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Technische und rechtliche Anwendungsmöglichkeiten einer verpflichtenden Kennzeichnung des Leerlaufverbrauchs strombetriebener Haushalts- und Bürogeräte

Aufgabenstellung

In Deutschland entfiel im Jahr 2001 ein Anteil von 18 % des Stromverbrauchs elektrischer Geräte auf Leerlaufverluste. Damit es nicht zu einem weiteren Anstieg dieses unnötigen Stromverbrauchs kommt, sind energiepolitische Maßnahmen erforderlich. Für den Fall, dass bereits laufende Instrumente wie freiwillige Labels oder Vereinbarungen mit den Herstellern nicht genügend greifen, ließ das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit prüfen, unter welchen technischen, rechtlichen und umsetzungsrelevanten Bedingungen eine verpflichtende Kennzeichnung des Leerlaufverbrauchs von Geräten möglich und im Sinne der Zielsetzung einer Senkung des Leerlaufverbrauchs Erfolg versprechend ist. Zunächst wurden dafür die Einsparpotenziale der verschiedenen Gerätearten im Hinblick auf den Energieverbrauch im Leerlaufzustand bis zum Jahr 2015 abgeschätzt. Dabei wurden vorliegende Daten über den Gerätebestand und dessen Strombedarf aktualisiert. Auf dieser Basis wurde eine Auswahl der für eine Kennzeichnung relevanten Gerätekategorien getroffen. Trotz einer Vielzahl von Randbedingungen technischer, rechtlicher und organisatorischer Art, die zu berücksichtigen wären, hat diese Studie gezeigt, dass bei einem Großteil der untersuchten Geräte durch eine einfach zu gestaltende Kennzeichnung der Leerlaufleistung erhebliche Energieeinsparungen erzielt werden könnten.

Auftraggeber

Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit

Partner

  • Technische Universität Dresden
  • Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE), München

Publikationen

  • Schlomann, Barbara, Clemens Cremer, Michael Friedewald, Peter Georgieff, Edelgard Gruber, Roger Corradini, Dietmar Kraus, Ulli Arndt, Wolfgang Mauch, Helmut Schaefer, Martin Schulte, and Rainer Schröder, “Technische und rechtliche Anwendungsmöglichkeiten einer verpflichtenden Kennzeichnung des Leerlaufverbrauchs strombetriebener Haushalts- und Bürogeräte”, Bericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit. Fraunhofer ISI, Karlsruhe, 2005.

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Benchmarking nationaler und regionaler Politiken zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des IKT-Sektors in der EU

Da der IKT-Sektor weiterhin einer der wichtigsten Treiber für das wirtschaftliche Wachstum und Produktivität sowie bei der Schaffung von Arbeitsplätzen darstellt, wurde im Auftrag der Europäischen Kommission ein Benchmarking nationaler und regionaler Politiken zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des IKT-Sektors in der EU durchgeführt. Hauptziel der Studie war die Erweiterung der Wissensbasis über erfolgreiche Politikmaßnahmen in Europa, die für die Förderung der Wettbewerbsfähkeit des IKT-Sektor Vorbildcharakter haben können.

Im Rahmen der Studie wurden aktuelle Regierungspraktiken zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des IKT-Sektors in der EU identifiziert und anhand vordefinierter Benchmarking-Kriterien bewertet. Es wurden insgesamt elf beispielhafter Politiken zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des IKT-Sektors ausgewählt und genauer analysiert. Schließlich wurden Empfehlungen für Schwerpunktsetzungen und die Gestaltung von Politikmaßnahmen abgeleitet.

Der Endbericht wurde im Rahmen eines High-Level Workshops am 12. November 2004 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ergebnisse dienen der Kommission als Ausgangspunkt für eine detailliertere Analyse der Wettbewerbsfähigkeit des IKT-Sektor in Europa.

Status

Abgeschlossenes Projekt (01/2004 – 07/2004)

Auftraggeber

Europäische Kommission, Generaldirektion Unternehmen, Unit D4

Partner

  • Netherlands Organisation for Applied Scientific Research, Institute for Strategy, Technology and Policy (TNO-STB)
  • Louis Lengrand & Associates (LL&A)

Publikationen

Buch

Friedewald, Michael, Richard W. Hawkins, Isabelle Chatrie, Simone Kimpeler, Louis Lengrand, Martijn Poel, and Julie Rachidy, Benchmarking national and regional policies in support of the competitiveness of the ICT sector in the EU, Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart, 2005.

Deliverables

Friedewald, Michael, Simone Kimpeler, Richard W. Hawkins, Martijn Poel, Louis Lengrand, Isabelle Chatrie, and Julie Rachidy, “Benchmarking national and regional policies in support of the competitiveness of the ICT sector in the EU”, Final Report prepared for European Commission, Directorate-General Enterprises, D4 ISI, Karlsruhe, 2004. http://europa.eu.int/comm/enterprise/ict/policy/doc/ict-pol-finrep.pdf

Friedewald, Michael, Simone Kimpeler, Richard W. Hawkins, Martijn Poel, Louis Lengrand, Isabelle Chatrie, and Julie Rachidy, “Benchmarking national and regional policies in support of the competitiveness of the ict sector in the EU. Annex: Country reports”, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, 2004. http://europa.eu.int/comm/enterprise/ict/policy/doc/ict-pol-annex.pdf

Artikel

Friedewald, Michael, Richard W. Hawkins, and Simone Kimpeler, “Assessing European national policies to support the competitiveness of information and communication technology producers”, Info: The journal of policy, regulation and strategy, Vol. 8, No. 5, 2006, pp. 23-36.

Wechselseitiges Verhältnis hochbitratiger Funknetze in künftigen Telekommunikationsmärkten

Hintergrund der Studie war die Einführung unterschiedlicher hochbitratiger Funknetztechnologien, namentlich des Mobilfunks der dritten Generation (UMTS), drahtloser lokaler Netze (WLAN) und des digitalen terrestrischen Rundfunks (DVB-T) in den Jahren 2002/03. Flankierend treten Konvergenzentwicklungen sowohl auf Netz-, Endgeräte- und Diensteebene, aber auch auf Ebene der betroffenen Märkte selbst hinzu. Die Studie geht insoweit von einer Verschiebung der Wertschöpfung von der reinen Übertragung zu Diensten und Inhalten aus. Dabei wird insbesondere ein Bedeutungsgewinn von Informations- und Unterhaltungsdiensten erwartet. Aufgrund unterschiedlicher Anforderungen sei jedoch die Wahl der adäquaten Übertragungstechnik der entscheidende Erfolgsfaktor für künftige mobile Telekommunikationsdienste.

Ein erhebliches praktisches Problem identifziert die Studie im Bereich der Endgeräte für mobile Dienste. Hier fehle es sowohl für UMTS- als auch für WLAN-Anwendungen an ausgereiften und bedienungsfreundlichen Endgeräten. Die Vielzahl höchst unterschiedlicher Endgeräte führe überdies zu einem erhöhten Entwicklungsaufwand für Diensteanbieter. Andererseits könne aber die gezielte Entwicklung zielgruppenspezifischer Endgeräte die Nutzung neuer Dienste fördern. Insoweit komme dem Einsatz standardisierter Betriebssysteme und Softwareplattformen entscheidende Bedeutung zu.

Insgesamt wird UMTS die dominante Übertragungstechnologie für den Massenmarkt der Mobilkommunikation werden (bzw. mit Blick auf die Weiterentwicklung von GSM: bleiben). Bei WLAN werden als zentrale Probleme der Sicherheitsaspekt und das Roaming zwischen verschiedenen WLAN-Netzen sowie damit in Verbindung stehend ein insuffizienter Standardisierungsgrad identifiziert. WLAN hat sich vor allem als auf die Bedürfnisse von Geschäftskunden zugeschnittene Zugangstechnologie zum Internet positioniert, wohingegen eine Ausweitung dieses Marktes in Richtung auf Privatkunden derzeit nur in Ansätzen erkennbar ist. Mit Blick auf WiMAX ist angesichts der technischen Eigenschaften und des Entwicklungsstandes vorerst nicht davon auszugehen, dass diese Technologie bald viele andere Netze überflüssig machen dürfte. DVB-T, schließlich, ist vor allem auf die Anforderungen des digitalen Fernsehens zugeschnitten und stellt daher nur in engen Grenzen eine Konkurrenz zu UMTS und WLAN dar. Auch begrenzt die regulatorische Zersplitterung und die auf absehbare Zeit fehlende Flächendeckung eine Verbreitung, die Voraussetzung für eine entsprechende Konkurrenzstellung wäre.

Angesichts der existierenden Technologievielfalt müssen neue Informations- und Kommunikationsdienste auf der Basis unterschiedlicher Netztechnologien funktionieren. Offene Plattformen für Mehrwertdienste gewinnen daher eine zentrale Bedeutung.

Status

Abgeschlossenes Projekt (08/2003 – 03/2004)

Auftraggeber

Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA)

Partner

Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme (FOKUS)

Publikation

Friedewald, Michael, Peter Zoche, Karsten Knüttel, Thomas Magedanz, Ilona Schubert, Davider Pal Singh, Jens Tiemann, and Peter Weik, “Wechselseitiges Verhältnis hochbitratiger Funknetze in künftigen Telekommunikationsmärkten”, Bericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Fraunhofer ISI, Fraunhofer FOKUS, Karlsruhe, Berlin, 2004.

AmI@Life – Roadmapping Ambient Intelligence in Everyday Life

The concept of Ambient Intelligence (AmI) provides a vision of the Information Society where the emphasis is on user-friendliness, efficient and distributed services support, user-empowerment, and support for human interactions. People are surrounded by intelligent intuitive interfaces that are embedded in all kinds of objects and an environment that is capable of recognizing and responding to the presence of different individuals in a seamless, unobtrusive and often invisible way. This vision of AmI places the user at the centre of future development. Technologies will be designed for people rather than making people adapt to technologies.

The objective of this roadmapping project was to understand how different Ambient Intelligence technologies might affect digital divides and to depict scenarios that enable us to think about them in a dynamic, flexible and prospective way. It was therefore not the aim to provide concrete solutions to digital divide problems. It was neither only about technologies that are user-friendly. The project rather raised the potential of full IST integration in our everyday lives, taking into account the key socio-cultural, economical and technological issues affecting trusted and universal access to AmI@Life.

Status

Completed project (2002-2003)

Client

  • 5th Framework Programme
  • European Commission, Institute for Prospective Technology Studies (IPTS)
  • European Science and Technology Obersatory (ESTO)

Partners

  • TNO-STB, Delft, NL
  • VTT Electronics, VTT Building and Transport, Oulu, FIN
  • Fondazione Rosselli, Milan, IT
  • ENEA, Rome, IT

Publications

  • Friedewald, Michael, and Olivier Da Costa, “Science and Technology Roadmapping: Ambient Intelligence in Everyday Life (AmI@Life)”, Institute for Prospective Technology Studies, Seville, 2003.
  • Da Costa, Olivier, Mark Boden, and Michael Friedewald, “Science and Technology Roadmapping for Policy Intelligence: Lessons for Future Projects”, in Martin Potůček, and Barbara Slintáková (eds.), The Second Prague Workshop on Futures Studies Methodology, CESES FSV UK, Prague, 2005, pp. 146-161.
  • Friedewald, Michael, Olivier Da Costa, Yves Punie, Petteri Alahuhta, and Sirkka Heinonen, “Perspectives of Ambient Intelligence in the Home Environment”, Telematics and Informatics, Vol. 22, No. 3, 2005, pp. 221-238.
  • Da Costa, Olivier, and Michael Friedewald, “Ambient Intelligence 2020”, in Susanne Giesecke, Patrick Crehan, and Stephan Elkins (eds.), The European Foresight Monitoring Network: Collection of EFMN Briefs, Part 1, Office for Official Publications of the European Communities Luxembourg, 2008, pp. 343-345.

Der Einfluss moderner Gerätegenerationen der Informations- und Kommunikationstechnik auf den Energieverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2010 – Möglichkeiten zur Erhöhung der Energieeffizienz und zur Energieeinsparung in diesen Bereichen

Aufgabenstellung

Der Energiebedarf für Information und Kommunikation wird für 1999 noch auf knapp 1,5 % des Endenergieverbrauchs geschätzt. Unstrittig ist jedoch, dass der Bedarf an Informations- und Kommunikationsdienstleistungen zunehmen wird und damit voraussichtlich auch der damit verbundene Energiebedarf. Vor diesem Hintergrund war es Zielsetzung dieser Untersuchung,

  • den direkten und indirekten Einfluss moderner Geräte, Systeme und Dienstleistungen der Informations- und Kommunikationstechnik auf den Energieverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2010 qualitativ und quantitativ zu analysieren
  • ein “Frühwarnsystem” zu entwickeln, das frühzeitig auf die Gefahr zunehmenden Stromverbrauchs bzw. die Chancen rationeller Energieverwendung bzw. die Substitution von Anwendungen hinweist, sowie
  • auf dieser Grundlage konkrete Vorschläge für die Energiepolitik auf nationaler und auf EU-Ebene zu machen

Ergebnisse

Für das Jahr 2001 wurde in dieser Untersuchung ein den IuK-Endgeräten in Haushalten und Büros und der zugehörigen Infrastruktur zuzurechnender Strombedarf in Höhe von 37,3 TWh ermittelt. Dies entspricht einem Anteil von knapp 8 % am gesamten Stromverbrauch der Endverbrauchssektoren in Deutschland. Rund 50 % des Strombedarfs entfallen dabei auf die Haushalts-Endgeräte, weitere gut 20 % auf die Büro-Endgeräte, der Rest auf die gebäudeinterne Infrastruktur in Haushalten (9 %) und Büros (14 %) sowie die Infrastruktur der Telekommunikationsunternehmen mit 6 %.

Bis 2010 wird mit einem deutlichen Anstieg des Strombedarfs um 40 % auf 52,2 TWh gerechnet. Dieser Anstieg wird verursacht von einer zunehmenden Bedeutung der IuK-Infrastruktur, insbesondere im Büro- und Telekommunikationsbereich und geht einher mit einem rückläufigen Anteil der IuK-Endgeräte (auf 42 % im Haushalts- und 14 % im Bürobereich).

Für den Schein-Aus-Zustand besteht die technische Möglichkeit, den hier anfallenden Strombedarf, der im Jahr 2010 immerhin noch 2 TWh ausmacht, durch technische Möglichkeiten völlig zu vermeiden. Das durch eine weitere Erhöhung der Energieeffizienz im Bereitschaftsbetrieb erzielbare Einsparpotenzial wird im Jahr 2010 auf ca. 3,2 TWh pro Jahr geschätzt. Davon entfallen rund drei Viertel auf den Bereich der Haushalts-Endgeräte, der Rest etwa gleich verteilt auf Büro-Endgeräte und die Haushalts-Infrastruktur. Die größten Einsparpotenziale im Normalbetrieb bestehen bei Fernsehern, Servern, PCs und Monitoren sowie der Mobilfunk-Infrastruktur und der Internet- und Telefoninfrastruktur in Haushalten. 

Partner

Centre for Energy Policy and Economics (CEPE), Zürich

 Veröffentlichungen

Bericht

  • Cremer, Clemens, Wolfgang Eichhammer, Michael Friedewald, Peter Georgieff, Stefan Rieth-Hoerst, Barbara Schlomann, Peter Zoche, Bernard Aebischer, and Alois Huser, “Der Einfluss moderner Gerätegenerationen der Informations- und Kommunikationstechnik auf den Energieverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2010 – Möglichkeiten zur Erhöhung der Energieeffizienz und zur Energieeinsparung in diesen Bereichen”, Bericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ISI, Karlsruhe, 2003.

Artikel und Tagungsbeiträge

  • Cremer, Clemens , Barbara Schlomann, and Michael Friedewald, “The impact of information and communication technologies on the electricity consumption in Germany”, in Sophie Attali, Eliane Métreau, Mélisande Prône, and Kenya Tillerson (eds.), Time to Turn down Energy Demand – Energy intelligent Solutions for Climate, Security and Sustainable Development. Proceedings of the ECEEE 2003 Summer Study, St. Raphaël, Côte d’Azur, France. 2-7 June 2003, European Council for an Energy-Efficient Economy, Paris, 2003, pp. 455-466.
  • Cremer, Clemens, Michael  Friedewald, Barbara Schlomann, and Alois Huser, “Future Impact of Digital TV Services and Broadband Internet Connections on Residential Energy Consumption”, in  Paolo Bertoldi, Flavio Conti, and Roberto Pagani (eds.), Energy Efficiency in Domestic Appliances and Lighting: Proceedings of the 3rd International Conference on Energy Efficiency in Domestic Appliances and Lighting (EEDAL’03), 1-3 October 2003, Turin, Italy, Softech, Turin, 2004, pp. 303-308.

Software-Patente

Studie 1: Mikro- und makroökonomische Implikationen der Patentierbarkeit von Softwareinnovationen: Geistige Eigentumsrechte in der Informationstechnik im Spannungsfeld von Wettbewerb und Innovation (2001)

Studie 2: Geistige Eigentumsrechte in der Informationsgesellschaft: Eine Analyse der Rolle gewerblicher Schutzrechte bei Gründung und Markteintritt sowie für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Softwareunternehmen anhand unternehmens- und softwaretypenbezogener Fallstudien (2002-03)

Aufgabenstellung

Im Oktober 2000 hat die Europäische Kommission eine Sondierung zur Patentierbarkeit softwarebezogener Erfindungen eingeleitet. Gegenwärtig beraten die Mitgliedstaaten des Europäischen Patentübereinkommens beim Europäischen Patentamt darüber, ob die diesbezügliche Einschränkung für die Patentierung aus dem Patentübereinkommen gestrichen werden soll. Hintergrund dieser Diskussionen ist die Befürchtung, dass das Fehlen EU-weit einheitlicher Rechtsvorschriften die Wettbewerbsfähigkeit und das Wirtschaftswachstum der Europäischen Union hemmen könnte. Die Kontroverse entzündet sich daran, dass zum Teil die Auffassung vertreten wird, Patente für Computersoftware könnten ähnlich wie in anderen Technologiefeldern Innovationen fördern, da sie den jeweiligen Eigentümern einen angemessenen Schutz bieten können, so dass größere Anreize für weitere Investitionen in die Entwicklung leistungsfähiger Software entstehen. Die Gegenposition, die vor allem aus der Open-Source-Szene heraus formuliert wird, beruft sich darauf, dass Patente den fairen Wettbewerb durch eine leichtere Monopolbildung untergraben und gerade dadurch Innovationen verhindern könnten. Unabhängig von den Positionen der Grundsatzdebatte ist die gegenwärtige Rechtslage unbefriedigend, weil es an Klarheit und Rechtssicherheit auf dem Gebiet der Patentierung software-basierter Erfindungen mangelt. “Programme für Datenverarbeitungsanlagen”, also Computerprogramme sind als solche, d.h. losgelöst von ihrer technischen Basis, keine patentfähigen Erfindungen. Jedoch haben sowohl die nationalen Patentämter in Europa als auch das Europäische Patentamt Patente für technische Erfindungen erteilt, bei denen ein Computerprogramm verwendet wird. In den Vereinigten Staaten ist Softwarepatentierung leichter möglich. Es existiert sogar eine eigene Patentklasse für Softwaregestützte Geschäftsmodelle, die seit Mitte der neunziger Jahre einen starken Anstieg an Patenterteilungen erfahren hat, wobei die Patenterteilungen an europäische Firmen sich nicht über ein unbedeutendes Niveau hinaus entwickelt haben. Vor dem Hintergrund der rechtlichen Unsicherheiten, der ökonomischen Kontroverse und der europäischen Befürchtung, in der Software-Industrie an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten zu verlieren, ist es Ziel des vorgeschlagenen Forschungsvorhabens, die mikro- und makroökonomischen Implikationen der Patentierung von Software zu analysieren und Empfehlungen für zukünftige wirtschafts- und rechtspolitische Initiativen der Bundesregierung im Bereich der Software-Innovationen zu formulieren. Im Mai 2000 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bereits einen ersten Workhop dazu veranstaltet. Empirischer Kern der Studie ist eine bislang einmalige Primärerhebung in Deutschland. Zielgruppe sind Unternehmen im Sektor Softwareentwicklung bzw. Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, die eigene Softwareentwicklung betreiben sowie sonstige Softwareentwickler.

Status

abgeschlossen 2001

Auftraggeber

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Partner

  • Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Patent-, Urheber und Wettbewerbsrecht
  • Fraunhofer Patentstelle für die Deutsche Forschung.

Publikationen

Bücher

  • Blind, Knut, Jakob Edler, Ralph Nack, Joseph Straus, Michael Friedewald, Rainer Frietsch, and Wolfgang Knappe, Software-Patente: Eine empirische Analyse aus ökonomischer und juristischer Perspektive, Physica, Heidelberg, 2003.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, Software Patents: An Empirical Analysis from an Economic Perspective, Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart, 2004.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, Software Patents: Economic Impacts and Policy Implications, Edward Elgar, Cheltenham, 2005.

Berichte

  • Blind, Knut, Jakob Edler, Michael Friedewald, Joseph Straus, and Ralph Nack, “Mikro- und makroökonomische Implikationen der Patentierbarkeit von Softwareinnovationen: Geistige Eigentumsrechte in der Informationstechnik im Spannungsfeld von Wettbewerb und Innovation”, Endbericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ISI, Karlsruhe, 2001.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, “Geistige Eigentumsrechte in der Informationsgesellschaft: Eine Analyse der Rolle gewerblicher Schutzrechte bei Gründung und Markteintritt sowie  für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Softwareunternehmen anhand unternehmens- und softwaretypenbezogener Fallstudien”, Endbericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ISI, Karlsruhe, 2003.

Artikel

  • Friedewald, Michael, Knut Blind, and Jakob Edler, “Innovation und intellektuelles Eigentum: Wer nutzt und wem nützen Softwarepatente?”, PIK – Praxis der Informationsverarbeitung und Kommunikation, Vol. 26, No. 2, 2003, pp. 102-109.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, “Wer braucht eigentlich Software-Patente? Ergebnisse einer empirischen Untersuchung”, in Kurt Bauknecht, Wilfried Brauer, and Thomas A. Mück (eds.), Informatik 2001: Wirtschaft und Wissenschaft in der Network Economy – Visionen und Wirklichkeit, Österreichische Computer Gesellschaft, Wien, 2001, pp. 1046-1053.
  • Blind, Knut, and Jakob Edler, “Micro- and Macrooeconomic Implications of the Patentability of Software Innovations. Intellectual Property Rights in Information Technologies between Competition and Innovation”, in), International Forum “Protection of Computer-Related and Business Model Inventions” 21 and 22 November 2002, European Patent Office, Munich, EPO International Academy, Munich, 2003, pp. 207-214.
  • Blind, Knut, and Jakob Edler, “Idiosyncrasies of the Software Development Process and Their Relation to Software Patents: Theoretical Considerations and Empirical Evidence”, Netnomics, Vol. 5, No. 1, 2003, pp. 71-96.
  • Blind, Knut, “Interoperability of Software: Demand and Solutions”, in Hervé Panetto (ed.), Interoperability of Enterprise Software and Applications: Workshops of the INTEROP-ESA International Conference EI2N, WSI, ISIDI and IEHENA 2005, February 22nd, 2005 – Geneva, Switzerland, Hermes Science, London, 2005, pp. 199-210.
  • Blind, Knut, Jakob Edler, and Michael Friedewald, “Software Patents: Additional Insights from Case Studies”, in), 5th EPIP Conference European Policy for Intellectual Property, Roskilde University, Copenhagen, Denmark, 10th – 11th March 2005.
  • Blind, Knut, “Intellectual Property in Software Development: Trends, Strategies and Problems”, Review of Economic Research on Copyright Issues, Vol. 4, No. 1, 2007, pp. 15-25. http://ssrn.com/abstract=997190

Potenzialanalyse “Forschung unter Schwerelosigkeit”

Ziel des Projektes war es, eine Analyse der Potenziale der “Forschung unter Schwerelosigkeit” (FUS) für die Wissenschaft und die Wirtschaft auszuarbeiten. Dabei sollte auch der Frage nachgegangen werden, wie die FUS mit den terrestrischen Mutterdisziplinen vernetzt ist und von diesen wahrgenommen wird. Als methodischer Ansatz wurde eine Kombination aus einer quantitativen Breitenanalyse mit Hilfe von Wissenschafts- und Technikindikatoren mit einer qualitativen, im Wesentlichen auf Experteninterviews beruhenden Vertiefungsanalyse gewählt. Dabei wurden leitfadengestützte Interviews mit 70 Experten in Deutschland, anderen europäischen Ländern und den USA durchgeführt.

Insgesamt stellt die FUS in der Wissenschaft mit einem Anteil von unter 1% an allen Publikationen des Science Citation Index einen eher kleinen Bereich dar und ist diesbezüglich beispielsweise mit Publikationen zur Synchrotronstrahlung vergleichbar. Die Bedeutung der FUS in der Wissenschaft hat gemessen am Publikationsaufkommen in den 90er-Jahren deutlich zugenommen. Das Publikationsaufkommen wird durch die USA dominiert, gefolgt von Europa und, mit deutlichem Abstand, Japan. Innerhalb Europas kommen die meisten Publikationen aus Deutschland und Frankreich. Insgesamt hat die Potenzialanalyse gezeigt, dass die FUS wichtige wissenschaftliche Beiträge zu den terrestrischen “Mutterdisziplinen” Medizin, Biologie, Physik und Materialwissenschaften leisten kann. Ihre Potenziale liegen dabei vor allem im Grundlagenbereich, wo FUS eine wesentliche Erweiterung der experimentellen Möglichkeiten bietet. Potenziale der FUS für die wirtschaftliche Nutzung im Sinne der Entwicklung von Anwendungen aus ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen sind dagegen kurz- und mittelfristig eher begrenzt. Längerfristig sollte sich jedoch auch aus der FUS wirtschaftlicher Nutzen ergeben, wie dies auch bei anderen grundlagenorientierten Forschungsfeldern beobachtet wird.

Als entscheidend für die Realisierung der Potenziale der FUS erachten wir die Entwicklung eines neuen konzeptionellen Verständnisses: FUS sollte nicht per se als eigenständige Disziplin betrieben werden, sondern sich an der Frage ausrichten, zu welchen Themenfeldern aus den Mutterdisziplinen durch FUS ein Beitrag geleistet werden kann. Somit ergeben sich für die künftige Gestaltung der FUS vor allem zwei Ziele: 1. Weiterführung und Verstärkung der Integration und Vernetzung mit den Mutterdisziplinen. 2. Öffnung für eine möglichst breite Scientific Community.

Status

Abgeschlossenes Projekt (07/2001)

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Publikationen

Reiß, Thomas, Susanne Bührer, Qi Chen, Michael Friedewald, Sybille Hinze, and Gerhard Jaeckel, “Potenzialanalyse Forschung unter Schwerelosigkeit”, Bericht an das Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat 622: Raumfahrt. ISI, Karlsruhe, 2001.

Analyse und Evaluation der Software-Entwicklung in Deutschland

Aufgabenstellung

Anlass für die Bestandsaufnahme der Softwareentwicklung in Deutschland war die Tatsache, dass sich der Markt für Softwaretechnologie und softwarebezogene Dienstleistungen weltweit zunehmend zu einem wirtschaftlichen Schlüsselbereich entwickelt. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Softwareunternehmen im engeren Sinne (primäre Softwarebranche, Primärbranche), sondern immer mehr auch Unternehmen aus unterschiedlichen Anwendungsbranchen (sekundäre Softwarebranchen, Sekundärbranchen), für die Software zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Produkte und zur Grundlage der von ihnen angebotenen Dienstleistungen geworden ist. Insbesondere zur Situation der Sekundärbranchen gab es bislang so gut wie keine aktuellen Marktdaten. Die Primärbrache umfasst in der hier verwendeten Definition neben Softwarehäusern auch DV-Dienstleister und Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und -einrichtungen. Zu den in der Studie betrachteten Sekundärbranchen zählen die Bereiche Maschinenbau, Elektrotechnik, Fahrzeugbau, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen. Damit werden exemplarisch Branchen innerhalb des produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors mit einem besonders hohen Anteil an Softwareentwicklung abgedeckt. Methodisch kam eine Kombination repräsentativer telefonischer Befragungen und Experteninterviews zur qualitativen Vertiefung zum Einsatz. Im Rahmen der telefonischen Befragung wurden Gespräche mit Vertretern aus repräsentativ ausgewählten Unternehmen der Primärbranche (n = 249 Unternehmen) und der Sekundärbranchen (n = 671 Unternehmen) durchgeführt. Die Zielpersonen in den Unternehmen waren in der Regel die Leiter der Softwareentwicklung, bei kleineren Unternehmen auch die Inhaber oder Geschäftsführer. Expertengespräche wurden in 55 softwareentwickelnden Unternehmen durchgeführt. Aus den verschiedenen Branchen wurden sowohl kleine, junge als auch profilbestimmende und marktführende Unternehmen ausgewählt. Ziel dieser Expertengespräche war es, einen tieferen Einblick in die Praxis der industriellen Softwareentwicklung zu gewinnen. Die Interviews wurden anhand eines Gesprächsleitfadens geführt, der die Softwareproduktion im Unternehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Dabei ging es insbesondere um den Umfang der Softwareprodukion, die Produktionsprozesse, die Bedeutung von Software für Wettbewerb und Innovation sowie um den künftigen Personalbedarf und die Anforderungen an die Mitarbeiterqualifikation.

Ergebnisse

Die Studie zeigt, dass Software und Softwareentwicklung für nahezu alle Produkte und Prozesse quer durch alle Branchen der deutschen Volkswirtschaft zunehmend zum wettbewerbsbestimmenden Faktor wird. Es liegt jetzt Grundlagen- und Orientierungswissen vor, das Wirtschaft und Staat fundierte Entscheidungen zur Forschung, Entwicklung und Ausbildung auf dem Gebiet der Software ermöglicht. In der Informationstechnik-Branche entwickeln mehr als 10.500 Unternehmen Software. In den 5 untersuchten Sekundärbranchen sind es bereits mehr als 8.600 Unternehmen. Dabei erzielen in der Primärbranche knapp die Hälfte aller Unternehmen mehr als 75 % ihres Umsatzes durch Softwareentwicklung. In den Sekundärbranchen entfallen durchschnittlich schon 15 % der Neuentwicklungskosten auf Software, wobei die Branchen Elektrotechnik und die Telekommunikation überdurchschnittlich softwareintensiv sind. Es gibt in der Primärbranche eine enorme Gründungsdynamik, 67 % der Unternehmen wurden nach 1990 gegründet. In den Sekundärbranchen spiegelt sich die traditionelle Stärke der deutschen Wirtschaft in ingenieurmäßigen Individuallösungen wider, die zunehmend auf innovativen Softwareentwicklungen beruhen. Der Trend zur Auslagerung der Softwareentwicklung besteht nach wie vor. Der Wettbewerb wird zunehmend über software-veredelte Funktionen der Produkte oder Dienstleistungen entschieden. Die Untersuchung belegt das momentane Defizit an Fachkräften, das für viele der befragten Unternehmen bei der Softwareentwicklung ein besonders dringliches Problem darstellt. Durch altersbedingte Fluktuation und weiteren Zusatzbedarf wird zukünftig sogar noch mit einer Verschärfung dieser Situation gerechnet. Voraussetzung für die Schaffung neuer Arbeitsplätze in Deutschland ist eine verstärkte Ausbildung sowie der Ausbau von softwaretechnologischer Kompetenz zur Entwicklung und zum Einsatz von Software-Produkten, softwaregestützten Prozessen und Dienstleistungen. Zuverlässigkeit und Funktionalität sind aus Sicht der Unternehmen die wichtigsten Qualitätseigenschaften von Software. Bisher ist aber die ingenieurmäßige Entwicklung qualitativ hochwertiger Software in Deutschland noch zu gering verbreitet. Die Bedeutung der Softwareentwicklung spiegelt sich außerdem noch nicht ausreichend in den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Unternehmen wider. Als Forschungsziele werden in der Untersuchung u. a. die Erarbeitung von wissenschaftlichen Grundlagen für die Softwaretechnik als Ingenieurdisziplin, verbesserte softwaretechnologische Prozesse, Methoden und Werkzeuge sowie das Bereitstellen und Experimentieren mit innovativen Methoden und Anwendungsfeldern mit hohen softwaretechnologischen Anforderungen.

Status

abgeschlossen 2000

Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Partner

  • Gesellschaft für Konsumforschung, Nürnberg
  • Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering, Kaiserslautern

Publikationen

Bericht

  • Stahl, Petra, H. Dieter Rombach, Michael  Friedewald, Robert Wucher, Susanne Hartkopf, Kirstin Kohler, Simone Kimpeler, Peter Zoche, Manfred Broy, and Ingolf Krüger, “Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland“, Endbericht an das Bundesministerium für Bildung und Forschung. GfK Marktforschung, Nürnberg, 2000. https://www.iese.fraunhofer.de/content/dam/iese/de/documents/Softwareentwicklung_Deutschland_Evasoft_tcm122-7431.pdf.

Artikel

  • Friedewald, Michael, H. Dieter Rombach, Petra Stahl, Manfred Broy, Susanne Hartkopf, Simone Kimpeler, Kirstin Kohler, Robert Wucher, and Peter Zoche, “Softwareentwicklung in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme”, Informatik Spektrum, Vol. 24, No. 2, 2001, pp. 81-90.
  • Friedewald, Michael, Knut Blind, and Jakob Edler, “Das Innovationsverhalten der deutschen Softwareindustrie”, Wirtschaftsinformatik, Vol. 44, No. 2, 2002, pp. 155-161.
  • Friedewald, Michael, “Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland”, IT-Personal / IT-Training, Vol. 218, 2001.
  • Friedewald, Michael, H. Dieter Rombach, Petra Stahl, Manfred Broy, Susanne Hartkopf, Simone Kimpeler, Kirstin Kohler, Robert Wucher, and Peter Zoche, “Softwareentwicklung in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme”, Informatik Spektrum, Vol. 24, No. 2, 2001, pp. 81-90.

Marktstudie Application Service Providing

Aufgabenstellung

Die Idee hinter Application Service Providing (ASP) ist nicht grundlegend neu, denn bereits in den 70er und 80er Jahren gab es Unternehmen, die mit so genannten „Time-Sharing-Services“, den kleinen und mittleren Unternehmen Rechner und Applikationen zur Verfügung stellten. Dennoch besitzt ASP heute wesentlich mehr Potential. Vor allem branchenspezifische Anwendungen werden im Netz gemietet, um sich teure Investitionen in IT-Strukturen und Know-how zu sparen. Auch jetzt sind es wieder vor allem kleine und mittlere Unternehmen, für die ASP eine Alternative zum Kauf von Anwendungen darstellen kann. Dabei bieten Application Service Provider ihren Anwendern über ein eigenes oder öffentliches Netzwerk Zugang zu Software-Applikationen, die in leistungsfähigen, sicheren und hoch verfügbaren Rechenzentren (Data Center) abgelegt sind.

Vor allem KMU mit nur geringen Personalressourcen sowie junge Internet Start-ups stellen die Hauptzielgruppe für das Application-Software-Providing dar. Die Gründe für den Einsatz von ASP liegen auf der Hand: So erwarten laut Forrester 69% der DV-Entscheider tiefgreifende Kosten- und Zeitersparnisse, 58% hoffen auf geringere IT-Administration, während 52% eine schnellere Einführung neuer Anwendungen durch ASP für wahrscheinlich halten. Kosteneinsparungen sollen sich vor allem dadurch einstellen, dass im Gegensatz zum herkömmlichen Outsourcing der Auftraggeber keine Softwarelizenzen mehr kaufen muss. Die Lizenzrechte kauft der Application Service Provider, die Kunden bezahlen lediglich für die Benutzung der Programme. Darin enthalten sind sowohl die Lizenzkosten, Gebühren für Rechner-, Platten und Netzwerkkapazitäten als auch Wartungs- und Supportkosten. Auf den ersten Blick mögen einige Softwareprogramme, die beim ASP gemietet werden teuer erscheinen. Wenn man jedoch nicht allein die Lizenzgebühren sondern die Gesamtkosten, welche auch die Aufwendungen für Endanwender-Support sowie die Ausgaben für immer wieder auftretende Fehlerbeseitigung berücksichtigt, eröffnet sich das gesamte Einsparungspotential. Forrester geht davon aus, dass etwa 30% des IT-Budgets eines Unternehmens durch Application Service Providing eingespart werden kann.

Vor diesem Hintergrund sollten für den Auftraggeber die wichtigsten Anbieter und Produkte für ausgewählte Branchen identifiziert und beschrieben werden. Dabei geht es auch um die spezifischen Anforderungen, die für die Durchsetzung des ASP-Modells in unterschiedlichen Branchen zu erfüllen sind.

Ergebnisse

Application Service Providing ist ein neues Vertriebsmodell für Software, das nicht nur bei branchenneutralen Applikationen (Office, Mail, ERP) Marktpotenziale besitzt, sondern auch für die Nutzer branchenspezifischer Software interessant ist.

Die Entscheidung, ob und in welchem Umfang ASP von Unternehmen tatsächlich genutzt wird, hängt von einer Abwägung der Vor- und Nachteil ab. Zu den von den potenziellen Nutzern als Nachteil empfundenen Faktoren gehören: (1) die Abhängigkeit von einem externen Dienstleister, (2) der langfristige Know-how-Verlust im IT-Bereich, (3) Probleme des Datenschutzes und der Datensicherheit, (4) der mögliche Kostenanstieg, falls ein ASP-Anbieter die entstandene Abhängigkeit durch erhöhte Preise missbraucht sowie (5) die Verfügbarkeit der Dienstleistung und des Netzes als neue Unsicherheitsfaktoren.

Demgegenüber erkennen die potenziellen Nutzer auch Vorteile von ASP: (1) Kostentransparenz im IT-Bereich, (2) keine zusätzlichen Hardware-Investitionen, (3) hohe Sicherheit vor Datenverlusten, (4) Aktualität der Anwendungen, (5) Einfache Skalierbarkeit / Erweiterbarkeit und dadurch (6) die Möglichkeit zur Fokussierung auf das Kerngeschäft.

Nicht alle Software-Anwendungen sind heute in gleichem Maße für ASP geeignet:

  • Im Office Software Bereich spielt immer noch Microsoft mit „Microsoft Office“ die Hauptrolle unter den Softwareanbietern. Eine großes Einsparpotential wird im Office Bereich durch ASP jedoch nicht gesehen, da die Wartung und Installation der Office Pakete relativ einfach ist. Bei derzeitigen Übertragungsgeschwindigkeiten haben
  • Grafikprogramme – speziell für den Medienbereich – im ASP-Modell noch keine Zukunft, da der Bildaufbau enorme Übertragungskapazitäten erfordert.
  • Internet / Intranet basierende Anwendungen werden mit großer Wahrscheinlichkeit ein Hauptstütze des ASP werden. Die Nutzung von ASP könnte hier ganze Firmennetzwerke und Administrationsbereiche ersetzen.
  • Im Bereiche der großen Datenbank- oder Analyseanwendungen ist ASP eine sehr gute Alternative, da bei diesen Programmen meist ein Maximum an Hardwareleistung vorausgesetzt wird. Teure einmalige Investitionen könnten so den Firmen erspart bleiben.

Für branchenspezifische ASP-Lösungen (z. B. Konstruktions- und produktionsunterstützende Software im produzierenden Gewerbe, Warenwirtschafts- und Logistikapplikationen) existieren keine „einfachen“ Märkte, die sich einfach dadurch erschließen ließen, die erfolgreichsten Softwareprodukte in das Anbieter-Portfolio aufzunehmen. Dabei gilt es vor allem psychologische Barrieren bei den potenziellen Kunden zu überwinden, die sich – aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit und Bedenken über die Zukunftssicherheit der Angebote – scheuen, IT-Aufgaben durch einen spezialisierten Dienstleister erbringen zu lassen.

Für einen erfolgreichen Markteintritt bei branchenspezifischen Anwendungen erscheint daher die Kooperation des Application Servicer Providers mit etabnlierten Softwareanbietern, mit einflussreichen und meinungsbestimmenden Pilotkunden bzw. Branchenverbänden zielführend. Zentral ist dabei die Schaffung von Vertrauen bei den potenziellen Kunden, sowohl mit Blick auf Leistungen als auch auf Kosten- bzw. Preismodelle.

Status

abgeschlossen (September 2000 – April 2001)

Auftraggeber

Einsteinet AG

Publikationen

  • Friedewald, Michael, “Marktstudie “Application Service Providing” – Branchenspezifische ASP-Potenziale”, Abschlussbericht, Fraunhofer ISI, Karlsruhe, 2001.
  • Friedewald, Michael, Peter Georgieff, and Markus Joepgen, “Application Service Providing – Software mieten statt kaufen“, FB/IE – Zeitschrift für Unternehmensentwicklung und Industrial Engineering, Vol. 50, No. 6, 2001, pp. 265-267.

Umfassende Studie zur wirtschaftlichen Relevanz der Software-Industrie in Deutschland

Über 20 000 Unternehmen in Deutschland entwickeln Software / Jährliche Wertschöpfung von mindestens 50 Mrd. DM / Wissenschaftler sprechen sich für eine Erneuerung des Ausbildungssystems aus

Eine bessere Durchdringung vieler Studiengänge mit medien- und informationstechnischem Anwendungswissen fordert das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe. Gemeinsam mit der GfK Marktforschung GmbH, Nürnberg, und dem Fraunhofer IESE, Kaiserslautern, untersuchte die Projektgemeinschaft für das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Softwareentwicklung in Deutschland. Die Forscher analysierten dabei sowohl die Primärbranche, also Softwarehersteller, Dienstleister der Informationstechnik und Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, als auch Sekundärbranchen, die von der Softwaretechnik stark beeinflusst werden, wie den Maschinen- und Fahrzeugbau, die Elektrotechnik, die Telekommunikation sowie Finanzdienstleistungsunternehmen.

Nach Berechnungen der Autoren entwickeln derzeit über 20 000 Unternehmen in Deutschland Software oder passen diese an Unternehmensbedürfnisse an. Mittlerweile ist in vielen Branchen ein überwiegender Teil des Umsatzes unmittelbar vom Einsatz von Computern abhängig. Beispielsweise steuern Programme heute in der Automobilindustrie nahezu alle Produktionsabläufe. Ohne Software könnten Autos weder hergestellt noch vertrieben werden. Selbst im Auto „regiert“ Kollege Computer, sei es bei der Motorregelung oder bei diversen Kontrollanzeigen.

Die Unternehmen der softwareintensiven Branchen beschäftigen nach Schätzung der Forscher derzeit rund 2,8 Millionen Erwerbstätige – 300 000 in der Primärbranche und 2,5 Millionen in den Sekundärbranchen. Davon sind in der Primärbranche über 120 000 Personen explizit mit der Entwicklung oder Anpassung von Software betraut und gut 55 000 Menschen in der Sekundärbranche. Diese 175 000 Beschäftigten erzielen jährlich eine Wertschöpfung von mindestens 50 Mrd. DM.

Während die Struktur der Primärbranche überwiegend durch kleine Unternehmen mit oftmals weniger als zehn Mitarbeitern geprägt ist, findet die Softwareentwicklung und -anpassung in den Sekundärbranchen eher in mittleren und größeren Firmen statt.

Die Primärbranche ist durch junge Unternehmen gekennzeichnet; rund zwei Drittel der Firmen wurden nach 1990 gegründet. Existenzgründungen entstehen aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen, aber auch dadurch, dass etablierte Firmen neue, innovative Produkte entwickeln und diese in Ausgründungen vermarkten. In den Sekundärbranchen spiegelt sich die traditionelle Stärke der deutschen Wirtschaft wider. Angepasste Softwarelösungen tragen vielfach dazu bei, dass Unternehmen dieser Branchen ihre Weltmarktführerschaft ausbauen können.

Doch konstatieren die Autoren ein starkes Defizit an qualifizierten Fachkräften. Der in der Befragung ermittelte Bedarf von 28 000 Softwareentwicklern zur sofortigen Einstellung bzw. 55 000 Softwareentwicklern zur Einstellung in den nächsten Monaten ist noch sehr konservativ geschätzt. Die Forscher erwarten einen weiterhin stark steigenden Personalbedarf. Sie gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2005 der Personalbestand von heute gut 175 000 Mitarbeitern auf schätzungsweise 385 000 ansteigt. Dieser Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitern kann nach Ansicht der Wissenschaftler nicht durch die Standardausbildungsgänge der Hochschulen gedeckt werden.

Ferner erfordert die Professionalisierung der Softwareentwicklung ein klares Rollenbild und darauf abgestimmte Qualifikationen. Vielfach bemängeln die rund 1 000 befragten Unternehmen eine fehlende Anwendungsorientierung der universitären Studiengänge. Die gegenwärtige Ausbildung konzentriert sich zu stark auf die Fähigkeit, Software neu zu entwickeln, anstatt sich mit Standardkomponenten auseinander zu setzen, um daraus neue Systeme und Lösungen zu kreieren. Darüber hinaus wird in der Softwareentwicklung zu wenig zwischen anspruchsvollen Ingenieurstätigkeiten wie Anforderungsanalyse oder Systementwurf und einfachen technischen Tätigkeiten wie Programmierung oder Komponententesten unterschieden. Dies hat zur Folge, dass hochqualifizierte Informatiker nicht adäquat eingesetzt werden und sich dann unterfordert fühlen.

Die Wissenschaftler sprechen sich daher für eine generelle Erneuerung des deutschen Aus- und Weiterbildungssystems aus. Dabei sollten die Internationalisierung der Lehre, eine Aktualisierung der Bildungsinhalte, Interdisziplinarität sowie der Praxisbezug im Mittelpunkt stehen.

Dennoch bestehen nach übereinstimmender Einschätzung der Experten in Deutschland die Voraussetzungen für eine günstige Entwicklung in den Sekundärbranchen sowie für ein Wachstum in der Primärbranche. Um innovative Techniken in den Unternehmen zu erschließen, sind nach Meinung der Befragten weniger finanzielle Zuwendungen erforderlich als vielmehr bessere Rahmenbedingungen etwa zur Qualifizierung des Nachwuchses.

Die befragten Experten beantworteten schließlich die Frage nach „marktnaher Forschung“ oder „Grundlagenforschung“ mit einem entschiedenen „Beides!“. Nur die gleichzeitige Verfolgung von Grundlagen- und angewandter Forschung verspricht auf Dauer Erfolg. Dabei sollte Deutschland, dessen Stärke das produzierende Gewerbe mit starker Orientierung auf Einzel- statt Massenproduktion ist, sich besonders auf Anwendungsfelder konzentrieren wie „Embedded Software“, die beispielsweise in der Automobil- und Mobilfunkindustrie benötigt wird, sowie auf Software zur Unterstützung von Dienstleistungen, zum Beispiel für die öffentliche Verwaltung, im Gesundheitswesen, in der Planung und Logistik sowie für Verkehrsleitsysteme.

Die Studie „Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland“ kann als pdf-Datei (4,3 MB) aus dem Internet bezogen werden unter: http://www.dlr.de/IT/IV/Studien/evasoft_abschlussbericht.pdf

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