachkräften, das für viele der befragten Unternehmen bei der Softwareentwicklung ein besonders dringliches Problem darstellt. Durch altersbedingte Fluktuation und weiteren Zusatzbedarf wird zukünftig sogar noch mit einer Verschärfung dieser Situation gerechnet. Voraussetzung für die Schaffung neuer Arbeitsplätze in Deutschland ist eine verstärkte Ausbildung sowie der Ausbau von softwaretechnologischer Kompetenz zur Entwicklung und zum Einsatz von Software-Produkten, softwaregestützten Prozessen und Dienstleistungen. Zuverlässigkeit und Funktionalität sind aus Sicht der Unternehmen die wichtigsten Qualitätseigenschaften von Software. Bisher ist aber die ingenieurmäßige Entwicklung qualitativ hochwertiger Software in Deutschland noch zu gering verbreitet. Die Bedeutung der Softwareentwicklung spiegelt sich außerdem noch nicht ausreichend in den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Unternehmen wider. Als Forschungsziele werden in der Untersuchung u. a. die Erarbeitung von wissenschaftlichen Grundlagen für die Softwaretechnik als Ingenieurdisziplin, verbesserte softwaretechnologische Prozesse, Methoden und Werkzeuge sowie das Bereitstellen und Experimentieren mit innovativen Methoden und Anwendungsfeldern mit hohen softwaretechnologischen Anforderungen.

Status

abgeschlossen 2000

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Partner

  • Gesellschaft für Konsumforschung, Nürnberg
  • Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering, Kaiserslautern

Publikationen

Bericht

  • Stahl, Petra, H. Dieter Rombach, Michael  Friedewald, Robert Wucher, Susanne Hartkopf, Kirstin Kohler, Simone Kimpeler, Peter Zoche, Manfred Broy, and Ingolf Krüger, “Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland“, Endbericht an das Bundesministerium für Bildung und Forschung. GfK Marktforschung, Nürnberg, 2000. https://www.iese.fraunhofer.de/content/dam/iese/de/documents/Softwareentwicklung_Deutschland_Evasoft_tcm122-7431.pdf.

Artikel

  • Friedewald, Michael, H. Dieter Rombach, Petra Stahl, Manfred Broy, Susanne Hartkopf, Simone Kimpeler, Kirstin Kohler, Robert Wucher, and Peter Zoche, “Softwareentwicklung in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme”, Informatik Spektrum, Vol. 24, No. 2, 2001, pp. 81-90.
  • Friedewald, Michael, Knut Blind, and Jakob Edler, “Das Innovationsverhalten der deutschen Softwareindustrie”, Wirtschaftsinformatik, Vol. 44, No. 2, 2002, pp. 155-161.
  • Friedewald, Michael, “Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland”, IT-Personal / IT-Training, Vol. 218, 2001.
  • Friedewald, Michael, H. Dieter Rombach, Petra Stahl, Manfred Broy, Susanne Hartkopf, Simone Kimpeler, Kirstin Kohler, Robert Wucher, and Peter Zoche, “Softwareentwicklung in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme”, Informatik Spektrum, Vol. 24, No. 2, 2001, pp. 81-90.

Marktstudie Application Service Providing

Aufgabenstellung

Die Idee hinter Application Service Providing (ASP) ist nicht grundlegend neu, denn bereits in den 70er und 80er Jahren gab es Unternehmen, die mit so genannten „Time-Sharing-Services“, den kleinen und mittleren Unternehmen Rechner und Applikationen zur Verfügung stellten. Dennoch besitzt ASP heute wesentlich mehr Potential. Vor allem branchenspezifische Anwendungen werden im Netz gemietet, um sich teure Investitionen in IT-Strukturen und Know-how zu sparen. Auch jetzt sind es wieder vor allem kleine und mittlere Unternehmen, für die ASP eine Alternative zum Kauf von Anwendungen darstellen kann. Dabei bieten Application Service Provider ihren Anwendern über ein eigenes oder öffentliches Netzwerk Zugang zu Software-Applikationen, die in leistungsfähigen, sicheren und hoch verfügbaren Rechenzentren (Data Center) abgelegt sind.

Vor allem KMU mit nur geringen Personalressourcen sowie junge Internet Start-ups stellen die Hauptzielgruppe für das Application-Software-Providing dar. Die Gründe für den Einsatz von ASP liegen auf der Hand: So erwarten laut Forrester 69% der DV-Entscheider tiefgreifende Kosten- und Zeitersparnisse, 58% hoffen auf geringere IT-Administration, während 52% eine schnellere Einführung neuer Anwendungen durch ASP für wahrscheinlich halten. Kosteneinsparungen sollen sich vor allem dadurch einstellen, dass im Gegensatz zum herkömmlichen Outsourcing der Auftraggeber keine Softwarelizenzen mehr kaufen muss. Die Lizenzrechte kauft der Application Service Provider, die Kunden bezahlen lediglich für die Benutzung der Programme. Darin enthalten sind sowohl die Lizenzkosten, Gebühren für Rechner-, Platten und Netzwerkkapazitäten als auch Wartungs- und Supportkosten. Auf den ersten Blick mögen einige Softwareprogramme, die beim ASP gemietet werden teuer erscheinen. Wenn man jedoch nicht allein die Lizenzgebühren sondern die Gesamtkosten, welche auch die Aufwendungen für Endanwender-Support sowie die Ausgaben für immer wieder auftretende Fehlerbeseitigung berücksichtigt, eröffnet sich das gesamte Einsparungspotential. Forrester geht davon aus, dass etwa 30% des IT-Budgets eines Unternehmens durch Application Service Providing eingespart werden kann.

Vor diesem Hintergrund sollten für den Auftraggeber die wichtigsten Anbieter und Produkte für ausgewählte Branchen identifiziert und beschrieben werden. Dabei geht es auch um die spezifischen Anforderungen, die für die Durchsetzung des ASP-Modells in unterschiedlichen Branchen zu erfüllen sind.

Ergebnisse

Application Service Providing ist ein neues Vertriebsmodell für Software, das nicht nur bei branchenneutralen Applikationen (Office, Mail, ERP) Marktpotenziale besitzt, sondern auch für die Nutzer branchenspezifischer Software interessant ist.

Die Entscheidung, ob und in welchem Umfang ASP von Unternehmen tatsächlich genutzt wird, hängt von einer Abwägung der Vor- und Nachteil ab. Zu den von den potenziellen Nutzern als Nachteil empfundenen Faktoren gehören: (1) die Abhängigkeit von einem externen Dienstleister, (2) der langfristige Know-how-Verlust im IT-Bereich, (3) Probleme des Datenschutzes und der Datensicherheit, (4) der mögliche Kostenanstieg, falls ein ASP-Anbieter die entstandene Abhängigkeit durch erhöhte Preise missbraucht sowie (5) die Verfügbarkeit der Dienstleistung und des Netzes als neue Unsicherheitsfaktoren.

Demgegenüber erkennen die potenziellen Nutzer auch Vorteile von ASP: (1) Kostentransparenz im IT-Bereich, (2) keine zusätzlichen Hardware-Investitionen, (3) hohe Sicherheit vor Datenverlusten, (4) Aktualität der Anwendungen, (5) Einfache Skalierbarkeit / Erweiterbarkeit und dadurch (6) die Möglichkeit zur Fokussierung auf das Kerngeschäft.

Nicht alle Software-Anwendungen sind heute in gleichem Maße für ASP geeignet:

  • Im Office Software Bereich spielt immer noch Microsoft mit „Microsoft Office“ die Hauptrolle unter den Softwareanbietern. Eine großes Einsparpotential wird im Office Bereich durch ASP jedoch nicht gesehen, da die Wartung und Installation der Office Pakete relativ einfach ist. Bei derzeitigen Übertragungsgeschwindigkeiten haben
  • Grafikprogramme – speziell für den Medienbereich – im ASP-Modell noch keine Zukunft, da der Bildaufbau enorme Übertragungskapazitäten erfordert.
  • Internet / Intranet basierende Anwendungen werden mit großer Wahrscheinlichkeit ein Hauptstütze des ASP werden. Die Nutzung von ASP könnte hier ganze Firmennetzwerke und Administrationsbereiche ersetzen.
  • Im Bereiche der großen Datenbank- oder Analyseanwendungen ist ASP eine sehr gute Alternative, da bei diesen Programmen meist ein Maximum an Hardwareleistung vorausgesetzt wird. Teure einmalige Investitionen könnten so den Firmen erspart bleiben.

Für branchenspezifische ASP-Lösungen (z. B. Konstruktions- und produktionsunterstützende Software im produzierenden Gewerbe, Warenwirtschafts- und Logistikapplikationen) existieren keine „einfachen“ Märkte, die sich einfach dadurch erschließen ließen, die erfolgreichsten Softwareprodukte in das Anbieter-Portfolio aufzunehmen. Dabei gilt es vor allem psychologische Barrieren bei den potenziellen Kunden zu überwinden, die sich – aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit und Bedenken über die Zukunftssicherheit der Angebote – scheuen, IT-Aufgaben durch einen spezialisierten Dienstleister erbringen zu lassen.

Für einen erfolgreichen Markteintritt bei branchenspezifischen Anwendungen erscheint daher die Kooperation des Application Servicer Providers mit etabnlierten Softwareanbietern, mit einflussreichen und meinungsbestimmenden Pilotkunden bzw. Branchenverbänden zielführend. Zentral ist dabei die Schaffung von Vertrauen bei den potenziellen Kunden, sowohl mit Blick auf Leistungen als auch auf Kosten- bzw. Preismodelle.

Status

abgeschlossen (September 2000 – April 2001)

Auftraggeber

Einsteinet AG

Publikationen

  • Friedewald, Michael, “Marktstudie “Application Service Providing” – Branchenspezifische ASP-Potenziale”, Abschlussbericht, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, 2001.
  • Friedewald, Michael, Peter Georgieff, and Markus Joepgen, “Application Service Providing – Software mieten statt kaufen“, FB/IE – Zeitschrift für Unternehmensentwicklung und Industrial Engineering, Vol. 50, No. 6, 2001, pp. 265-267.