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Technikakzeptanz und Nachfragemuster als Standortvorteil

Neue wissenschaftlich-technische Entwicklungen sollen zum Erkenntnisgewinn beitragen, neue Dienstleistungen und Produkte hervorbringen, Problemlösungen in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen anbieten und zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland beitragen. Unsere Untersuchung sollte klären, welche Rolle Nachfrageverhalten sowie Technikaufgeschlossenheit und Akzeptanz von entsprechenden Produkten, Dienstleistungen und Problemlösungsangeboten bei der dauerhaften Erzielung dieser Effekte spielen.

In dieser Untersuchung wurden Erkenntnisse zu Technikeinstellungen und -akzeptanz sowie Nachfragemuster in die gesamthafte Betrachtung des Innovationssystems eingebettet. Hierfür wurde der Zugang über die “Technologischen Systeme” gewählt, die die Entwicklung, Anwendung und Diffusion einer neuen Technologie in den Mittelpunkt stellen. Außerdem wurde die Annahme zu Grunde gelegt, dass sich eine adäquate Berücksichtigung von Nutzerpräferenzen im Innovationsprozess als vorteilhaft im internationalen Wettbewerb erweisen kann. Damit sollte das Phänomen der (mangelnden) Technikakzeptanz, das bislang vor allem als innovationshemmender Standortfaktor aufgefasst worden war, positiv und konstruktiv genutzt werden. Vor diesem Hintergrund wurden die fünf Technologiefelder

  • Produktionstechnologie,
  • Nanotechnologie,
  • IuK-Technologien mit Schwerpunkt E- und M-Commerce,
  • Neue Verkehrstechnologien mit Schwerpunkt Verkehrstelematik,
  • Lasertechnologie in der Medizin

daraufhin analysiert, welche Erkenntnisse zu Präferenzen der Nachfrageseite in Bezug auf Akzeptanz von und Nachfrage nach konkreten Technikanwendungen vorliegen, inwieweit diesen Präferenzen im Innovationsprozess Rechnung getragen wird bzw. ob sich Hinweise auf Barrieren ergeben, diese Präferenzen aus Nutzersicht einzubringen. Daraus sollten Forschungsbedarf und Empfehlungen für Folgeuntersuchungen abgeleitet werden.

Die Konzeption der vorliegenden Untersuchung fußte auf

  • der Einbettung von Erkenntnissen zu Technikeinstellungen und -akzeptanz sowie Nachfragemuster in die ganzheitliche Betrachtung des Innovationssystems;
  • einer breiten Definition und Operationalisierung von “Technikakzeptanz” und “Nachfrage”, die sowohl die Handlungs-, Einstellungs- und Wert- und Zielebene dieser Konstrukte berücksichtigt;
  • der Notwendigkeit zur Differenzierung nach konkreten Technikanwendungen (Objekt) sowie den jeweils relevanten Subjekten und Kontexten;
  • einem breiten Spektrum an Untersuchungsansätzen, methodischen Zugängen und Datenquellen, die synergistisch kombiniert werden müssen.

Der für diese Untersuchung gewählte, neuartige Ansatz war in allen hier untersuchten Technologiefeldern prinzipiell anwendbar, obwohl sich die Technologiefelder als sehr heterogen erwiesen. Zudem eröffnet dieser Zugang neue Perspektiven für die Technikakzeptanz- und Innovationsforschung, aber auch neue Optionen für die Politik. Deshalb erscheint dieser Zugang als viel versprechend und verdient es, auch in Zukunft weiterverfolgt und konzeptionell weiterentwickelt zu werden.

Um Defizite und Schwachstellen bisheriger Analysen in Folgeuntersuchungen zu vermeiden, sollten Akzeptanz und Nachfrage jeweils auf der Wert- und Ziel-, der Einstellungs- und der Handlungsebene berücksichtigt werden; es sollten die jeweils maßgeblichen Akteursgruppen identifiziert und ihre Präferenzen und ihr Verhalten anhand repräsentativer Stichproben, anhand originaler Äußerungen bzw. durch direkten Einbezug und im Hinblick auf alle relevanten Determinanten (z. B. kognitiv-rationale Aspekte, für die Akzeptanz und Nachfrage auf der Handlungsebene relevante wesentliche Aspekte wie Emotionen, Wertorientierungen und Zeitgeist, Handlungsrelevanz von Einstellungen o. Ä.) charakterisiert werden. Hierfür ist ein breites Spektrum an Untersuchungsmethoden und Datenquellen erforderlich. Die “Anschlussfähigkeit” zwischen verschiedenen Untersuchungsansätzen sollte gewährleistet werden, um Synergien durch die Kombination verschiedener methodischer Ansätze tatsächlich ausnutzen und belastbare Aussagen ableiten zu können.

Für künftige Folgeuntersuchungen sollte die umfassende Aufgabenstellung dieser Untersuchung in Teilfragestellungen unterteilt und eine kritische, aufgabenadäquate Auswahl der Untersuchungsgegenstände vorgenommen werden.

Eine Teilfragestellung ist die Untersuchung der Ausprägung von Akzeptanz und Nachfrage und ihrer Determinanten in ausgewählten Technologiefeldern. Dadurch werden Präferenzen der Nachfrage- und Nutzerseite ermittelt, um sie in Innovationsprozesse einzuspeisen. Zum anderen können die Ergebnisse als Indikatoren dafür genutzt werden, inwieweit die Organisationen und Institutionen des Innovationssystems für die Herausforderungen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts in diesem Technologiefeld angemessen sind. Hieraus lassen sich Ansatzpunkte für eine Anpassung der Technik und/oder der Kontextbedingungen ableiten. Ergänzend können internationale Vergleiche, Vergleiche zwischen (ähnlichen!) Technologiefeldern bzw. Technikanwendungen sowie Veränderungen im zeitlichen Verlauf untersucht werden. Durch die letztgenannten Analysen könnte auch ein Beitrag zur Schließung der Forschungslücke geleistet werden, die in Bezug auf eine Vorausschau des künftigen Verhaltens auf der Basis heutiger Einstellungsmessungen und Präferenzäußerungen besteht. Hierzu wäre zunächst in retrospektiven Paneluntersuchungen zu klären, inwieweit ein solcher Zusammenhang besteht und welche weiteren Einflussfaktoren von Bedeutung sind. Anschließend wäre zu prüfen, inwieweit eine prospektive Nutzung, d. h. eine Vorausschau auf künftiges Handeln möglich ist.

Großer Forschungsbedarf besteht noch in der Konzipierung, Analyse und Evaluation bestehender und neuartiger Instrumente und Maßnahmen, die darauf abzielen, die Nutzerpräferenzen rechtzeitig, wirksam und effizient in den Innovationsprozess einzubeziehen.

Eine diese Untersuchung leitende Prämisse war das Leitmärkte-Konzept, mit dessen Hilfe über die Nachfrage eine konzeptionelle Brücke zwischen Technikakzeptanz und Wettbewerbsfähigkeit geschlagen wurde. Diese konzeptionelle Brücke gilt es in Folgeuntersuchungen aber noch empirisch abzusichern. Hierzu bietet sich zunächst an, anhand ausgewählter Beispiele retrospektiv zu klären, welche Rolle die Technikakzeptanz auf der Wert- und Ziel-, der Einstellungs- und der Handlungsebene für existierende Leitmärkte gespielt hat bzw. spielt. Parallel dazu könnte der Versuch einer ex ante Vorausschau von Leitmärkten unternommen werden. Sollten sich diese beiden Ansätze als praktikabel und lohnend erweisen, könnten sie mit der oben vorgeschlagenen Vorausschau von faktischer künftiger Akzeptanz und Nachfrage auf der Basis heutiger Einstellungsmessungen und Präferenzäußerungen kombiniert werden.

Zudem bieten sich zwei alternative Zugänge für Folgeuntersuchungen an: Bislang hat sich die sozialwissenschaftliche Forschung vor allem der nicht akzeptierten bzw. zu scheitern drohenden Technik zugewandt. Möglicherweise könnte es ein lohnender Ansatz sein, den Blick künftig stärker auf akzeptierte und funktionierende Technik zu richten. Der in der vorliegenden Untersuchung gewählte technologieinduzierte Zugang sollte durch einen probleminduzierten Zugang ergänzt werden, da Letzterer insbesondere Beiträge für das Ziel erwarten lässt, Gestaltungspotenzial für gesellschaftliche Herausforderungen zu identifizieren und technologische Optionen im Hinblick auf ihren Problemlösungsbeitrag zu prüfen.

Status

Abgeschlossenes Projekt (11/2000-07/2002)

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Bonn;  vertreten durch den Projektträger VDI/VDE-Technologiezentrum Informationstechnik GmbH, Teltow

Publikationen

Hüsing, Bärbel, Rainer Bierhals, Bernhard Bührlen, Michael Friedewald, Simone Kimpeler, Klaus Menrad, Jürgen Wengel und René Zimmer, “Technikakzeptanz und Nachfragemuster als Standortvorteil“, Abschlußbericht an das Bundesministerium für Wisssenschaft und Forschung ISI, Karlsruhe, 2002.

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