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Innovationsindikator 2017: Deutschland verbessert sich, ist bei der Digitalisierung aber nur Mittelmaß

Der Innovationsindikator 2017, den das Fraunhofer ISI zusammen mit dem ZEW für acatech und den BDI realisiert hat, bescheinigt Deutschland einen vierten Platz in der internationalen Innovationslandschaft. Trotz des guten Abschneidens bleibt der Abstand zur Schweiz, zu Singapur und zu Belgien groß, die das Innovationsranking anführen. Besonders im Digitalisierungsbereich, der im Innovationsindikator 2017 erstmals untersucht wurde, sind deutliche Schwächen auszumachen: Deutschland liegt hier abgeschlagen auf Platz 17 und bleibt weit hinter anderen Industrienationen wie den USA oder Großbritannien zurück.

Deutschland bleibt im internationalen Innovationsvergleich eines der führenden Länder, schafft es jedoch nicht unter die Top drei. Dies ist das Ergebnis des Innovationsindikators 2017, der im Auftrag von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die Innovationsstärke von 35 Volkswirtschaften untersucht hat.

„Deutschland bleibt international ein wichtiger und angesehener Innovationsstandort und verbessert sich im Vergleich zum Innovationsindikator 2015 um einen Platz“, so Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Institutsleiterin des Fraunhofer ISI. „Das gute Ergebnis sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schweiz, Singapur und Belgien weitaus innovationsfähiger sind. Damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt, muss es vor allem bei der Digitalisierung aufholen – gerade in diesem zukunftsträchtigen Bereich stellt der Innovationsindikator Deutschland ein ausgesprochen schlechtes Zeugnis aus.“

Im erstmals erhobenen Digitalisierungs-Indikator landet Deutschland nur auf einem enttäuschenden 17. Platz. Egal ob digitale Wirtschaft (Rang 12), Bildung (Rang 17) oder digitale Forschung/Technologien (Rang 16) – die Ergebnisse fallen in keinem Digitalbereich besonders gut aus. Dies gilt auch für die digitale Infrastruktur, wo Deutschland international nur Rang 19 belegt. Will das Land bei der Digitalisierung aufholen, müssen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stärker einbezogen, die Aus- und Weiterbildung mehr in Richtung Digitalisierung ausgebaut und die IT-Sicherheit gestärkt werden. Positiv fällt aber auf, dass die deutsche Gesellschaft digitale Technologien intensiv nutzt.

Im Unterschied zum Digitalisierungs-Indikator betrachtet der Innovationsindikator die Innovationssysteme der untersuchten Länder in ihrer Gesamtheit. In den hier betrachteten Teilbereichen Wissenschaft (Rang 11), Bildung (Rang 8) oder Gesellschaft (Rang 13) schneidet Deutschland zwar besser ab, jedoch erreicht das Land auch hier international keine Top-Platzierungen. Einzig in den Bereichen Staat (Rang 8) und Wirtschaft (Rang 7) fallen die Ergebnisse besser aus.

„Deutschland muss im Innovationswettbewerb deutlich zulegen“, sagt BDI-Präsident Dieter Kempf. „Die Politik muss Investitionen in Innovationen vorantreiben und zügig die steuerliche Forschungsförderung einführen, die es fast überall in Europa bereits gibt.“ Jeder Steuereuro ziehe rund 1,25 Euro private Investitionen nach sich. „Ein Muss für Digitalisierung und Industrie 4.0 ist, den Breitbandausbau voranzutreiben und den digitalen europäischen Binnenmarkt zu verwirklichen“, fordert Kempf. „Großes Potenzial gibt es in der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung.“

Gut ausgebildete Fachkräfte, innovative Unternehmen und vergleichsweise viele Patentanmeldungen je Einwohner gehören zu den Stärken Deutschlands. Vorzüge des Bildungssystems sind die gute berufliche Ausbildung und ein hoher Anteil von Akademikern mit Spitzenqualifikationen. Rückläufig sind der Beschäftigtenanteil in wissensintensiven Dienstleistungen und der Anteil von Wagniskapitalinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt.

Neben dem digitalen Binnenmarkt und einem nationalen Kompetenz-Monitoring empfehlen acatech und BDI der Politik, das Innovationsprinzip bei neuen Gesetzen einzuführen. Erforderlich sei zudem eine neue nationale MINT-Strategie (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) mit den Schwerpunkten Qualitätssicherung, Talentförderung und Bildung in der digitalen Transformation.


Weissenberger-Eibl, Marion, Rainer Frietsch, Torben Schubert, Daniel Bachlechner, Bernd Beckert, Michael Friedewald, Christian Lerch, Christian Rammer, Michael Klein und Iris Plöger (2017). Innovationsindikator 2017. Berlin: Acatech, Bundesverband der Deutschen Industrie. http://www.innovationsindikator.de

Economic and social Impact of software and software based services

While many efforts have been made in recent years to measure the ICT (Information and Communication Technology) industry in its usage and its economic and social contribution at the national or European level, little light has been shed on the software industry in itself. This is surprising considering the fact that software and software based services are key enablers for growth and employment. As part of the possible definition of an European Software Strategy that aims at supporting the competitiveness of European software and software based services industry the Directorate-General Information Society and Media of the European Commission has launched this study.

Objectives

The objectives were

  • Evaluate the potential economic and social contribution of the EU Software and Software-based Services (SSBS) industry in Europe in the context of the emerging Internet of Services (IoS),
  • Identify the elements that are determinant for its growth and competitiveness and the main market trends,
  • Identify current barriers to the competitiveness of the EU SSBS in the context of the IoS and actions needed to remove those barriers,
  • Assess the economic and social impact of the EU SSBS industry in the context of the IoS in Europe of different policy actions to improve its competitiveness
  • Provide policy recommendations to foster market and business development at European level.

Status

Finished (April 2009 – Juli 2010)

Clients

European Commission DG Information Society and Media

Partners

  • Pierre Audoin Consultants (PAC), France
  • IDATE, France
  • London Economics, Great Britain

 Publications

Official Deliverables

Articles

  • Leimbach, Timo, and Michael Friedewald, „Assessing National Policies to Support Software in Europe“, Info: The journal of policy, regulation and strategy, Vol. 12, No. 6, 2010, pp. 40 – 55.

Potenzialanalyse „Forschung unter Schwerelosigkeit“

Ziel des Projektes war es, eine Analyse der Potenziale der „Forschung unter Schwerelosigkeit“ (FUS) für die Wissenschaft und die Wirtschaft auszuarbeiten. Dabei sollte auch der Frage nachgegangen werden, wie die FUS mit den terrestrischen Mutterdisziplinen vernetzt ist und von diesen wahrgenommen wird. Als methodischer Ansatz wurde eine Kombination aus einer quantitativen Breitenanalyse mit Hilfe von Wissenschafts- und Technikindikatoren mit einer qualitativen, im Wesentlichen auf Experteninterviews beruhenden Vertiefungsanalyse gewählt. Dabei wurden leitfadengestützte Interviews mit 70 Experten in Deutschland, anderen europäischen Ländern und den USA durchgeführt.

Insgesamt stellt die FUS in der Wissenschaft mit einem Anteil von unter 1% an allen Publikationen des Science Citation Index einen eher kleinen Bereich dar und ist diesbezüglich beispielsweise mit Publikationen zur Synchrotronstrahlung vergleichbar. Die Bedeutung der FUS in der Wissenschaft hat gemessen am Publikationsaufkommen in den 90er-Jahren deutlich zugenommen. Das Publikationsaufkommen wird durch die USA dominiert, gefolgt von Europa und, mit deutlichem Abstand, Japan. Innerhalb Europas kommen die meisten Publikationen aus Deutschland und Frankreich. Insgesamt hat die Potenzialanalyse gezeigt, dass die FUS wichtige wissenschaftliche Beiträge zu den terrestrischen „Mutterdisziplinen“ Medizin, Biologie, Physik und Materialwissenschaften leisten kann. Ihre Potenziale liegen dabei vor allem im Grundlagenbereich, wo FUS eine wesentliche Erweiterung der experimentellen Möglichkeiten bietet. Potenziale der FUS für die wirtschaftliche Nutzung im Sinne der Entwicklung von Anwendungen aus ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen sind dagegen kurz- und mittelfristig eher begrenzt. Längerfristig sollte sich jedoch auch aus der FUS wirtschaftlicher Nutzen ergeben, wie dies auch bei anderen grundlagenorientierten Forschungsfeldern beobachtet wird.

Als entscheidend für die Realisierung der Potenziale der FUS erachten wir die Entwicklung eines neuen konzeptionellen Verständnisses: FUS sollte nicht per se als eigenständige Disziplin betrieben werden, sondern sich an der Frage ausrichten, zu welchen Themenfeldern aus den Mutterdisziplinen durch FUS ein Beitrag geleistet werden kann. Somit ergeben sich für die künftige Gestaltung der FUS vor allem zwei Ziele: 1. Weiterführung und Verstärkung der Integration und Vernetzung mit den Mutterdisziplinen. 2. Öffnung für eine möglichst breite Scientific Community.

Status

Abgeschlossenes Projekt (07/2001)

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Publikationen

Reiß, Thomas, Susanne Bührer, Qi Chen, Michael Friedewald, Sybille Hinze, and Gerhard Jaeckel, „Potenzialanalyse Forschung unter Schwerelosigkeit“, Bericht an das Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat 622: Raumfahrt. ISI, Karlsruhe, 2001.

Analyse und Evaluation der Software-Entwicklung in Deutschland

Aufgabenstellung

Anlass für die Bestandsaufnahme der Softwareentwicklung in Deutschland war die Tatsache, dass sich der Markt für Softwaretechnologie und softwarebezogene Dienstleistungen weltweit zunehmend zu einem wirtschaftlichen Schlüsselbereich entwickelt. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Softwareunternehmen im engeren Sinne (primäre Softwarebranche, Primärbranche), sondern immer mehr auch Unternehmen aus unterschiedlichen Anwendungsbranchen (sekundäre Softwarebranchen, Sekundärbranchen), für die Software zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Produkte und zur Grundlage der von ihnen angebotenen Dienstleistungen geworden ist. Insbesondere zur Situation der Sekundärbranchen gab es bislang so gut wie keine aktuellen Marktdaten. Die Primärbrache umfasst in der hier verwendeten Definition neben Softwarehäusern auch DV-Dienstleister und Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und -einrichtungen. Zu den in der Studie betrachteten Sekundärbranchen zählen die Bereiche Maschinenbau, Elektrotechnik, Fahrzeugbau, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen. Damit werden exemplarisch Branchen innerhalb des produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors mit einem besonders hohen Anteil an Softwareentwicklung abgedeckt. Methodisch kam eine Kombination repräsentativer telefonischer Befragungen und Experteninterviews zur qualitativen Vertiefung zum Einsatz. Im Rahmen der telefonischen Befragung wurden Gespräche mit Vertretern aus repräsentativ ausgewählten Unternehmen der Primärbranche (n = 249 Unternehmen) und der Sekundärbranchen (n = 671 Unternehmen) durchgeführt. Die Zielpersonen in den Unternehmen waren in der Regel die Leiter der Softwareentwicklung, bei kleineren Unternehmen auch die Inhaber oder Geschäftsführer. Expertengespräche wurden in 55 softwareentwickelnden Unternehmen durchgeführt. Aus den verschiedenen Branchen wurden sowohl kleine, junge als auch profilbestimmende und marktführende Unternehmen ausgewählt. Ziel dieser Expertengespräche war es, einen tieferen Einblick in die Praxis der industriellen Softwareentwicklung zu gewinnen. Die Interviews wurden anhand eines Gesprächsleitfadens geführt, der die Softwareproduktion im Unternehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Dabei ging es insbesondere um den Umfang der Softwareprodukion, die Produktionsprozesse, die Bedeutung von Software für Wettbewerb und Innovation sowie um den künftigen Personalbedarf und die Anforderungen an die Mitarbeiterqualifikation.

Ergebnisse

Die Studie zeigt, dass Software und Softwareentwicklung für nahezu alle Produkte und Prozesse quer durch alle Branchen der deutschen Volkswirtschaft zunehmend zum wettbewerbsbestimmenden Faktor wird. Es liegt jetzt Grundlagen- und Orientierungswissen vor, das Wirtschaft und Staat fundierte Entscheidungen zur Forschung, Entwicklung und Ausbildung auf dem Gebiet der Software ermöglicht. In der Informationstechnik-Branche entwickeln mehr als 10.500 Unternehmen Software. In den 5 untersuchten Sekundärbranchen sind es bereits mehr als 8.600 Unternehmen. Dabei erzielen in der Primärbranche knapp die Hälfte aller Unternehmen mehr als 75 % ihres Umsatzes durch Softwareentwicklung. In den Sekundärbranchen entfallen durchschnittlich schon 15 % der Neuentwicklungskosten auf Software, wobei die Branchen Elektrotechnik und die Telekommunikation überdurchschnittlich softwareintensiv sind. Es gibt in der Primärbranche eine enorme Gründungsdynamik, 67 % der Unternehmen wurden nach 1990 gegründet. In den Sekundärbranchen spiegelt sich die traditionelle Stärke der deutschen Wirtschaft in ingenieurmäßigen Individuallösungen wider, die zunehmend auf innovativen Softwareentwicklungen beruhen. Der Trend zur Auslagerung der Softwareentwicklung besteht nach wie vor. Der Wettbewerb wird zunehmend über software-veredelte Funktionen der Produkte oder Dienstleistungen entschieden. Die Untersuchung belegt das momentane Defizit an Fachkräften, das für viele der befragten Unternehmen bei der Softwareentwicklung ein besonders dringliches Problem darstellt. Durch altersbedingte Fluktuation und weiteren Zusatzbedarf wird zukünftig sogar noch mit einer Verschärfung dieser Situation gerechnet. Voraussetzung für die Schaffung neuer Arbeitsplätze in Deutschland ist eine verstärkte Ausbildung sowie der Ausbau von softwaretechnologischer Kompetenz zur Entwicklung und zum Einsatz von Software-Produkten, softwaregestützten Prozessen und Dienstleistungen. Zuverlässigkeit und Funktionalität sind aus Sicht der Unternehmen die wichtigsten Qualitätseigenschaften von Software. Bisher ist aber die ingenieurmäßige Entwicklung qualitativ hochwertiger Software in Deutschland noch zu gering verbreitet. Die Bedeutung der Softwareentwicklung spiegelt sich außerdem noch nicht ausreichend in den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Unternehmen wider. Als Forschungsziele werden in der Untersuchung u. a. die Erarbeitung von wissenschaftlichen Grundlagen für die Softwaretechnik als Ingenieurdisziplin, verbesserte softwaretechnologische Prozesse, Methoden und Werkzeuge sowie das Bereitstellen und Experimentieren mit innovativen Methoden und Anwendungsfeldern mit hohen softwaretechnologischen Anforderungen.

Status

abgeschlossen 2000

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Partner

  • Gesellschaft für Konsumforschung, Nürnberg
  • Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering, Kaiserslautern

Publikationen

Bericht

  • Stahl, Petra, H. Dieter Rombach, Michael  Friedewald, Robert Wucher, Susanne Hartkopf, Kirstin Kohler, Simone Kimpeler, Peter Zoche, Manfred Broy, and Ingolf Krüger, „Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland„, Endbericht an das Bundesministerium für Bildung und Forschung. GfK Marktforschung, Nürnberg, 2000. https://www.iese.fraunhofer.de/content/dam/iese/de/documents/Softwareentwicklung_Deutschland_Evasoft_tcm122-7431.pdf.

Artikel

  • Friedewald, Michael, H. Dieter Rombach, Petra Stahl, Manfred Broy, Susanne Hartkopf, Simone Kimpeler, Kirstin Kohler, Robert Wucher, and Peter Zoche, „Softwareentwicklung in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme“, Informatik Spektrum, Vol. 24, No. 2, 2001, pp. 81-90.
  • Friedewald, Michael, Knut Blind, and Jakob Edler, „Das Innovationsverhalten der deutschen Softwareindustrie“, Wirtschaftsinformatik, Vol. 44, No. 2, 2002, pp. 155-161.
  • Friedewald, Michael, „Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland“, IT-Personal / IT-Training, Vol. 218, 2001.
  • Friedewald, Michael, H. Dieter Rombach, Petra Stahl, Manfred Broy, Susanne Hartkopf, Simone Kimpeler, Kirstin Kohler, Robert Wucher, and Peter Zoche, „Softwareentwicklung in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme“, Informatik Spektrum, Vol. 24, No. 2, 2001, pp. 81-90.